Witchblade 1

Die Polizistin Sara Pezzini jagt nach dem Mord an ihrem Vater einen Verbrecherring und gerät dabei an die uralte Macht der Witchblade, die ihr enorme Kräfte verleiht, sie aber zunehmend verführt und von ihrer Rachemission ablenkt. Zusätzlich enthält der Band einen exklusiven Teaser zur Serie „The Darkness“.

Ein düsterer Neustart mit alten Wurzeln

Mit Witchblade 1 startet 2021 ein Reboot, das sich spürbar bemüht, sowohl alte Fans abzuholen als auch neue Leser*innen einzuladen. Die Grundidee bleibt vertraut, wird aber deutlich moderner erzählt: New York ist dreckig, brutal und voller Geheimnisse, und mittendrin steht Sara Pezzini, deren Leben durch den Mord an ihrem Vater aus den Fugen geraten ist. Schon auf den ersten Seiten wird klar, dass dieser Comic keine gemütliche Superheldenlektüre sein will, sondern tief in Trauma, Wut und Obsession eintaucht.

Sara Pezzini: Keine Heldin aus dem Bilderbuch

Sara ist hier keine strahlende Ikone, sondern eine gebrochene Polizistin, die von Rache getrieben wird. Marguerite Bennett zeichnet sie kalt, zynisch und emotional angeschlagen – und genau das macht sie interessant. Ihre Motivation ist nachvollziehbar, ihre Entscheidungen sind es nicht immer. Man merkt schnell: Diese Sara stolpert nicht in ein Abenteuer, sie rennt kopfüber hinein.

Die Witchblade als Verführung

Die Begegnung mit der Witchblade ist weniger ein klassischer Auserwählt Moment als vielmehr ein Überfall durch eine uralte Macht. Die Kräfte, die Sara erhält, sind berauschend: Stärke, Heilung, Lust, Wut. Der Comic spielt geschickt mit der Frage, ob diese Macht ein Werkzeug oder eine Droge ist. Besonders spannend ist, dass Sara glaubt, die Kontrolle zu haben – während alles darauf hindeutet, dass genau das nicht stimmt.

Gewalt, Erotik und innere Zerrissenheit

Witchblade war schon immer für eine gewisse Überzeichnung bekannt, und auch hier wird nicht mit Intensität gespart. Gewalt und Erotik sind präsent, wirken aber weniger plakativ als früher, sondern stärker in Saras innere Konflikte eingebettet. Die Kräfte der Witchblade fühlen sich gefährlich an, nicht nur für Saras Feinde, sondern auch für sie selbst.

Eine Stadt voller Abgründe

Das New York dieses Comics ist ein düsterer Moloch voller Verbrechen, Korruption und Geheimnisse unter der Oberfläche. Der Verbrecherring, den Sara jagt, ist mehr als nur ein Plot-Element er steht sinnbildlich für die Fäulnis der Stadt. Die Unterwelt, im wahrsten Sinne des Wortes, verstärkt die mythologische Komponente der Geschichte enorm.

Moderne Erzählweise mit 90er-DNA

Man spürt deutlich den Versuch, die Energie der 1990er Image-Ära einzufangen, ohne in Nostalgie zu erstarren. Bennett schafft es, bekannte Elemente neu zu kontextualisieren, statt sie einfach zu kopieren. Das Ergebnis fühlt sich gleichzeitig vertraut und frisch an – eine seltene, aber sehr gelungene Mischung.

Die Zeichnungen: Roh, dynamisch, atmosphärisch

Giuseppe Cafaros Artwork ist kraftvoll und kantig. Die Action ist dynamisch, die Figuren ausdrucksstark, und besonders Saras Transformationen sind visuell ein Highlight. Arif Priantos Farben verstärken die Stimmung perfekt: dunkle Töne, harte Kontraste und leuchtende Effekte, wenn die Witchblade die Kontrolle übernimmt.

Kleine Extras mit großer Wirkung

Der dreiseitige Teaser zu The Darkness ist ein nettes Extra, das Fans des Top-Cow-Universums definitiv freuen wird. Er wirkt nicht aufdringlich, sondern wie ein Versprechen auf das, was noch kommen kann. Für Neueinsteiger ist er optional, für Kenner ein schöner Bonus.

Ein Reboot mit klarer Richtung

Witchblade 1 macht von Anfang an klar, wohin die Reise gehen soll: düster, emotional und moralisch unbequem. Es geht weniger um klassische Heldentaten als um Macht, Verlust und Selbsttäuschung. Genau das verleiht dem Band eine starke Identität.

Ein gelungener Neubeginn

Der Startband des Witchblade-Reboots von 2021 überzeugt vor allem durch seine klare Neuausrichtung. Statt reiner Action oder oberflächlicher Coolness steht der innere Konflikt von Sara Pezzini im Mittelpunkt. Der Comic nimmt sich Zeit, ihre Trauer, ihre Wut und ihren Durst nach Gerechtigkeit ernsthaft zu beleuchten. Die Thematik Witchblade baut man hier toll ein.  Besonders stark ist nämlich die Darstellung der Witchblade selbst. Sie wird nicht als klassisches Superhelden-Upgrade inszeniert, sondern als gefährliche Versuchung, die Macht, Lust und Gewalt miteinander vermischt. Dadurch entsteht eine permanente Spannung: Man fiebert mit Sara mit, hat aber gleichzeitig Angst vor den Konsequenzen ihrer Entscheidungen.

Auch erzählerisch zeigt der Band Mut. Das Reboot verlässt sich nicht blind auf Nostalgie, sondern modernisiert Figuren, Themen und Tonfall konsequent. Trotzdem bleibt die DNA der 90er-Jahre-Image-Comics spürbar – allerdings deutlich erwachsener, düsterer und reflektierter. Visuell liefert der Band ebenfalls stark ab. Die Zeichnungen transportieren rohe Energie, Brutalität und Übernatürliches gleichermaßen, während die Farbgebung die düstere Stimmung perfekt unterstreicht.

Abgerundet wird das Ganze durch den kurzen The-Darkness-Teaser, der neugierig auf das größere Top-Cow-Universum macht, ohne den eigentlichen Band zu überladen. Insgesamt ist Witchblade 1 ein gelungener Neustart, der emotional, visuell und thematisch überzeugt und großes Potenzial für kommende Bände erkennen lässt. 

Vielen Dank an den Skinless Crow Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars. 

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