Nausicaä aus dem Tal der Winde Doppelband 3

Im dritten Doppelband von Nausicaä aus dem Tal der Winde spitzt sich der Konflikt zwischen dem Tolmekischen Reich und den Dorok-Stämmen weiter zu, während Nausicaä verzweifelt versucht, das Blutvergießen zu verhindern. Gleichzeitig verfolgt Prinzessin Kushana eigene Machtpläne, die sie in einen Konflikt mit ihrer Familie bringen. Auf ihrer Reise entdeckt Nausicaä die wahre Natur des Meeres der Fäulnis.
Ein Wendepunkt in einer epischen Geschichte
Mit dem dritten Doppelband von Nausicaä aus dem Tal der Winde erreicht Hayao Miyazakis Manga eine neue Intensität. Die Handlung, die die ursprünglichen Bände 5 und 6 umfasst, fühlt sich wie ein echter Wendepunkt an: Politische Intrigen, groß angelegte Schlachten und tiefgehende ökologische Erkenntnisse greifen ineinander und verleihen der Geschichte eine spürbare Schwere. Gleichzeitig bleibt der Ton überraschend menschlich und hoffnungsvoll typisch Miyazaki.
Krieg, der keine Gewinner kennt
Im Zentrum steht der eskalierende Konflikt zwischen dem Tolmekischen Reich und den Dorok-Stämmen. Der sogenannte Dorok-Krieg zeigt eindrucksvoll, wie zerstörerisch Machtgier und Angst sein können. Nausicaä versucht verzweifelt zu vermitteln, doch der Manga macht schnell klar: In diesem Krieg hört kaum jemand auf Vernunft. Die Darstellung der Kämpfe ist dabei nicht glorifizierend, sondern bedrückend jede Schlacht hinterlässt Verluste, moralisch wie menschlich.
Kushana, mehr als nur eine Gegenspielerin
Besonders spannend ist die Entwicklung von Prinzessin Kushana. Ihre Pläne, zur Hauptstadt zurückzukehren und sich die Krone zu sichern, bringen sie in Konflikt mit ihrer eigenen Familie. Miyazaki zeichnet sie nicht als einfache Antagonistin, sondern als komplexe Figur zwischen Pflicht, Ehrgeiz und Überlebensinstinkt. Gerade diese Grauzonen machen die politischen Elemente des Bandes so fesselnd.
Das Geheimnis des Meeres der Fäulnis
Parallel zum Krieg taucht Nausicaä tiefer in das Meer der Fäulnis ein – und diese Reise gehört zu den stärksten Teilen des Doppelbands. Die Erkenntnis, dass der giftige Wald nicht nur zerstört, sondern die verseuchte Erde reinigt, verleiht der gesamten Welt eine neue Bedeutung. Was lange als Bedrohung galt, entpuppt sich als Heilungsprozess der Natur – ein klassisches, aber kraftvolles Miyazaki-Motiv.
Begegnung mit den Waldmenschen
Mit Selm und den Waldmenschen erweitert sich die Perspektive noch einmal. Diese Menschen leben im Einklang mit dem Wald und den Insekten und zeigen, dass Anpassung statt Kontrolle ein möglicher Weg für die Menschheit ist. Die Begegnungen wirken ruhig und fast spirituell – ein bewusster Kontrast zum Chaos des Krieges außerhalb.
Die Ohmu als Stimme der Natur
Die riesigen Ohmu spielen erneut eine zentrale Rolle. Ihre Reaktionen auf menschliche Eingriffe verdeutlichen, wie empfindlich das ökologische Gleichgewicht ist. Gleichzeitig wächst Nausicaäs Verbindung zu ihnen weiter, was ihre Rolle als Vermittlerin zwischen Mensch und Natur noch stärker unterstreicht.
Emotionale Schwere und innere Konflikte
Dieser Doppelband gehört zu den emotional intensivsten der Reihe. Nausicaä steht mehrfach am Rand der Verzweiflung, konfrontiert mit Tod, Zerstörung und der scheinbaren Unbelehrbarkeit der Menschen. Ihre Zweifel und ihre Erschöpfung machen sie dabei noch greifbarer und menschlicher.
Hoffnung im Schatten der Katastrophe
Trotz aller Dunkelheit verliert die Geschichte nie ihren Hoffnungskern. Die Erkenntnis, dass die Natur sich regenerieren kann und dass es Wege zur Koexistenz gibt, gibt sowohl Nausicaä als auch den Lesenden neue Zuversicht. Gerade dieser Balanceakt zwischen Tragik und Hoffnung macht den Band so eindrucksvoll.
Bildgewalt und erzählerische Tiefe
Auch zeichnerisch überzeugt der Doppelband auf ganzer Linie. Die detailreichen Landschaften, die gewaltigen Kreaturen und die dynamischen Kriegsszenen zeigen Miyazakis Meisterschaft im visuellen Erzählen. Gleichzeitig bleibt genug Raum für ruhige, nachdenkliche Momente – ein perfektes Gleichgewicht aus Action und Atmosphäre.
Fazit
Der dritte Doppelband von Nausicaä aus dem Tal der Winde ist ein intensiver, tiefgründiger und emotional fordernder Abschnitt der Reihe. Die Geschichte wird komplexer, politischer und gleichzeitig philosophischer, ohne dabei ihre emotionale Zugänglichkeit zu verlieren. Besonders beeindruckend ist, wie geschickt Miyazaki Krieg, Machtkämpfe und ökologische Themen miteinander verwebt. Nichts wirkt eindimensional – weder die Konflikte noch die Figuren oder die Welt selbst. Die neuen Erkenntnisse über das Meer der Fäulnis geben der gesamten Handlung eine neue Tiefe und verstärken die zentrale Botschaft über Verantwortung, Natur und die Fehler der Vergangenheit. Auch charakterlich wächst Nausicaä weiter. Ihre Zweifel, ihre Stärke und ihre unerschütterliche Empathie machen sie zu einer der faszinierendsten Figuren der Manga-Geschichte. Insgesamt ist Doppelband 3 ein Höhepunkt der Reihe – düsterer als zuvor, aber auch bedeutungsvoller. Wer die bisherigen Bände mochte, wird hier nicht nur spannende Handlung, sondern auch reichlich Stoff zum Nachdenken finden.
Vielen Dank an den Carlsen Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
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