Search and Destroy 2

Hyaku und Doro setzen ihre Reise fort, um die gestohlenen Körperteile zurückzuerlangen. Doch je mehr Hyaku von ihrem menschlichen Körper zurückbekommt, desto verletzlicher wird sie. Gleichzeitig gerät sie immer tiefer in eine brutale und korrupte Welt.
Die Geschichte wird persönlicher
Band 2 führt die Handlung konsequent weiter, legt dabei aber deutlich mehr Wert auf Hyaku als Person. Während im ersten Band vor allem ihr kompromissloser Rachefeldzug im Vordergrund stand, wird nun stärker gezeigt, was es eigentlich bedeutet, ihren ursprünglichen Körper zurückzubekommen. Das ist ein interessanter Kniff, denn Hyaku wird dadurch nicht einfach stärker. Ganz im Gegenteil: Mit jedem Stück Menschlichkeit verliert sie einen Teil ihrer übermenschlichen Fähigkeiten.
Menschlichkeit als Schwäche
Genau hier liegt für mich eine der spannendsten Ideen des zweiten Bandes. Hyaku kämpft ihr ganzes Leben darum, wieder vollständig menschlich zu werden, doch plötzlich stellt sich heraus, dass Menschlichkeit auch Verletzlichkeit bedeutet. Sie kann wieder Dinge wahrnehmen, die ihr zuvor gefehlt haben, muss dafür aber gleichzeitig mit Schmerzen, Kälte und körperlichen Grenzen umgehen. Das verleiht ihrer eigentlich sehr geradlinigen Rachegeschichte eine überraschend nachdenkliche Ebene.
Hyaku und Doro
Auch die Beziehung zwischen Hyaku und Doro entwickelt sich weiter. Doro sorgt dabei immer wieder für einen Kontrast zu Hyakus düsterer und brutaler Welt. Während Hyaku von ihrer Vergangenheit und ihrem Rachefeldzug bestimmt wird, bringt Doro eine kindlichere und teilweise humorvolle Perspektive mit. Dadurch entstehen kleine Ruhepunkte zwischen den teilweise sehr harten Szenen und die Verbindung der beiden wirkt zunehmend wichtiger für die Geschichte.
Eine kaputte Gesellschaft
Kaneko nutzt Hyakus Suche außerdem, um die dystopische Welt weiter auszubauen. Menschen und Kreas leben in einer Gesellschaft, die von sozialen Gegensätzen, Korruption und Ausbeutung geprägt ist. Dabei wird nicht einfach nur zwischen „Mensch“ und „Maschine“ unterschieden. Vielmehr zeigt der Manga, wie beide Seiten ihre Macht missbrauchen können. Gerade diese moralischen Grauzonen passen hervorragend zur düsteren Atmosphäre der Reihe.
Brutal, dreckig und kompromisslos
Wer Band 1 wegen seiner Härte mochte, bekommt auch im zweiten Teil wieder einiges geboten. Gewalt wird hier nicht beschönigt und einige Situationen sind bewusst verstörend dargestellt. Der Manga richtet sich nicht ohne Grund an ein Publikum ab 16 Jahren. Gleichzeitig hat die Brutalität einen festen Platz in der Geschichte, denn Hyakus Rache ist nun einmal kein sauberer Heldenfeldzug.
Der besondere Zeichenstil
Optisch bleibt Search And Destroy eines seiner größten Highlights. Atsushi Kaneko arbeitet mit starken Schwarz-Weiß-Kontrasten, sehr dynamischen Bewegungen und teilweise riesigen schwarzen Flächen. Dadurch wirkt der Manga rau, dreckig und fast schon wie ein Mix aus Cyberpunk-Comic und düsterem Underground-Manga. Besonders die Action profitiert davon, weil die Kämpfe nicht steril wirken, sondern richtig aggressiv und chaotisch daherkommen. Auch die ungewöhnlichen Maschinen- und Krea-Designs bleiben sofort im Gedächtnis.
Nicht nur Action
Obwohl die Reihe auf den ersten Blick wie ein brutaler Rache- und Action-Manga wirkt, steckt deutlich mehr dahinter. Band 2 beschäftigt sich besonders mit der Frage, was einen Menschen eigentlich menschlich macht. Ist es der Körper? Sind es Gefühle? Die Fähigkeit zu leiden? Oder vielleicht gerade die Schwäche, die mit einem menschlichen Körper verbunden ist? Hyakus Entwicklung liefert darauf keine einfache Antwort, macht die Suche aber umso interessanter.
Ein etwas anderer Mittelband
Als Mittelband einer dreiteiligen Reihe macht Band 2 genau das, was er soll: Er erweitert die Welt, vertieft die Figuren und bereitet gleichzeitig das Finale vor. Einige Nebenhandlungen nehmen dabei relativ viel Raum ein, wodurch das Tempo stellenweise etwas ruhiger wirkt. Auch Lesermeinungen gehen hier auseinander: Während manche gerade die zusätzliche Charakterentwicklung loben, empfinden andere den Mittelteil als weniger unmittelbar als Band 1. Für mich passt diese ruhigere Phase aber durchaus, weil Hyakus persönliche Entwicklung dadurch stärker in den Mittelpunkt rückt.
Fazit
Search And Destroy 2 ist eine düstere und kompromisslose Fortsetzung, die den Schwerpunkt stärker auf Hyakus persönliche Entwicklung legt. Die Suche nach ihren gestohlenen Körperteilen bleibt zwar das zentrale Element, bekommt aber durch die zunehmende Menschlichkeit eine zusätzliche Bedeutung. Besonders spannend ist dabei der Widerspruch, dass Hyaku eigentlich stärker werden möchte, indem sie ihren Körper zurückerlangt, dabei aber gleichzeitig immer verletzlicher wird. Dieser Gedanke zieht sich sehr interessant durch den Band und macht aus dem Rachefeldzug mehr als eine reine Aneinanderreihung von Kämpfen. Auch Doro funktioniert weiterhin hervorragend als Gegenpol zu Hyaku. Ihre Beziehung sorgt dafür, dass die Geschichte trotz der brutalen Welt nicht komplett kalt und hoffnungslos wirkt. Zeichnerisch ist Band 2 erneut eine Wucht. Unterm Strich ist Search And Destroy 2 ein spannender Mittelband, der die Geschichte nicht einfach nur fortsetzt, sondern Hyakus Entwicklung deutlich vertieft. Die Mischung aus Cyberpunk, Rachegeschichte, Gesellschaftskritik, Gewalt und der Frage nach menschlicher Identität macht den Manga sehr empfehlenswert und ich bin gespannt wie’s weitergeht.
Vielen Dank an den Carlsen Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
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