Länder von Ynuma 1 Roter Samurai

In Länder von Ynuma 1 Roter Samurai begleiten wir den Samurai Zhao und die Exorzistin Mei-Jen bei ihren Reisen durch das mystische Ynuma. Gemeinsam stellen sie sich Dämonen und Geistern, die sich von Erinnerungen und Emotionen ernähren können. Während sie verschiedene Abenteuer erleben, holen Zhao zunehmend die Schatten seiner eigenen Vergangenheit ein.
Ein ungewöhnlicher Auftakt
Länder von Ynuma 1 Roter Samurai ist ein Fantasy-Comic, der schon auf den ersten Seiten ziemlich deutlich macht, dass hier eine etwas andere Art von Samurai-Geschichte auf uns wartet. Zwar gibt es Schwerter, Krieger, Tempel und eine stark an das historische Japan angelehnte Welt, gleichzeitig mischt Nicolas Jarry das Ganze aber mit Geistern, Dämonen und einer ordentlichen Portion Horror. Besonders interessant ist, dass der Band nicht einfach eine große zusammenhängende Geschichte erzählt, sondern aus mehreren Episoden besteht, die jeweils einen eigenen Konflikt behandeln und gleichzeitig die übergeordnete Geschichte von Zhao und Mei-Jen weiterentwickeln.
Zhao, der rote Krieger
Im Mittelpunkt steht natürlich Zhao, der Rote Samurai. Und der ist optisch schon eine ziemlich beeindruckende Erscheinung. Als Kugo mit roter Haut, gewaltigem Schwert und seiner eher schweigsamen Art wirkt er zunächst wie der klassische, unnahbare Krieger. Allerdings steckt hinter dieser Fassade deutlich mehr. Zhao folgt einem strengen Kodex und scheint mit seiner eigenen Vergangenheit alles andere als im Reinen zu sein. Gerade diese Mischung aus äußerer Stärke und innerer Zerissenheit macht ihn interessant. Man merkt schnell, dass dieser Mann nicht einfach nur Dämonen bekämpft, weil er besonders gerne mit seinem Schwert herumfuchtelt.
Mei-Jen bringt Leben in die Geschichte
Zum Glück bekommt Zhao mit Mei-Jen eine Partnerin an die Seite gestellt, die einen schönen Kontrast zu ihm bildet. Die Priesterin ist wesentlich offener, moderner und kreativer. Während Zhao eher nach festen Regeln funktioniert, geht Mei-Jen pragmatischer an die Dinge heran. Ihre Fähigkeiten als Exorzistin sorgen außerdem dafür, dass die Kämpfe nicht ausschließlich aus Schwertduellen bestehen. Sie arbeitet mit Kalligrafie und Beschwörungen, wodurch eine interessante Verbindung zwischen Magie, Religion und Kampf entsteht. Gerade das Zusammenspiel der beiden funktioniert meiner Meinung nach hervorragend, weil ihre unterschiedlichen Persönlichkeiten immer wieder für kleine Reibereien sorgen.
Dämonen, die wirklich unheimlich sind
Besonders gelungen finde ich die Idee hinter den Dämonen. Sie sind nicht einfach irgendwelche Monster, die auftauchen, um anschließend vom Helden erschlagen zu werden. Die Wesen können sich von Lebewesen, aber auch von Erinnerungen und Emotionen ernähren und sogar die Gestalt bereits Verstorbener annehmen. Dadurch bekommen die einzelnen Geschichten eine deutlich unheimlichere Atmosphäre. Denn wenn ein Gegner plötzlich wie jemand aussieht, den man geliebt oder verloren hat, wird der Kampf automatisch persönlicher. Genau hier zeigt sich, dass „Roter Samurai“ nicht ausschließlich auf Action setzt, sondern auch seine Horror-Elemente ernst nimmt.
Mehrere Geschichten, aber ein roter Faden
Die episodische Struktur hat mir überraschend gut gefallen. Jede Geschichte besitzt ihren eigenen kleinen Spannungsbogen, trotzdem werden Zhao und Mei-Jen dadurch Stück für Stück weiter charakterisiert. Man lernt die Welt kennen, bekommt unterschiedliche Formen von Dämonen präsentiert und erfährt nebenbei immer mehr über die Vergangenheit des roten Samurai. Dadurch fühlt sich der Band nicht wie eine Aneinanderreihung völlig beliebiger Monster-of-the-Week-Abenteuer an. Vielmehr entsteht langsam das Bild einer größeren Geschichte, deren wichtigste Geheimnisse vermutlich erst in den kommenden Bänden enthüllt werden.
Die Vergangenheit holt Zhao ein
Besonders spannend wird es im letzten Teil, als Zhaos eigene Vergangenheit stärker in den Mittelpunkt rückt. Bis dahin wirkt er wie jemand, der seine Vergangenheit möglichst tief vergraben möchte und sich stattdessen vollkommen seinem Weg als Samurai verschrieben hat. Dann taucht ein Phantom auf, das unmittelbar mit seiner Geschichte verbunden ist. Damit verändert sich auch die Bedeutung seiner bisherigen Reise. Plötzlich geht es nicht mehr nur darum, irgendwelche Geister zu vertreiben. Zhao muss sich mit etwas auseinandersetzen, vor dem er offenbar selbst nicht davonlaufen kann. Genau dieser persönliche Aspekt macht neugierig auf die Fortsetzung.
Eine Welt, die Lust auf mehr macht
Ynuma selbst ist ebenfalls ein großer Pluspunkt. Der Kontinent gehört zu den Welten von Aquilon und stellt dort nach Arran und Ogon einen weiteren Schauplatz dar. Trotzdem funktioniert der Band problemlos als Einstieg in seine eigene Geschichte. Samurai, Ronin, Mönche, Geister und wilde Kreaturen ergeben eine Fantasywelt, die stark von asiatischen Motiven geprägt ist, ohne einfach nur historische Realität nachzuspielen. Besonders die wechselnden Landschaften von verwunschenen Sümpfen über eisige Berge bis zu nebelverhangenen Gegenden sorgen dafür, dass die Welt sehr abwechslungsreich wirkt.
Die Zeichnungen sind ein echter Hingucker
Optisch ist Roter Samurai für mich wahrscheinlich sogar eine der größten Stärken des Albums. Vax arbeitet mit einem sehr dynamischen und detailreichen Zeichenstil, der sowohl die Figuren als auch die Landschaften hervorragend zur Geltung bringt. Zhao besitzt dabei eine enorme Präsenz und wirkt schon durch seine Körperhaltung wie jemand, mit dem man sich besser nicht anlegt. Gleichzeitig können die Dämonen und Geister richtig düster und bedrohlich aussehen. Die Kombination aus fernöstlicher Fantasy, Horror und actionreichen Kämpfen funktioniert dadurch auch visuell ausgesprochen gut.
Fantasy, Horror und ein bisschen Humor
Was den Band für mich besonders unterhaltsam macht, ist die Mischung aus verschiedenen Stimmungen. Einerseits gibt es durchaus düstere und teilweise gruselige Szenen, andererseits ist die Geschichte nicht durchgehend todernst. Gerade die Interaktion zwischen Zhao und Mei-Jen bringt etwas Leichtigkeit hinein. Zhao ist der wortkarge, regelbesessene Samurai, während Mei-Jen wesentlich lockerer und experimentierfreudiger wirkt. Länder von Ynuma 1 Roter Samurai hat mich vor allem durch seine ungewöhnliche Mischung überrascht. Auf den ersten Blick erwartet man vielleicht eine klassische Samurai-Fantasy, bekommt aber zusätzlich Geisterjäger, Dämonen, Horror und eine ganze Menge Mystik geboten. Zhao ist dabei ein Protagonist, der nicht unbedingt sofort sympathisch wirken muss.Mei-Jen ist für mich der perfekte Gegenpol dazu. Ihre offene und kreative Art verhindert, dass die Geschichte zu schwerfällig wird. Auch die einzelnen Episoden funktionieren gut. Wer eine einzige große Handlung erwartet, könnte vielleicht zunächst etwas überrascht sein.
Unterm Strich ist Länder von Ynuma 1 Roter Samurai für mich ein starker Fantasy-Auftakt mit einer gelungenen Mischung aus Samurai-Atmosphäre, Horror, Mystik und Action. Wer asiatisch angehauchte Fantasy mag und dabei nichts gegen düstere Geschichten einzuwenden hat, sollte sich diesen Band definitiv einmal genauer anschauen.
Vielen Dank an den Splitter Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
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