Requiem

In einer trostlosen Welt erwacht der gefallene Krieger Darin als Untoter. Begleitet von einer Wanderkrähe und einem streitsüchtigen Ziegendämon, begibt er sich auf die Suche nach seiner Vergangenheit und dem Grund, warum er einst in den Krieg zog.

Eine Fantasywelt nach dem Ende

Was REQUIEM direkt interessant macht, ist die Ausgangssituation. Normalerweise beginnt eine Fantasygeschichte damit, dass eine große Gefahr bevorsteht und ein Held die Welt retten muss. Hier ist das genaue Gegenteil der Fall: Die Welt ist bereits zerstört. Darin ist längst tot und trotzdem geht seine Reise weiter. Diese ungewöhnliche Ausgangslage gibt dem Manga von Beginn an eine ziemlich eigenständige Atmosphäre.

Ein Held, der keiner sein muss

Darin ist dabei kein klassischer strahlender Held. Er ist stark, hat gekämpft und offenbar eine lange Vergangenheit hinter sich – aber selbst weiß er zunächst kaum noch, wer er eigentlich war. Genau dadurch funktioniert seine Reise gleichzeitig als Fantasy-Abenteuer und als Suche nach der eigenen Identität. Je mehr Erinnerungen zurückkehren, desto stärker verändert sich auch der Blick auf seine Vergangenheit.

Die Krähe als Wegweiser

Eine besonders schöne Idee ist die Krähe, die Darin überhaupt erst dazu bringt, sich auf den Weg zu machen. Sie ist kein typischer Sidekick, sondern eher ein geheimnisvoller Wegweiser. Ihre Verbindung zu Darins Vergangenheit sorgt dafür, dass die Reise nicht einfach nur aus Kämpfen und Monstern besteht. Stattdessen gibt es immer wieder Momente, in denen die Vergangenheit und Gegenwart miteinander verschmelzen.

Herr Ziege sorgt für Chaos

Dann wäre da natürlich noch der Ziegendämon. Während Darin versucht, Antworten über sich selbst zu finden, hat dieser vor allem eines im Kopf: einen ordentlichen Kampf. Das sorgt für eine gute Portion Humor und verhindert, dass die Geschichte dauerhaft schwermütig wird. Die beiden Figuren könnten kaum unterschiedlicher sein und genau daraus entstehen einige unterhaltsame Situationen.

Düster, aber nicht humorlos

Obwohl die Welt von REQUIEM voller Tod, Monster und Ruinen steckt, nimmt sich der Manga nicht durchgehend todernst. Der Humor kommt häufig unerwartet und lockert die düstere Grundstimmung angenehm auf. Gerade diese Mischung aus makabrer Fantasy, absurden Situationen und ernsteren Gedanken macht den eigenen Charme des Bandes aus.

Starke Bilder und Monster

Optisch kann REQUIEM besonders punkten. Mitringer legt großen Wert auf detaillierte Fantasywelten, Monster und actionreiche Szenen. Die zerstörten Landschaften und gewaltigen Kreaturen vermitteln sehr gut, dass hier eine Welt zu sehen ist, die ihren Untergang bereits hinter sich hat. Besonders bei den Kämpfen merkt man, wie viel Arbeit in den Zeichnungen steckt. Auch frühere Besprechungen hoben die starken Zeichnungen und die eindrucksvoll inszenierten Actionszenen hervor.

Die eigentliche Reise liegt in der Vergangenheit

Je weiter Darin kommt, desto deutlicher wird, dass es bei seiner Suche nicht nur darum geht, einen bestimmten Ort zu erreichen. Viel wichtiger ist die Frage, wer dieser Mann vor seinem Tod eigentlich gewesen ist. Seine Erinnerungen geben nach und nach Hinweise darauf, welche Ziele er einst verfolgt hat und was aus diesen geworden ist. Dadurch bekommt die Geschichte eine überraschend nachdenkliche Ebene.

Eine ungewöhnliche Heldenreise

Besonders interessant ist, dass REQUIEM die klassische Heldenreise auf den Kopf stellt. Darin muss nicht erst lernen, mutig oder stark zu werden er ist bereits ein mächtiger Krieger und hat sogar den Tod überwunden. Stattdessen muss er sich mit den Konsequenzen seines früheren Lebens auseinandersetzen. Genau darin liegt für mich eine der größten Stärken des Mangas.

Mein Gesamteindruck

REQUIEM ist ein Fantasy-Manga, der sich nicht unbedingt anfühlt wie die typische Heldenreise. Gerade die Tatsache, dass die Geschichte nach dem großen Untergang beginnt, macht den Band interessant. Man bekommt keine klassische Rettung der Welt, sondern eine Reise durch eine Welt, in der eigentlich bereits alles vorbei ist. Darin funktioniert als Hauptfigur sehr gut, weil man gemeinsam mit ihm seine Vergangenheit entdeckt. Anfangs ist er vor allem ein geheimnisvoller Untoter, doch mit jedem Erinnerungsfragment bekommt seine Figur mehr Tiefe. Dadurch entwickelt sich die Geschichte langsam von einem Fantasy-Abenteuer zu einer persönlichen Suche nach Identität und Sinn. Auch Herr Ziege bringt genau die richtige Portion Verrücktheit mit. Seine ständige Lust auf einen Kampf wirkt manchmal herrlich absurd und sorgt dafür, dass die Geschichte trotz ihrer düsteren Thematik nicht zu schwer wird. Die Kombination aus Darins eher nachdenklicher Art und dem streitsüchtigen Ziegendämon funktioniert überraschend gut. Besonders beeindruckend sind für mich die Zeichnungen. Was mir besonders gefällt, ist die Idee, die Heldenreise nicht am Anfang, sondern praktisch am Ende beginnen zu lassen. Der Held hat seine großen Schlachten bereits geschlagen und muss nun herausfinden, was davon eigentlich übrig geblieben ist. Dadurch bekommt die Geschichte einen etwas melancholischen Unterton. Gleichzeitig sorgt der Humor dafür, dass diese Melancholie nie komplett überhandnimmt. Gerade die Begegnungen mit Herrn Ziege bringen immer wieder etwas Leichtigkeit hinein. Dadurch bleibt der Manga trotz seiner düsteren Welt unterhaltsam und abwechslungsreich. Unterm Strich ist REQUIEM vor allem etwas für Fans von düsterer Fantasy, ungewöhnlichen Helden und Geschichten, die neben Action auch eine philosophische Seite besitzen. Wer eine klassische Quest mit einem jungen Helden erwartet, der die Welt retten muss, bekommt hier stattdessen etwas deutlich Eigenständigeres.

Vielen Dank an Altraverse für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars. 

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