Search and Destroy 3

Hyaku hat fast alle Körperteile zurückerlangt, die ihr einst genommen wurden, und macht sich nun auf die Suche nach dem letzten großen Teil: dem mechanischen Träger ihres Herzens. Dabei gerät sie mitten in einen Aufstand, bei dem Menschen und Kreas gegeneinander kämpfen.
Ein Finale mit Wucht
Mit dem dritten Band findet Atsushi Kanekos Neuinterpretation von Osamu Tezukas Dororo ihren Abschluss. Und schon nach wenigen Seiten merkt man, dass hier nicht einfach nur die offenen Kämpfe der vorherigen Bände beendet werden sollen. Hyakus persönliche Suche, die politischen Spannungen und die gesellschaftlichen Konflikte laufen zunehmend zusammen und steuern auf einen großen Showdown zu.
Hyakus letzter Weg
Hyaku steht kurz davor, ihren Körper wieder vollständig zusammenzusetzen. Was zunächst wie eine simple Rachegeschichte begonnen hat, ist inzwischen deutlich komplexer geworden. Ihre Suche nach den geraubten Körperteilen wird zu einer Suche nach ihrer eigenen Identität und Vergangenheit. Gerade diese Entwicklung macht ihren Weg im dritten Band besonders interessant.
Eine Stadt am Abgrund
Während Hyaku ihrem letzten Ziel näherkommt, spitzt sich die Situation in Hachisuka City immer weiter zu. Der Konflikt zwischen Menschen und Kreas eskaliert und aus der angestauten Unzufriedenheit wird schließlich eine offene Rebellion. Dadurch bekommt der dritte Band eine deutlich größere Dimension als die persönliche Geschichte von Hyaku und Doro.
Doro bekommt Antworten
Auch Doro erhält im Finale noch einmal deutlich mehr Aufmerksamkeit. Ihre Vergangenheit und ihre wahre Identität werden näher beleuchtet und liefern wichtige Puzzleteile für die Geschichte. Besonders schön ist dabei, dass Doro nicht einfach nur als Begleiterin von Hyaku funktioniert, sondern ihre eigene Geschichte besitzt und für das Ende eine wichtige Rolle spielt.
Die Vergangenheit holt alle ein
Kaneko nutzt den letzten Band außerdem, um einige Fragen zu beantworten, die sich über die vorherigen Teile aufgebaut haben. Vor allem Hyakus Herkunft rückt stärker in den Mittelpunkt. Dadurch bekommt ihre Geschichte im Nachhinein noch einmal eine andere Bedeutung und manche Ereignisse aus den ersten beiden Bänden wirken plötzlich aus einem anderen Blickwinkel.
Gewalt und Gesellschaft
Wie schon zuvor ist Search And Destroy alles andere als zimperlich. Gewalt gehört fest zu dieser dystopischen Welt und wird nicht nur als spektakuläres Stilmittel eingesetzt. Hinter den Kämpfen stehen soziale Ungleichheit, Ausgrenzung, Macht und die Frage, was passiert, wenn eine Gesellschaft bestimmte Gruppen unterschiedlich behandelt. Dadurch steckt hinter der brachialen Oberfläche erstaunlich viel gesellschaftlicher Stoff.
Ein außergewöhnlicher Zeichenstil
Optisch bleibt der Manga auch im Finale ein echter Hingucker. Kaneko arbeitet fast ausschließlich mit Schwarz und Weiß, starken Kontrasten und unzähligen Linien. Das verleiht den Bildern eine raue, dreckige und teilweise fast verstörende Atmosphäre. Gerade das retrofuturistische Setting profitiert enorm von diesem ungewöhnlichen Stil.
Action trifft Atmosphäre
Die Action kommt natürlich ebenfalls nicht zu kurz. Kämpfe wirken hektisch, brutal und teilweise regelrecht chaotisch, passen aber hervorragend zur Welt. Gleichzeitig gibt es immer wieder ruhigere Passagen, in denen Figuren und ihre Vergangenheit im Mittelpunkt stehen. Dieser Wechsel verhindert, dass der Band zu einer reinen Aneinanderreihung von Kämpfen wird.
Ein ungewöhnliches Finale
Was mir besonders gefällt, ist, dass Search And Destroy seinen eigenen Stil bis zum Schluss durchzieht. Die Geschichte fühlt sich niemals wie ein gewöhnlicher Science-Fiction-Manga an. Die Mischung aus Cyberpunk, Dystopie, Rachegeschichte und gesellschaftlicher Kritik ist ziemlich speziell, funktioniert aber gerade deshalb so gut. Die Reihe wird dabei konsequent abgeschlossen und bringt sowohl Hyakus als auch Doros Geschichte zu einem Ende.
Mein Gesamteindruck
Der dritte Band ist für mich ein sehr passender Abschluss der Reihe. Besonders die Verbindung aus Hyakus persönlicher Geschichte und dem größeren Konflikt zwischen Menschen und Kreas funktioniert hervorragend. Dadurch fühlt sich das Finale nicht klein oder überstürzt an, sondern bekommt die Größe, die eine dreibändige Geschichte dieser Art braucht. Hyaku bleibt dabei eine faszinierende Hauptfigur. Ihre Entwicklung von einer scheinbar ausschließlich von Rache getriebenen Kämpferin hin zu einer Figur, die sich zunehmend mit ihrer eigenen Vergangenheit und Identität auseinandersetzen muss, ist spannend zu verfolgen. Auch Doro bekommt im Finale den Raum, den sie verdient. Ihre Vergangenheit bringt noch einmal eine emotionale Ebene in die Geschichte und sorgt dafür, dass die Beziehung zwischen den beiden Figuren mehr Gewicht bekommt.
Optisch ist der Manga sowieso eine Klasse für sich. Für mich passt diese raue Optik aber perfekt zur düsteren Welt und zur kompromisslosen Geschichte. Wer die ersten beiden Bände mochte, bekommt hier einen konsequenten Abschluss mit reichlich Action, düsterer Atmosphäre und einigen wichtigen Antworten. Gleichzeitig bleibt der Manga seinem ungewöhnlichen Stil bis zur letzten Seite treu. Für mich ist vor allem die Kombination aus starker Optik und einer Geschichte mit gesellschaftlichen Untertönen die große Stärke der Reihe.
Vielen Dank an den Carlsen Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
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