Time Before Time 4

In Time Before Time 4 reisen Nadia und Kevin Milliarden Jahre in die Vergangenheit und erreichen die geheimnisvolle Stadt Arcola. Dort findet Nadia ihre Mutter und Schwester wieder, doch die scheinbare Idylle trügt: Die Bewohner hassen Roboter, wodurch Kevin zur Gefahr wird und Nadia zwischen ihrer Familie und ihm steht. Währenddessen verfolgen Sebastian und Marston weiterhin ihre eigenen Pläne und treiben die Handlung voran.
Zurück in eine völlig andere Zeit
Mit Time Before Time 4 geht die ungewöhnliche Zeitreise-Saga in die nächste Runde und bleibt dabei ihrem Grundkonzept treu: Hier ist Zeit nicht einfach nur eine gerade Linie, sondern ein riesiges Spielfeld voller Gefahren, Geheimnisse und unerwarteter Wendungen. Nadia und Kevin haben inzwischen eine unglaubliche Reise hinter sich und landen diesmal Milliarden Jahre in der Vergangenheit. Mit der geheimnisvollen Stadt Arcola bekommt die Geschichte dabei einen neuen Schauplatz, der auf den ersten Blick fast wie ein Paradies wirkt. Doch wie so oft in dieser Reihe sollte man sich von der schönen Oberfläche nicht täuschen lassen.
Arcola, Paradies mit Schattenseiten
Arcola ist definitiv eines der interessantesten Elemente dieses Bandes. Die Stadt wirkt zunächst wie eine futuristische Zuflucht, abgeschottet vom Chaos, das Nadia und Kevin bisher erlebt haben. Gleichzeitig liegt von Anfang an eine gewisse Unruhe in der Luft. Man merkt schnell, dass hier nicht alles so friedlich ist, wie es zunächst scheint. Besonders spannend ist der Umgang der Bewohner mit Robotern. Ihre offene Feindseligkeit gegenüber künstlichen Wesen sorgt dafür, dass Kevin plötzlich zu einem Feind wird. Das verleiht der Handlung eine ganz neue Dynamik und macht Arcola zu einem Ort, an dem Nadia ständig aufpassen muss.
Ein emotionales Wiedersehen
Für Nadia wird dieser Band vor allem deshalb wichtig, weil sie endlich ihre Mutter und ihre Schwester wiederfindet. Dieses Wiedersehen hätte eigentlich ein emotionaler Höhepunkt sein können, schließlich hat sie lange nach ihrer Familie gesucht. Stattdessen wird die Situation schnell kompliziert. Nadia bekommt zwar einen Teil ihres alten Lebens zurück, muss aber gleichzeitig feststellen, dass ihre Familie und Kevin nicht problemlos miteinander vereinbar sind. Gerade dieser Konflikt funktioniert sehr gut, weil Nadia nicht einfach zwischen Gut und Böse entscheiden kann. Beide Seiten bedeuten ihr etwas, und genau das macht ihre Situation so schwierig.
Nadia zwischen den Fronten
Nadia entwickelt sich in diesem Band dadurch auch charakterlich weiter. Sie ist nicht mehr einfach nur jemand, der von den Ereignissen mitgerissen wird, sondern muss zunehmend selbst Entscheidungen treffen. Besonders ihre Beziehung zu Kevin spielt dabei eine wichtige Rolle. Kevin ist für sie längst mehr als nur ein Begleiter auf ihrer Reise. Gleichzeitig möchte sie ihre wiedergefundene Familie nicht erneut verlieren. Dieser innere Konflikt sorgt für einige der emotionaleren Momente des Bandes und zeigt, dass die Serie neben ihren großen Science-Fiction-Ideen auch immer wieder sehr persönliche Geschichten erzählt.
Kevin bekommt eine andere Bedeutung
Kevin selbst steht diesmal etwas stärker im Mittelpunkt, gerade weil seine Existenz in Arcola ein Problem darstellt. Die Ablehnung gegenüber Robotern macht deutlich, wie kompliziert das Verhältnis zwischen Menschen und künstlichen Wesen in dieser Welt geworden ist. Dabei vermeidet die Geschichte erfreulicherweise einfache Antworten. Kevin ist nicht bloß der Roboter, der von den Menschen gefürchtet wird, sondern eine Figur, zu der Nadia eine echte Verbindung aufgebaut hat. Dadurch bekommt die Frage nach Menschlichkeit und Identität erneut eine interessante Ebene.
Hinter der Idylle lauert etwas
Natürlich wäre Time Before Time nicht Time Before Time, wenn hinter einer scheinbar sicheren Zuflucht nicht das nächste große Geheimnis lauern würde. Arcola besitzt eine dunkle Seite, die nach und nach stärker in den Vordergrund rückt. Dadurch verwandelt sich die anfängliche Entspannung schnell wieder in Misstrauen und Spannung. Man weiß als Leser irgendwann nicht mehr genau, wem man eigentlich vertrauen kann. Genau diese Unsicherheit gehört zu den großen Stärken der Reihe und funktioniert auch im vierten Band wieder hervorragend.
Auch die große Geschichte geht weiter
Obwohl sich ein großer Teil des Bandes auf Nadia, Kevin und Arcola konzentriert, vergisst die Serie ihre übergeordnete Handlung nicht. Sebastian verfolgt weiterhin seine eigenen Ziele und ist weiterhin auf der Jagd nach seiner Beute. Gleichzeitig baut Marston seinen Einfluss immer weiter aus. Diese Handlungsstränge sorgen dafür, dass der Band nicht wie ein abgeschlossener Zwischenstopp wirkt. Stattdessen werden zahlreiche neue Fäden ausgelegt, die vermutlich in den kommenden Bänden noch eine größere Rolle spielen werden.
Science-Fiction mit persönlicher Note
Was mir an Time Before Time 4 besonders gefällt, ist die Mischung aus großen Science-Fiction-Ideen und persönlichen Konflikten. Zeitreisen, Roboter, eine futuristische Stadt und gigantische Zeiträume liefern zwar die spektakuläre Kulisse, letztendlich geht es aber immer wieder um Familie, Vertrauen, Verlust und die Frage, wem man sich verbunden fühlt. Dadurch bleibt die Geschichte trotz ihrer teilweise enormen Dimensionen erstaunlich menschlich. Gerade Nadia und Kevin bilden dabei das emotionale Zentrum des Bandes.
Ein weiterer starker Schritt der Reihe
Der vierte Band ist insgesamt weniger darauf aus, ständig mit riesigen Actionmomenten um sich zu werfen. Stattdessen nimmt sich die Geschichte Zeit für ihre Figuren und das Mysterium rund um Arcola. Das dürfte nicht jedem gleichermaßen gefallen, denn wer vor allem schnelle Action erwartet, könnte manche Passagen als etwas ruhiger empfinden. Für mich funktioniert dieser Ansatz allerdings ziemlich gut, weil die Handlung dadurch mehr Raum bekommt, ihre Figuren und Konflikte weiterzuentwickeln. Gleichzeitig endet die Geschichte natürlich wieder mit genügend offenen Fragen, sodass man direkt wissen möchte, wie es weitergeht.
Fazit
Time Before Time 4 ist ein weiterer gelungener Band einer Science-Fiction-Reihe, die sich längst nicht mehr nur über ihre Zeitreise-Idee definiert. Mit Arcola wird ein neuer und ausgesprochen interessanter Schauplatz eingeführt, der zunächst wie eine perfekte Zuflucht wirkt, sich aber schnell als deutlich komplizierter herausstellt.
Besonders gelungen ist die emotionale Ebene rund um Nadia. Das Wiedersehen mit ihrer Mutter und ihrer Schwester ist für sie ein wichtiger Moment, wird aber nicht einfach als glückliches Familiencomeback abgehandelt. Stattdessen wird Nadia direkt mit einem neuen Konflikt konfrontiert. Ihre Verbindung zu Kevin und die Ablehnung von Robotern durch die Bewohner Arcolas bringen sie in eine Situation, in der sie eigentlich nur verlieren kann. Dadurch fühlt sich ihre Geschichte überraschend persönlich an.
Auch Kevin bekommt durch die Ereignisse eine interessante Rolle. Dabei bleibt der Comic angenehm offen und liefert keine plakativen Antworten. Genau solche Themen geben Time Before Time neben den Zeitreisen und futuristischen Schauplätzen seine besondere Tiefe. Gleichzeitig vergisst der vierte Band die größeren Zusammenhänge nicht. Sebastian und Marston verfolgen weiterhin ihre eigenen Pläne, wodurch die Geschichte immer größer wird und gleichzeitig neue Fragen aufwirft. Nicht jede dieser Fragen wird sofort beantwortet, aber gerade das macht den Reiz der Serie aus. Man hat ständig das Gefühl, dass hinter den aktuellen Ereignissen noch ein viel größeres Gesamtbild steckt.
Unterm Strich ist Time Before Time 4 ein spannender und atmosphärischer weiterer Schritt der Reihe. Die Mischung aus Zeitreise-Science-Fiction, Familienkonflikten, Robotern, Geheimnissen und persönlichen Entscheidungen funktioniert erneut richtig gut. Wer die bisherigen Bände mochte, bekommt hier eine konsequente Fortsetzung mit neuen Figurenkonflikten und einem interessanten neuen Schauplatz.
Vielen Dank an den Skinless Crow Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
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