Spider-Man Brand New Day

Nach den Ereignissen aus One More Day beginnt für Peter Parker ein neues Kapitel. Seine Ehe mit Mary Jane gehört der Vergangenheit an und niemand erinnert sich mehr an Spider-Mans geheime Identität. Während Peter versucht, sich in seinem veränderten Leben zurechtzufinden, bekommt er es mit neuen Gegnern wie Mister Negative und Freak zu tun. Gleichzeitig sorgt die geheimnisvolle Heldin Jackpot für zusätzliche Verwirrung.
Ein echter Neustart für Spider-Man
Mit Spider-Man: Brand New Day schlägt Marvel ein neues Kapitel in der langen Geschichte von Peter Parker auf. Nach den durchaus kontrovers aufgenommenen Ereignissen von One More Day steht der Held plötzlich wieder an einem Punkt, an dem vieles vertraut und gleichzeitig komplett anders ist. Genau dieses Gefühl prägt den gesamten Band. Peter ist weiterhin Spider-Man, aber sein persönliches Umfeld hat sich verändert und einige der Dinge, die ihn über Jahre begleitet haben, sind plötzlich verschwunden. Dadurch fühlt sich die Geschichte tatsächlich wie ein Neustart an, ohne dass man dabei das Gefühl bekommt, eine völlig fremde Figur vor sich zu haben.
Peter Parker zurück auf Anfang
Besonders interessant ist dabei Peter selbst. Brand New Day versucht nicht, ihn als übermächtigen Superhelden darzustellen, sondern erinnert daran, was Spider-Man ursprünglich so sympathisch gemacht hat. Peter hat Geldprobleme, Ärger im Privatleben, muss sich mit seinem Beruf herumschlagen und bekommt natürlich auch noch regelmäßig von Superschurken auf die Mütze. Genau diese Mischung funktioniert erstaunlich gut. Peter darf wieder der sympathische Pechvogel sein, bei dem gefühlt alles gleichzeitig schiefgeht. Dabei bleibt aber immer dieses Verantwortungsbewusstsein erhalten, das Spider-Man ausmacht.
Ein neues Leben mit alten Problemen
Der große Reiz des Bandes liegt deshalb weniger in einer einzelnen spektakulären Handlung als in der neuen Ausgangssituation. Peter muss sich sein Leben praktisch neu zusammenbauen. Besonders seine Situation rund um den Daily Bugle und J. Jonah Jameson sorgt für einige starke Momente. Es ist schön zu sehen, wie der Comic wieder stärker auf Peters Alltag setzt. Zwischen seinen Einsätzen als Spider-Man gibt es eben immer noch Rechnungen, Arbeit, Beziehungen und jede Menge persönliche Schwierigkeiten. Dadurch wirkt die Geschichte angenehm menschlich und erinnert daran, warum Peter Parker seit Jahrzehnten zu den beliebtesten Marvel-Figuren gehört.
Mister Negative überzeugt als neuer Gegner
Mit Mister Negative bekommt Spider-Man außerdem einen Gegner spendiert, der sich hervorragend für diesen Neustart eignet. Martin Li wirkt zunächst wie ein freundlicher und hilfsbereiter Mann, doch hinter seiner Fassade verbirgt sich eine gefährliche Persönlichkeit. Dieser Gegensatz macht die Figur spannend. Mister Negative ist dabei nicht einfach nur ein weiterer Bösewicht, der Spider-Man möglichst spektakulär verprügeln möchte. Seine Verbindungen zur Unterwelt und seine eigenen Pläne geben ihm genügend Profil, um im Gedächtnis zu bleiben. Gerade für einen neuen Gegenspieler ist das eine gute Ausgangslage.
Action darf natürlich nicht fehlen
Natürlich wäre es kein Spider-Man-Comic, wenn Peter nicht regelmäßig durch die Straßen New Yorks schwingen und sich mit irgendwelchen Verrückten prügeln müsste. Die Action kommt deshalb nicht zu kurz. Besonders Freak sorgt für einige ungewöhnliche Situationen und bringt eine etwas andere Art von Bedrohung in die Geschichte. Die Kämpfe sind dynamisch und passen gut zu Spider-Mans Fähigkeiten. Dabei bleibt der Humor erhalten, der bei Peter einfach dazugehört. Selbst wenn es gerade ziemlich brenzlig wird, schafft er es meistens noch, irgendeinen lockeren Spruch herauszuhauen.
Jackpot bringt frischen Wind
Auch Jackpot ist eine interessante Ergänzung. Die neue Heldin bringt eine gewisse Mystery-Komponente in die Handlung, weil zunächst nicht alles über sie bekannt ist. Vor allem Peters Reaktionen auf sie sorgen für Unterhaltung. Zwischen den beiden entwickelt sich eine interessante Dynamik, die zeigt, dass Marvel mit „Brand New Day“ auch bei den Nebenfiguren neue Akzente setzen möchte. Jackpot wirkt dabei nicht einfach wie eine Figur, die nur eingeführt wurde, damit Spider-Man jemanden zum Reden hat. Sie bringt ihre eigene Geschichte und einige offene Fragen mit, die neugierig auf die weitere Entwicklung machen.
Spider-Man gegen den Rest der Welt
Was mir ebenfalls gut gefällt, ist die Tatsache, dass Peter nicht ausschließlich gegen Superschurken kämpfen muss. Auch die Polizei macht ihm das Leben schwer und erinnert ihn regelmäßig daran, dass Spider-Man für die normalen Menschen in New York keineswegs automatisch der große Held ist. Dadurch bekommt der Comic eine angenehme Bodenständigkeit. Peter muss aufpassen, wo er seine Kräfte einsetzt, während er gleichzeitig versucht, Menschen zu retten. Diese kleinen Schwierigkeiten machen die Geschichte interessanter, weil nicht jede Auseinandersetzung einfach mit einem Faustschlag gelöst werden kann.
Ein lockerer und zugänglicher Spider-Man
Insgesamt liest sich Brand New Day angenehm locker. Der Comic nimmt sich zwar die großen Veränderungen rund um Peter Parker durchaus zu Herzen, verliert sich aber nicht permanent in schweren dramatischen Momenten. Stattdessen gibt es Action, Humor, persönliche Probleme und neue Figuren in einer Mischung, die sich sehr typisch nach Spider-Man anfühlt. Gerade nach den großen und teilweise sehr dramatischen Ereignissen zuvor ist dieser etwas leichtere Ansatz eine willkommene Abwechslung. Gleichzeitig merkt man, dass Marvel hier langfristig etwas Neues aufbauen möchte und nicht einfach nur eine weitere abgeschlossene Spider-Man-Geschichte erzählen will.
Ein Neustart mit Licht und Schatten
Ganz frei von Kritik ist der Band allerdings nicht. Die Veränderungen durch One More Day sind natürlich ein gewaltiger Einschnitt, und wer besonders an Peters Beziehung zu Mary Jane hing, dürfte mit einigen Entscheidungen weiterhin seine Probleme haben. Auch die vielen neuen Elemente können zunächst etwas ungewohnt wirken. Trotzdem funktioniert Brand New Day erstaunlich gut als Auftakt einer neuen Phase. Der Comic schafft es, Peter Parker wieder stärker in den Mittelpunkt zu rücken und gleichzeitig neue Figuren und Konflikte einzuführen. Dadurch entsteht ein guter Mix aus klassischem Spider-Man-Gefühl und neuen Ideen.
Ein frischer Start
Spider-Man Brand New Day macht seinem Namen alle Ehre und liefert tatsächlich einen Neustart für Peter Parker. Nach den einschneidenden Ereignissen von One More Day wird vieles auf Anfang gesetzt und Peter muss sich in einer veränderten Welt zurechtfinden. Das funktioniert vor allem deshalb gut, weil der Comic nicht versucht, sämtliche Veränderungen sofort mit riesigen Ereignissen zu überdecken. Stattdessen darf Peter wieder Peter sein: sympathisch, chaotisch, chronisch knapp bei Kasse und trotzdem immer bereit, anderen zu helfen, auch wenn Helden mittlweile registriert sein müssen. Besonders positiv fällt auf, wie stark sich der Comic wieder auf die klassischen Zutaten konzentriert. Ein Held mit Problemen, ein kompliziertes Privatleben, verrückte Gegner, lockere Sprüche und jede Menge Ärger gehören einfach zu Spider-Man dazu.
Neue Figuren, neue Möglichkeiten Mister Negative und Jackpot sind dabei zwei der interessantesten neuen Elemente. Vor allem Mister Negative hinterlässt als Gegenspieler einen guten Eindruck und bietet genügend Potenzial für weitere Geschichten. Jackpot wiederum bringt eine gewisse geheimnisvolle Note in Peters Alltag. Zusammen mit Freak und den Veränderungen beim Daily Bugle entsteht dadurch eine neue Ausgangslage, aus der Marvel zahlreiche weitere Geschichten entwickeln kann.Natürlich bleibt die große Veränderung rund um Mary Jane ein Punkt, an dem sich die Geister scheiden dürften. Wer die Beziehung der beiden besonders geschätzt hat, wird mit diesem Neustart wahrscheinlich nicht sofort warm werden. Auch die Tatsache, dass viele bekannte Dinge einfach aus Peters Leben verschwunden sind, fühlt sich stellenweise bewusst radikal an. Trotzdem sollte man Brand New Day vor allem als das betrachten, was es sein möchte: einen neuen Ausgangspunkt für Spider-Man, der die Figur wieder etwas näher an ihre klassischen Wurzeln bringt. Unterm Strich ist Brand New Day ein unterhaltsamer und zugänglicher Spider-Man-Comic, der nach den großen Veränderungen einen neuen Weg einschlägt.
Vielen Dank an Panini Comics für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
Neueste Kommentare