The Innocent Game 2

Im zweiten Band wird Mirei zu einem gefährlichen Unschuldigenspiel gezwungen, das offenbar mit ihrer Vergangenheit zusammenhängt. Nachdem ein Unbekannter sie zunehmend bedroht, beschließt sie, den Täter selbst zu stellen. Währenddessen sucht Seigi gemeinsam mit Kaoru nach Hinweisen, um das Rätsel zu lösen.
Das Spiel wird persönlicher
Mit The Innocent Game 2 von Ritsuto Igarashi und Yumuko Tsuka zieht der spannende Law-School-Thriller das Tempo deutlich an. Nachdem der erste Band vor allem Figuren und Setting etabliert hat, geht es diesmal direkt ins Eingemachte. Das ominöse Unschuldigenspiel wird nicht nur konkreter, sondern auch deutlich bedrohlicher und vor allem persönlicher für die Beteiligten. Die Geschichte entfaltet dabei eine angenehm düstere Atmosphäre, die sofort neugierig macht.
Bedrohung im Alltag
Im Zentrum dieses Bandes steht Mirei Orimoto, deren Vergangenheit plötzlich zum Auslöser eines perfiden Spiels wird. Die Situation eskaliert schnell: Ein unbekannter Täter belästigt sie systematisch, und spätestens als der Eispickel ihre Wohnungstür durchbohrt, wird klar, dass es hier nicht um harmlose Streiche geht. Das war die Ausgangslage im ersten Band und hier treibt man es auf die Spitze. Die ständige Bedrohung sorgt für ein starkes Spannungsgefühl, das sich durch den gesamten Band zieht.
Psychologischer Druck statt Action
Was The Innocent Game 2 besonders gut macht, ist der Fokus auf psychologische Spannung. Statt auf große Action setzt die Geschichte auf Unsicherheit, Misstrauen und das Gefühl, beobachtet zu werden. Man fiebert mit Mirei mit, während sie versucht, die Kontrolle über die Situation zurückzugewinnen und auch einiges dafür tut um den Täter zu erwischen. Dieser Thriller-Ansatz passt hervorragend zum juristischen Umfeld und hebt die Reihe von klassischen Mystery-Manga ab.
Seigi zwischen Ehrgeiz und Vergangenheit
Auch Protagonist Kiyoyoshi Seigi Kuga bekommt mehr Tiefe. Sein Ehrgeiz, ein erfolgreicher Anwalt zu werden, steht zunehmend im Kontrast zu seiner eigenen fragwürdigen Vergangenheit. Gerade diese moralische Grauzone macht ihn interessant: Er ist kein klassischer Held, sondern jemand, der selbst mit Schuld und Verantwortung ringt, ein zentrales Thema der Reihe.
Kaoru Yuki, der brillante Joker
Der Ausnahmestudent Kaoru Yuki spielt ebenfalls eine wichtigere Rolle. Mit seiner analytischen Denkweise und seinem ruhigen Auftreten wirkt er fast wie ein strategischer Beobachter im Hintergrund. Seine Hinweise treiben die Ermittlungen voran, und man bekommt langsam das Gefühl, dass hinter seiner Gelassenheit mehr steckt, als zunächst sichtbar ist.
Schuld, Strafe und Moral
Inhaltlich bleibt der Manga seinem Kern treu: Wer ist wirklich unschuldig? Und wer entscheidet darüber? Die Geschichte spielt geschickt mit moralischen Fragen und zeigt, dass Vergangenheit und Verantwortung nicht einfach verschwinden. Gerade im juristischen Umfeld wirkt dieses Thema besonders stimmig und verleiht dem Thriller eine zusätzliche inhaltliche Tiefe.
Erzähltempo und Wendungen
Der zweite Band punktet mit einem deutlich strafferen Tempo als sein Vorgänger. Neue Hinweise, überraschende Entwicklungen und kleine Twists sorgen dafür, dass keine Langeweile aufkommt. Besonders gelungen ist, dass viele Fragen aufgeworfen werden, ohne vorschnell Antworten zu liefern – ein klassischer Cliffhanger-Effekt, der Lust auf Band 3 macht.
Zeichenstil und Aufmachung
Auch visuell überzeugt der Manga. Der Zeichenstil ist klar, ausdrucksstark und transportiert Emotionen sowie Spannung sehr effektiv. Dunkle Panels und gezielte Perspektiven unterstreichen die bedrohliche Stimmung. Die hochwertige Klappenbroschur macht den Band zudem zu einem echten Hingucker im Regal.
Zielgruppe und Gesamtwirkung
Mit seiner Mischung aus Thriller, Mystery und juristischem Setting richtet sich The Innocent Game 2 vor allem an die die komplexere Geschichten und psychologische Spannung mögen. Wer Serien mit moralischen Konflikten und clever aufgebauter Spannung schätzt, wird hier definitiv gut unterhalten.
Fazit
The Innocent Game 2 steigert die Intensität der Reihe spürbar und entwickelt sich vom interessanten Auftakt zu einem richtig fesselnden Manga. Besonders die stärkere Einbindung von Mirei und die zunehmende persönliche Bedrohung verleihen der Geschichte mehr emotionale Wucht.
Die größte Stärke des Bandes liegt in seiner Atmosphäre. Das Gefühl von Unsicherheit, die Belastung der Figuren und die ständig lauernde Gefahr sorgen dafür, dass man immer weiter lesen möchte. Auch die Figuren gewinnen an Tiefe. Seigis moralische Zwiespälte und Kaorus geheimnisvolle Rolle machen neugierig auf die weitere Entwicklung. Gleichzeitig bleibt genug Raum für Spekulationen über die Hintergründe des Spiels. Gerade wenn man den Zeitsprung hier berücksichtigt, frage ich mich schon, was die Figuren insgesamt in der Zeit erlebt haben und hoffe da wird noch etwas mehr darauf eingegangen. Inhaltlich überzeugt der Manga durch seine Mischung aus Spannung und Fragestellungen. Das Thema Schuld und Verantwortung wird interessant und vielschichtig behandelt, ohne dabei belehrend zu wirken. Wer den ersten Band mochte, bekommt hier eine klare Steigerung und wer Thriller mit Köpfchen und Stimmung liebt, sollte unbedingt weiterlesen. Band 2 macht definitiv Lust auf das große Spiel, das sich in den folgenden Bänden weiter entfalten wird.
Vielen Dank an den Carlsen Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
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