Nausicaä aus dem Tal der Winde: Doppelband-Edition 2

Asbel, Kecha und Yupa stürzen im Meer der Fäulnis ab und werden gerettet.

Kushana übernimmt ihre Armee, plant einen Angriff und überzeugt Nausicaä zu helfen.

Der Angriff gelingt, die Feinde werden besiegt, Kushana hält ihr Versprechen und Nausicaä gewinnt Respekt – verliert jedoch ihren Gastornis.

Ein Flug tiefer in eine gefährliche Welt

Mit der Doppelband-Edition 2 von Nausicaä aus dem Tal der Winde nimmt die Geschichte spürbar an Fahrt auf – und gleichzeitig an emotionaler und politischer Tiefe. Während der erste Band vor allem die Welt und ihre zentralen Figuren etablierte, wird es hier deutlich komplexer: Flucht, Machtspiele, Kriegsvorbereitungen und moralische Entscheidungen stehen im Mittelpunkt. Der Manga verbindet dabei wieder eindrucksvoll Abenteuer mit ernsten Themen wie Verantwortung, Umweltzerstörung und den Folgen von Machtgier.

Flucht ins Ungewisse, Spannung von der ersten Seite

Der Band startet direkt mit einer dramatischen Situation: Asbel, Kecha und Yupa sind auf der Flucht vor dem Priesterrat und versuchen mit einer gestohlenen Brigg zu entkommen. Dass ihr Verfolger sie schließlich abschießt und sie im Meer der Fäulnis notlanden müssen, sorgt für einen starken Spannungsauftakt. Besonders gelungen ist hier die Atmosphäre – die gefährliche, giftige Welt wirkt gleichzeitig bedrohlich und faszinierend. Die Rettung durch einen geheimnisvollen Waldmenschen eröffnet zudem neue Perspektiven auf die Natur und ihre verborgenen Bewohner.

Politische Intrigen und Machtspiele

Parallel zur Flucht entfaltet sich ein spannender politischer Handlungsstrang rund um Kushana. Auf dem Weg nach Sapata zeigt sich erneut, wie komplex ihre Figur angelegt ist. Die Szene mit Kurotowa, dem sie kurzerhand eine Pistole an die Nase hält, unterstreicht ihre Entschlossenheit und ihren scharfen Verstand. Dass sie ihn trotz seines Auftrags weiterhin im Dienst behält, zeigt: Kushana denkt strategisch und erkennt den Wert von Fähigkeiten selbst bei potenziellen Verrätern.

Eine Welt am Rand der Eskalation

Besonders eindrucksvoll ist die Entdeckung des Pilzwaldes mit den toten Ushiabus. Hier verdichtet sich die Bedrohungslage deutlich, denn Nausicaä vermutet, dass das Doruk-Reich das Miasma gezielt als Waffe einsetzt. Diese Idee verstärkt die ohnehin düstere Stimmung und zeigt, wie weit die Konfliktparteien bereit sind zu gehen. Miyazaki gelingt es dabei, Umweltzerstörung und Kriegslogik auf beklemmende Weise miteinander zu verknüpfen.

Nausicaä zwischen Idealismus und Realität

Ein zentrales Element dieses Bandes ist Nausicaäs Rolle im Kriegsgeschehen. Als Miralupa ihre Nähe spürt und ihre Tötung anordnet, wird klar, wie wichtig sie für den Verlauf der Ereignisse geworden ist. Gleichzeitig steht sie vor einem moralischen Konflikt: Sie möchte Leben schützen, muss aber zunehmend innerhalb militärischer Strukturen handeln. Diese Spannung macht ihre Figur besonders interessant und glaubwürdig.

Kushana und Nausicaä, ein ungewöhnliches Bündnis

Die Zusammenarbeit zwischen Kushana und Nausicaä gehört zu den Highlights des Bandes. Kushanas Angebot, die dorukischen Sklaven freizulassen, wenn Nausicaä an ihrer Seite kämpft, zeigt eine pragmatische, fast respektvolle Dynamik zwischen den beiden starken Frauen. Dass Nausicaä zustimmt, verdeutlicht, wie sehr sie bereit ist, Kompromisse einzugehen, um Leid zu verringern – selbst wenn der Weg dorthin über das Schlachtfeld führt.

Action, Strategie und packende Schlachten

Der anschließende Überraschungsangriff der dritten Armee bringt viel Tempo und visuelle Wucht in die Handlung. Die Zerstörung der feindlichen Artillerie und Nausicaäs Konfrontation mit einem dorukischen Langhaarrind-Reiter sorgen für klassische, aber hervorragend inszenierte Actionmomente. Dabei bleibt der Manga stets übersichtlich und nachvollziehbar – ein Beweis für Miyazakis erzählerisches Talent.

Emotionale Momente, die nachwirken

Neben all der Action vergisst der Band nicht die leisen, tragischen Töne. Der Tod von Nausicaäs treuem Gastornis Kai ist ein besonders berührender Moment. Diese Szene unterstreicht einmal mehr, wie sehr die Geschichte von Verlusten geprägt ist – und wie viel Mitgefühl Nausicaä für alle Lebewesen empfindet. Gleichzeitig gewinnt sie durch ihren Einsatz den Respekt der Soldaten, was ihre wachsende Bedeutung unterstreicht.

Zeichnungen und Atmosphäre auf höchstem Niveau

Visuell bleibt Nausicaä ein absolutes Highlight. Die detailreichen Landschaften, die fremdartige Flora und Fauna sowie die dynamisch inszenierten Flug- und Kampfszenen sorgen für ein intensives Leseerlebnis. Besonders beeindruckend ist, wie lebendig und glaubwürdig die Welt wirkt – jede Szene vermittelt das Gefühl, Teil eines großen, zusammenhängenden Ökosystems zu sein.

Fazit

Dieser Doppelband zeigt eindrucksvoll, wie vielschichtig Nausicaä aus dem Tal der Winde tatsächlich ist. Die Geschichte verbindet Abenteuer, Politik und emotionale Charakterentwicklung zu einem dichten und fesselnden Gesamtbild. Dabei wird klar, dass es hier nicht nur um einen klassischen Kampf zwischen Gut und Böse geht, sondern um komplexe Entscheidungen in einer kaputten Welt. Besonders stark ist die Entwicklung von Nausicaä, die immer mehr Verantwortung übernimmt und sich auch schwierigen moralischen Grauzonen stellt. Ihre Bereitschaft, mit Kushana zusammenzuarbeiten, zeigt, dass sie nicht nur idealistisch, sondern auch realistisch handelt. Gerade diese Mischung macht sie zu einer außergewöhnlichen Hauptfigur. Auch die politischen Intrigen und die wachsende Bedrohung durch das Doruk-Reich sorgen dafür, dass die Spannung kontinuierlich steigt. Man merkt deutlich, dass sich die Handlung auf größere Konflikte zubewegt, deren Ausmaß noch längst nicht vollständig absehbar ist. Dadurch entsteht eine starke Vorfreude auf die folgenden Bände. Emotional überzeugt der Band ebenfalls durch viele kleine und große Momente – von dramatischen Schlachten bis hin zu persönlichen Verlusten. Insgesamt ist die Doppelband-Edition 2 ein herausragender Teil der Reihe, der die Welt vertieft und die Handlung deutlich voranbringt.

Vielen Dank an den Carlsen Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars. 

Das könnte dich auch interessieren …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert