I Hate Fairyland Buch 3

Gert kehrt nach Jahren in der realen Welt zurück nach Fairyland, um einen verschwundenen Jungen zu finden. Dabei gerät sie erneut in ein völlig verrücktes Abenteuer voller Dämonen, alternativer Versionen ihrer selbst und jeder Menge Chaos.

Zurück in Fairyland

Schon der Einstieg macht deutlich, dass Skottie Young mit diesem dritten Deluxe-Band nicht einfach die ursprüngliche Geschichte wiederholen möchte. Gert ist mittlerweile erwachsen und hat Fairyland tatsächlich verlassen – nur um festzustellen, dass das normale Leben mindestens genauso beschissen sein kann. Gerade dieser Perspektivwechsel funktioniert überraschend gut, denn Gert hat sich körperlich verändert, charakterlich ist sie aber immer noch die völlig durchgeknallte Chaosmaschine, die man aus den ersten Geschichten kennt. 

Eine völlig bekloppte Mission

Die neue Ausgangssituation mit William Wiggins ist herrlich absurd. Gert soll seinen Sohn suchen, der angeblich in Fairyland verschwunden ist, während Wiggins gleichzeitig plant, aus dem Märchenland einen gigantischen Freizeitpark zu machen. Damit bekommt die Geschichte neben dem üblichen schwarzen Humor auch eine ziemlich witzige Kritik an Kommerz und der Vermarktung fantastischer Welten. Gert interessiert sich natürlich hauptsächlich für das Geld und dafür, endlich wieder dorthin zu kommen, wo sie zwar alles hasst, sich aber offensichtlich trotzdem zu Hause fühlt. 

Willkommen in der Hölle

Besonders stark fand ich den Abschnitt rund um das Inferno. Statt Gert einfach durch ein Portal nach Fairyland zu schicken, lässt Young sie zunächst durch eine komplett durchgeknallte Höllendimension stolpern. Mit Rotwald und Virgil entsteht dabei ein Trio, das wunderbar miteinander funktioniert. Jeder Charakter bringt eine andere Form von Chaos mit, und natürlich macht Gert durch ihre Entscheidungen alles nur noch schlimmer. Dass aus einer eigentlich überschaubaren Reise plötzlich eine jahrelange Odyssee wird, passt perfekt zum absurden Humor der Reihe. 

Gert bleibt eben Gert

Was mir besonders gefällt: Obwohl Gert inzwischen erwachsen ist, versucht Young nicht, sie plötzlich zu einer vernünftigen Hauptfigur umzubauen. Sie ist weiterhin egoistisch, brutal, cholerisch und absolut nicht gesellschaftsfähig. Gleichzeitig bekommt sie durch ihre Erfahrungen aber etwas mehr Tiefe. Man merkt zunehmend, dass Fairyland für sie nicht einfach nur ein Ort ist, aus dem sie wegwill. Es ist ein Teil ihres Lebens geworden – und vielleicht sogar der einzige Ort, an dem sie wirklich sie selbst sein kann.

Larry ist wieder dabei

Auch Larry bekommt wieder eine wichtige Rolle. Seine Beziehung zu Gert gehört für mich ohnehin zu den interessantesten Bestandteilen der Reihe, weil sie irgendwo zwischen Freundschaft, Abhängigkeit und gegenseitiger Verzweiflung liegt. Dass Larry in Gerts Abwesenheit ein eigenes Leben aufgebaut hat, sorgt zusätzlich für einige schöne Momente. Gleichzeitig zeigt es, wie sehr sich die Welt weiterentwickelt hat, während Gert emotional teilweise immer noch an ihrer alten Suche nach dem Weg nach Hause festhängt.

Jede Menge Gerts

Spätestens mit den verschiedenen Versionen von Gert dreht der Comic dann endgültig komplett frei. König Cloudeus versucht, das Gert-Problem mit alternativen Versionen der chaotischen Heldin zu lösen, und daraus entsteht genau das blutige Durcheinander, das man von I Hate Fairyland erwartet. Die Idee ist gleichzeitig clever und herrlich bescheuert, weil Young damit verschiedene Facetten seiner Hauptfigur aufeinanderprallen lässt. 

Humor trifft brutale Fantasy

Der große Trumpf des Comics bleibt für mich die Mischung aus knallbunter Märchenwelt und völlig überzogener Gewalt. Fairyland sieht weiterhin aus wie eine Mischung aus Kinderbuch, Bonbonladen und klassischer Fantasywelt – und genau darin zerlegt Gert regelmäßig alles, was ihr vor die Axt kommt. Dieser Kontrast ist inzwischen das Markenzeichen der Reihe. Wer mit schwarzem Humor nichts anfangen kann, dürfte hier vermutlich schnell an seine Grenzen kommen. Wer diesen Humor mag, bekommt dagegen jede Menge absurde Situationen serviert.

Brett Beans Zeichnungen

Auch optisch macht der Band richtig Spaß. Brett Bean übernimmt die Zeichnungen der neuen Serie und verpasst Fairyland einen etwas anderen, aber hervorragend passenden Look. Die Figuren sind extrem ausdrucksstark, die Welt steckt voller kleiner Details und gerade die vielen absurden Kreaturen funktionieren visuell hervorragend. Dazu kommen die knalligen Farben, die den Kontrast zwischen niedlicher Märchenwelt und blutigem Gemetzel noch stärker machen. Die Zeichnungen sind dabei nicht einfach nur hübsches Beiwerk, sondern ein wichtiger Teil des Humors.

Ein herrlich chaotisches Comeback

Besonders schön ist, dass der Band nicht versucht, alles unnötig ernst zu nehmen. Selbst wenn Gerts Geschichte stellenweise tatsächlich überraschend tragische Momente bekommt, bleibt der Comic seinem völlig durchgedrehten Grundton treu. Die Geschichte entwickelt sich dabei immer wieder in Richtungen, mit denen man kaum rechnen kann. Mal geht es um eine Rettungsmission, dann um Hölle und Dämonen, anschließend um alternative Gerts oder sogar um einen Film über Gerts eigenes Leben. Für mich funktioniert I Hate Fairyland vor allem deshalb so gut, weil Gert nach ihrer Rückkehr in die reale Welt nicht plötzlich zu einer anderen Figur geworden ist. Sie bleibt die völlig durchgeknallte Gertrude, bekommt aber gleichzeitig neue Facetten spendiert. Gerade ihr Scheitern in der normalen Welt macht deutlich, wie sehr sie durch ihre Jahrzehnte in Fairyland geprägt wurde.

Die Geschichte ist dabei wunderbar überdreht und nimmt sich selbst zu keiner Sekunde zu ernst. Wer bereits mit dem schwarzen Humor der Reihe etwas anfangen konnte, bekommt hier wieder genau das, was man erwartet: absurde Kreaturen, bizarre Situationen, jede Menge Gewalt und eine Heldin, die vermutlich jedes Problem noch deutlich schlimmer machen kann.

Besonders gelungen finde ich die Kombination aus neuen Ideen und bekannten Figuren. Auch zeichnerisch macht der Band ordentlich etwas her. Wer I Hate Fairyland bisher mochte, bekommt mit dem vorliegenden Band eine ziemlich umfangreiche Fortsetzung, die Gerts Geschichte sinnvoll weiterführt und gleichzeitig neue Wege einschlägt. Wer allerdings mit schwarzem Humor, Splatter, übertriebener Gewalt und einer bewusst nervigen Hauptfigur wenig anfangen kann, dürfte auch mit diesem Band nicht glücklich werden.

Vielen Dank an den Skinless Crow Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars. 

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