Farmhand 4

Die Jenkins-Familie kämpft gegen die übernatürliche Macht hinter Jedidiahs Organ-Farm, die die Menschheit in etwas Monströses verwandeln will. Seine Kinder versuchen, die Ausbreitung zu stoppen, doch der Kampf fordert schwere Opfer.
Zurück auf der Jenkins-Farm
Mit Farmhand 4 Die Saat führt Rob Guillory seine ebenso bizarre wie schwarzhumorige Horrorserie konsequent weiter. Die Geschichte setzt nach den Ereignissen des dritten Bandes an und macht schnell klar, dass die Situation für die Jenkins-Familie inzwischen völlig außer Kontrolle geraten ist. Aus der einstigen Idee, mit gezüchteten menschlichen Organen Menschen zu helfen, ist eine Bedrohung geworden, die weit über die Farm hinausgeht. Der Konflikt wird hier weiterhin nach vorne getrieben.
Die Saat breitet sich aus
Besonders interessant ist, dass die Gefahr dieses Mal nicht nur von einzelnen Monstern oder missglückten Experimenten ausgeht. Die sogenannte Saat hat sich weiter ausgebreitet und beeinflusst immer mehr Menschen. Gleichzeitig versucht die Jenkins-Familie, einen Weg zu finden, die Infektion aufzuhalten und ihre Kontrolle über die Betroffenen zu brechen. Dadurch bekommt die Geschichte eine deutlich bedrohlichere Atmosphäre als zuvor, denn plötzlich geht es nicht mehr nur um die Geheimnisse einer einzigen Familie, sondern um das Schicksal einer ganzen Gemeinschaft.
Zeke und seine Familie
Im Mittelpunkt stehen weiterhin Jedidiahs Kinder, allen voran Ezekiel Zeke Jenkins. Die familiären Konflikte bleiben dabei ein wichtiger Bestandteil der Geschichte. Guillory schafft es erneut, Horror und Familiendrama miteinander zu verbinden, sodass die Figuren nicht einfach nur gegen eine übernatürliche Bedrohung kämpfen. Sie müssen gleichzeitig mit ihrer eigenen Vergangenheit, ihren Beziehungen und den Entscheidungen ihres Vaters klarkommen. Gerade diese persönliche Ebene macht den Comic emotionaler, als man es bei einer Geschichte über menschliche Organe und Pflanzenmonster zunächst erwarten würde.
Monica Thorne wird zur Gefahr
Eine der wichtigsten Figuren des vierten Bandes ist Monica Thorne, die ehemalige Forschungspartnerin von Jedidiah. Ihre Verbindung zur dunklen Macht wird immer deutlicher und sie spielt eine zentrale Rolle bei der weiteren Entwicklung der Saat. Dabei wird sie zunehmend zu einer ernsthaften Bedrohung für Zeke und seine Familie. Guillory nutzt Thorne nicht einfach als typische Bösewichtin, sondern macht sie zu einem wichtigen Bestandteil des größeren Geheimnisses hinter der Farm.
Zwischen Horror und schwarzem Humor
Trotz der immer düsterer werdenden Handlung bleibt Farmhand seinem ungewöhnlichen Stil treu. Guillory kombiniert brutale Horror-Momente mit schwarzem Humor und absurden Situationen. Genau dieser Gegensatz funktioniert weiterhin erstaunlich gut. Ein Moment kann grotesk und beinahe lustig wirken, bevor die Geschichte plötzlich wieder in eine ziemlich unangenehme und verstörende Richtung kippt. Dadurch besitzt der Band einen ganz eigenen Ton, der sich angenehm von gewöhnlichen Horrorcomics unterscheidet.
Nicht alles funktioniert gleich gut
Allerdings hat der vierte Band auch kleinere Schwächen. Vor allem im ersten Teil wirkt die Handlung stellenweise etwas ruhiger, als man es nach dem Ende des dritten Bandes erwarten würde. Einige Szenen fühlen sich eher wie Zwischenstationen auf dem Weg zum großen Finale an. Dadurch entsteht gelegentlich der Eindruck, dass die Geschichte etwas auf der Stelle tritt. Auch andere Besprechungen sehen in den frühen Kapiteln eher einen Aufbau für das spätere Finale, bevor die Handlung gegen Ende deutlich anzieht.
Dafür wird es gegen Ende richtig stark
Wenn die Handlung schließlich auf ihren Höhepunkt zusteuert, dreht Guillory aber noch einmal ordentlich auf. Die Ereignisse werden dramatischer, brutaler und emotionaler. Besonders gelungen ist, dass der Comic die Erwartungen des Lesers nicht einfach geradlinig erfüllt, sondern an entscheidenden Stellen einen anderen Weg einschlägt. Dadurch funktioniert der Schluss ausgesprochen gut und hinterlässt gleichzeitig das Gefühl, dass die Geschichte unbedingt noch weitererzählt werden muss.
Die Familie steht vor dem Abgrund
Der vielleicht stärkste Aspekt des Bandes ist die Konsequenz, mit der Guillory seine Figuren behandelt. Die Jenkins-Kinder sind nicht einfach unverwundbare Helden, die am Ende alles wieder in Ordnung bringen. Im Gegenteil: Die Bedrohung fordert einen hohen persönlichen Preis, und bereits die offizielle Inhaltsbeschreibung macht deutlich, dass nicht alle Kinder die Ereignisse überleben werden. Dadurch entsteht eine permanente Spannung, weil man jederzeit damit rechnen muss, dass eine wichtige Figur verloren gehen könnte.
Ein starker Auftakt für das Finale
Unterm Strich fühlt sich Die Saat weniger wie ein abgeschlossener vierter Teil und mehr wie der große Anlauf auf den finalen Abschnitt der Serie an. Viele Entwicklungen, die Guillory über mehrere Bände aufgebaut hat, laufen jetzt zusammen. Gleichzeitig bleiben genügend Fragen offen, sodass man nach dem letzten Kapitel definitiv wissen möchte, wie es mit den Jenkins weitergeht. Die Mischung aus Horror, schwarzem Humor, Familienkonflikten und absurdem Body-Horror funktioniert dabei weiterhin hervorragend.
Fazit
Farmhand 4 Die Saat ist ein deutlich düsterer und dramatischerer Band der Serie. Rob Guillory nimmt die verrückte Grundidee der Reihe und entwickelt sie immer weiter zu einer richtigen Horror-Geschichte. Die menschlichen Organe, die Pflanzen und die übernatürliche Bedrohung wirken dabei zunehmend miteinander verbunden, wodurch die Farm endgültig zum Zentrum eines viel größeren Albtraums wird. Besonders gut funktioniert erneut die Mischung aus Horror und schwarzem Humor. Guillory schafft es, groteske Bilder mit teilweise überraschend emotionalen Momenten zu verbinden. Gleichzeitig bleibt die Jenkins-Familie das Herzstück der Geschichte. Ein kleiner Kritikpunkt ist das Tempo. Gerade am Anfang hat der Band einige ruhigere Passagen, die sich eher wie Vorbereitung auf das Finale anfühlen. Wer nach dem dritten Band sofort eine durchgehend explosive Fortsetzung erwartet, könnte deshalb zunächst etwas enttäuscht sein. Dafür entschädigt der Comic mit einem deutlich stärkeren zweiten Teil. Das Ende gehört für mich allerdings zu den großen Stärken des Bandes. Guillory führt mehrere Handlungsstränge zusammen, sorgt für einige Überraschungen und lässt die Situation der Jenkins-Familie so dramatisch werden, dass man den nächsten Band unbedingt lesen möchte. Farmhand 4 Die Saat ist deshalb eine klare Empfehlung für Fans der Reihe. Der Comic ist grotesk, witzig, makaber und gleichzeitig überraschend emotional.
Vielen Dank an den Skinless Crow Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
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