Die Bruderschaft der Stürme 2 Orvann

Orvann, ein ehemaliger Meister der Kraken, lebt als heruntergekommener Leuchtturmwärter. Als drei Schiffe an den Riffen zerschellen, wird er dafür verantwortlich gemacht. Doch Orvann erkennt, dass er zum Sündenbock gemacht wurde, und versucht, die Verschwörung aufzudecken. Seine Suche führt ihn nach Aratheon, in eine Welt voller Piraten, Magie und Intrigen.
Ein gebrochener Held
Mit Die Bruderschaft der Stürme 2 Orvann geht die Fantasy-Reihe von Sylvain Cordurié und Stéphane Créty in die nächste Runde. Dabei wird nicht einfach die Geschichte aus dem ersten Band fortgesetzt, sondern eine komplett neue Figur in den Mittelpunkt gestellt. Das funktioniert erstaunlich gut, denn Orvann ist alles andere als der klassische strahlende Held. Er ist verbittert, heruntergekommen und hat offensichtlich schon einiges hinter sich. Gerade diese Ecken und Kanten machen ihn interessant und sorgen dafür, dass man schnell wissen möchte, was eigentlich mit ihm passiert ist und warum ein einstiger Meister der Kraken inzwischen als einsamer Leuchtturmwärter endet.
Eine düstere Ausgangslage
Schon der Einstieg hat es ordentlich in sich. Orvann verschläft ausgerechnet in einer entscheidenden Nacht seinen Dienst und muss anschließend mit ansehen, wie drei Schiffe an den Riffen zerschellen. Natürlich ist er damit das perfekte Opfer, um die Schuld auf jemanden abzuwälzen. Seine Verurteilung sorgt dabei für eine interessante Wendung, denn relativ schnell wird klar, dass hinter dem Unglück mehr steckt. Dadurch entwickelt sich die Geschichte von einem klassischen Fantasy-Abenteuer zu einer Art Verschwörungsgeschichte, bei der Orvann herausfinden muss, wer ihn eigentlich in diese Situation gebracht hat.
Ein Held mit Vergangenheit
Besonders gut gefällt mir, dass Orvann nicht als makelloser Charakter dargestellt wird. Er hat seine besten Zeiten offenbar längst hinter sich und versucht, seine Vergangenheit mit Alkohol zu verdrängen. Gleichzeitig merkt man aber schnell, dass unter dieser heruntergekommenen Fassade noch immer der erfahrene Kämpfer und Jäger steckt. Genau daraus zieht der Comic einen großen Teil seiner Spannung. Man bekommt das Gefühl, dass Orvann selbst noch gar nicht richtig weiß, ob er zu seinem alten Leben zurückkehren möchte. Gleichzeitig zwingt ihn die Situation praktisch dazu.
Von der Zelle aufs offene Meer
Sobald Orvann beginnt, sich gegen die Vorwürfe zu wehren, nimmt die Geschichte ordentlich Fahrt auf. Aus dem Gefangenen wird wieder jemand, der seine alten Fähigkeiten nutzt. Besonders schön ist dabei der Wechsel vom eher bedrückenden Beginn hin zu den großen Schauplätzen. Mit der Reise nach Aratheon öffnet sich die Welt des Comics deutlich und man bekommt genau das, was man sich bei einer Fantasygeschichte mit Piraten, Magie und Seefahrt wünscht.
Fantasy und Seefahrer-Abenteuer
Die Mischung aus klassischer Fantasy und Piratengeschichte funktioniert hier ausgesprochen gut. Königreiche, Magie und verschiedene Völker treffen auf raue Seefahrer und gefährliche Meereswesen. Dadurch bekommt Orvann eine ganz eigene Atmosphäre, die sich angenehm von vielen anderen Fantasy-Comics unterscheidet. Die Welt wirkt groß und voller Möglichkeiten, obwohl die eigentliche Geschichte auf gerade einmal 56 Seiten erzählt wird. Gleichzeitig bleibt der Comic angenehm fokussiert und verliert sich nicht in unnötigen Nebenhandlungen.
Viel Atmosphäre
Ein großer Pluspunkt ist für mich die Atmosphäre. Der Comic vermittelt sehr schön dieses Gefühl von Gefahr und einer Welt, in der hinter jeder Ecke eine neue Bedrohung lauern kann. Die düstere Vergangenheit Orvanns verstärkt diesen Eindruck zusätzlich. Statt einer kunterbunten Fantasywelt bekommt man eine rauere und teilweise ziemlich finstere Umgebung präsentiert, in der nicht jeder Charakter mit guten Absichten unterwegs ist.
Die Zeichnungen
Auch optisch passt der Band hervorragend zu seinem Inhalt. Stéphane Créty liefert detailreiche und dynamische Zeichnungen, die besonders bei den großen Szenen ihre Wirkung entfalten. Schiffe, Landschaften, Kämpfe und fantastische Elemente bekommen ausreichend Raum und vermitteln den Eindruck einer größeren Welt. Gleichzeitig wirken die Figuren nicht zu glatt, was gerade bei einem Charakter wie Orvann hervorragend funktioniert. Die Zeichnungen unterstützen damit den rauen und erwachsenen Grundton der Geschichte.
Ein hohes Tempo
Bei nur 56 Seiten muss die Handlung natürlich relativ schnell vorankommen. Das merkt man dem Comic durchaus an. Große Erklärungen oder lange Charakterentwicklungen gibt es nicht, stattdessen wird die Geschichte zügig vorangetrieben. Für mich funktioniert das allerdings überwiegend gut, weil dadurch kaum Langeweile entsteht. Man sollte lediglich keine extrem ausführliche Fantasy-Saga erwarten, in der jede Figur bis ins kleinste Detail beleuchtet wird. „Orvann“ konzentriert sich klar auf sein Abenteuer und erzählt dieses entsprechend kompakt.
Einsteigerfreundlich und eigenständig
Ein weiterer Vorteil ist, dass jeder Band der Reihe eine abgeschlossene Geschichte erzählt. Dadurch kann man „Orvann“ auch lesen, ohne den ersten Band zwingend zu kennen. Das macht die Reihe besonders interessant für Leser, die einfach mal in die Welt hineinschnuppern möchten. Gleichzeitig dürfte man als Kenner des ersten Bandes Freude daran haben, erneut in diese Fantasywelt zurückzukehren. Mir gefällt dieses Konzept, weil die Reihe dadurch verschiedene Geschichten innerhalb eines gemeinsamen Universums erzählen kann, ohne dass man sich durch eine komplizierte fortlaufende Handlung kämpfen muss.
Fazit
Für mich ist Die Bruderschaft der Stürme 2 Orvann ein gelungener Fantasy-Comic, der vor allem durch seinen ungewöhnlichen Hauptcharakter und die Atmosphäre punkten kann. Orvann ist kein klassischer Held, sondern ein gefallener Mann, der noch einmal beweisen muss, was in ihm steckt. Genau das macht ihn interessant und gibt der Geschichte eine angenehm düstere Note.
Besonders die Kombination aus Verschwörung, Piraten und Fantasy hat mir gut gefallen. Die Handlung entwickelt sich flott und bietet genügend Action, ohne dass dabei die eigentliche Geschichte völlig in den Hintergrund rückt. Optisch passt der Band ebenfalls sehr gut zu seinem Inhalt. Die Zeichnungen sind detailreich, dynamisch und schaffen es, sowohl die rauen Charaktere als auch die Welt überzeugend darzustellen.
Ein kleiner Kritikpunkt ist lediglich das hohe Tempo. Manche Aspekte der Geschichte hätten durchaus noch etwas mehr Raum vertragen können. Gerade Orvanns Vergangenheit und die Hintergründe der Verschwörung wären interessant genug gewesen, um noch ausführlicher behandelt zu werden, gerade auch die Geschichte mit den Krakenmeister hätte ich gerne mehr ergründet gehabt. Trotzdem fühlt sich die Geschichte nicht unfertig an, sondern vielmehr wie ein bewusst kompakt erzähltes Abenteuer. Insgesamt kann ich Die Bruderschaft der Stürme 2 Orvann allen von Fantasy, Piratengeschichten und Abenteuercomics durchaus empfehlen. Wer düstere Helden, Magie und eine ordentliche Portion Action mag, bekommt hier einen unterhaltsamen und sehenswerten Comic geboten.
Vielen Dank an den Splitter Verlag für die Bereitstellung des eezens
Neueste Kommentare