Marvel Knights Punisher

Frank Castle ist auch in der nahen Zukunft noch als kompromissloser Punisher unterwegs und führt seinen persönlichen Krieg gegen das Verbrechen. Als er einer neuen, gefährlichen Droge bis zu einem mexikanischen Drogenbaron folgt, gerät er an den brutalen Auftragskiller El Zombie. Doch statt Frank einfach zu töten, haben seine Gegner einen ganz anderen Plan: Sie machen aus dem Punisher selbst eine Waffe und verwandeln ihn in einen Zombie-Killer.
Eine ungewöhnliche Punisher-Geschichte
Mit Marvel Knights Punisher bekommt man eine Geschichte, die sich ziemlich deutlich von vielen klassischen Punisher-Abenteuern unterscheidet. Zwar bleibt Frank Castle seinem Grundprinzip treu und geht mit seinen Gegnern alles andere als zimperlich um, gleichzeitig wird das Ganze aber deutlich abgedrehter. Die alternative Zukunft des Marvel-Knights-Universums bietet genügend Spielraum, um mit der Figur Dinge anzustellen, die in einer gewöhnlichen Punisher-Geschichte vielleicht etwas schwieriger funktionieren würden.
Gerade für Einsteiger ist das ein großer Pluspunkt. Man muss nicht unbedingt jahrelang Marvel-Comics gelesen haben oder die komplette Geschichte des Punishers kennen, um der Handlung folgen zu können. Frank Castle funktioniert hier auch ohne riesigen Hintergrundballast. Man bekommt einen Mann präsentiert, der seit Jahren seinen eigenen Krieg führt und dabei kaum bereit ist, Kompromisse einzugehen. Dadurch kann man ziemlich unkompliziert in die Geschichte einsteigen und sich von dem ungewöhnlichen Szenario überraschen lassen.
Frank Castle bleibt Frank Castle
Trotz aller Veränderungen ist schnell klar, dass der Punisher im Mittelpunkt steht. Frank ist weiterhin dieser stoische, kompromisslose Charakter, der Probleme normalerweise nicht mit langen Gesprächen löst. Wenn jemand auf seiner Abschussliste landet, kann man ziemlich sicher davon ausgehen, dass es für diese Person nicht besonders angenehm wird. Genau diese Härte gehört einfach zur Figur und wird auch hier entsprechend ausgespielt.
Interessant wird es allerdings dadurch, dass Frank diesmal selbst zum Opfer seiner Gegner wird. Die Idee, ausgerechnet den Punisher in einen Zombie zu verwandeln und ihn anschließend als Killer einzusetzen, passt wunderbar zum etwas verrückteren Ton der Geschichte. Gleichzeitig entsteht daraus ein spannender Konflikt: Was passiert, wenn aus dem Jäger plötzlich die Waffe seiner eigenen Feinde wird? Diese Ausgangslage sorgt für einige herrlich schräge Situationen und gibt der Geschichte eine eigene Identität.
Drogen, Zombies und jede Menge Gewalt
Inhaltlich wird hier ordentlich aufgefahren. Die Geschichte beginnt zunächst relativ bodenständig mit einer neuen Droge und einem mexikanischen Drogenkartell, entwickelt sich aber zunehmend in eine ganz andere Richtung. Spätestens mit El Zombie und der Verwandlung von Frank wird deutlich, dass man sich auf eine Geschichte eingelassen hat, die nicht unbedingt realistisch sein möchte. Und genau das macht ihren Reiz aus.
Dabei bleibt der Comic seinem Titelhelden entsprechend ziemlich brutal. Der Punisher ist nun einmal keine Figur für besonders sanfte Konfliktlösungen, und auch diese Geschichte spart nicht mit Gewalt. Trotzdem wirkt die Brutalität nicht einfach nur wie Selbstzweck. Sie gehört zum Stil der Serie und unterstreicht gleichzeitig, wie kompromisslos Frank Castle seinen persönlichen Krieg führt. Wer mit dem härteren Marvel-Stil der Knights-Reihe etwas anfangen kann, dürfte sich hier ziemlich schnell wohlfühlen.
Everett K. Ross sorgt für zusätzliche Würze
Neben Frank Castle spielt auch Everett K. Ross eine wichtige Rolle. Als alter Bekannter aus dem Umfeld von Black Panther bringt er eine ganz andere Perspektive in die Handlung. Während der Punisher seine eigenen Methoden verfolgt, arbeitet Ross undercover und bewegt sich damit in einem Umfeld, in dem er jederzeit Gefahr läuft, aufzufliegen.
Dieser Handlungsstrang erweitert die Geschichte angenehm und verhindert, dass sich alles ausschließlich um Frank dreht. Gleichzeitig sorgt Ross für einen interessanten Kontrast zum Punisher. Während Frank eher mit der Brechstange vorgeht, ist Ross auf Tarnung, Informationen und Beobachtung angewiesen. Dadurch bekommt die Geschichte zusätzlich einen gewissen Agenten-Thriller-Einschlag, der gut mit den abgedrehten Elementen harmoniert.
Der Marvel-Knights-Ton
Besonders gut funktioniert für mich der typische Marvel-Knights-Charakter der Geschichte. Die Reihe war schon immer dafür bekannt, Marvel-Figuren etwas härter, düsterer und erwachsener zu präsentieren. Beim Punisher bietet sich dieser Ansatz natürlich besonders an. Hier darf Frank Castle einfach der Punisher sein, ohne dass seine Methoden ständig weichgespült werden müssen.
Gleichzeitig nimmt sich der Comic nicht immer vollkommen ernst. Gerade die Mischung aus düsterem Crime-Stoff, schwarzem Humor und übernatürlichem Wahnsinn macht den besonderen Charme aus. Man sollte deshalb nicht mit der Erwartung an die Geschichte herangehen, einen möglichst realistischen Punisher-Thriller zu bekommen. Vielmehr ist das ein wilder Ritt, der seine verschiedenen Zutaten miteinander vermischt und daraus etwas ziemlich Eigenständiges macht.
El Zombie als Gegenspieler
Auch der Auftragskiller El Zombie bleibt dabei im Gedächtnis. Schon der Name macht deutlich, dass hier nicht unbedingt nach den üblichen Regeln gespielt wird. Er ist ein Gegenspieler, der perfekt in diese ungewöhnliche Geschichte passt und Frank Castle vor eine Situation stellt, die sich nicht einfach mit seinem üblichen Arsenal lösen lässt.
Besonders spannend ist, dass die Geschichte nicht einfach den klassischen Weg Punisher trifft Bösewicht und schaltet ihn aus nimmt. Stattdessen wird Frank selbst zum Spielball seiner Gegner. Dadurch verändert sich das Machtverhältnis und die Handlung bekommt einen zusätzlichen Schub. Gerade solche Momente machen den Comic unterhaltsam, weil man nicht immer genau weiß, wohin sich die Geschichte als Nächstes entwickeln wird.
Unterhaltsam statt überkompliziert
Was mir an dem Band besonders gefällt, ist seine Zugänglichkeit. Trotz der verschiedenen Figuren, Handlungsstränge und ungewöhnlichen Ideen bleibt die Geschichte relativ leicht konsumierbar. Man muss nicht jede Kleinigkeit des Marvel-Universums kennen, um Spaß daran zu haben. Wer einfach Lust auf eine brutale, etwas verrückte Punisher-Geschichte hat, wird hier ziemlich schnell abgeholt.
Natürlich sollte man den teilweise vollkommen überdrehten Ansatz mögen. Wer beim Punisher ausschließlich auf realistische Gangster- und Rachegeschichten steht, könnte mit den Zombie-Elementen zunächst seine Schwierigkeiten haben. Wer dagegen offen für eine etwas abgefahrenere Variante ist, bekommt eine Geschichte, die sich angenehm von der Masse abhebt. Gerade dieser Mut zum ungewöhnlichen Konzept macht den Band interessant.
Zeichnungen und Atmosphäre
Auch optisch passt der Comic hervorragend zu seinem Inhalt. Die düstere Atmosphäre, die brutalen Auseinandersetzungen und die ungewöhnlichen Figuren profitieren von einer entsprechend harten Inszenierung. Der Punisher wirkt dabei nicht wie ein gewöhnlicher Superheld, sondern wie das, was er eigentlich sein soll: ein düsterer Antiheld, der sich durch eine Welt voller Verbrecher und Monster kämpft.
Die Atmosphäre schwankt dabei angenehm zwischen düsterem Crime-Comic und völlig abgedrehter Horror-Action. Diese Mischung sorgt dafür, dass der Band nicht eintönig wird. Gerade wenn die Handlung zunehmend fantastischer wird, darf auch die Optik entsprechend über die Stränge schlagen. Dadurch entsteht ein stimmiges Gesamtbild, das den besonderen Charakter dieser Marvel-Knights-Version unterstützt.
Fazit
Marvel Knights Punisher ist eine ziemlich ungewöhnliche Variante des beliebten Antihelden und gerade deshalb eine unterhaltsame Lektüre. Statt einfach nur eine weitere klassische Rachegeschichte zu erzählen, nimmt der Comic Frank Castle und steckt ihn in ein Szenario, das zunehmend verrückter wird. Drogenkartell, Auftragskiller, Zombies und Geheimmissionen ergeben eine Mischung, die man so vielleicht nicht unbedingt erwartet hätte, die aber zu Frank wie die Faust aufs Auge passt. Besonders gelungen ist, dass der Punisher trotz des ungewöhnlichen Szenarios klar erkennbar bleibt. Frank Castle ist weiterhin der kompromisslose Bestrafer, der nicht lange überlegt, bevor er zur Waffe greift.
Auch Everett K. Ross fügt sich gut in das Geschehen ein. Sein Undercover-Einsatz sorgt für einen zweiten Handlungsstrang und bringt etwas Spionage-Flair in die Geschichte. Wer einen möglichst realistischen Punisher erwartet, sollte allerdings wissen, worauf er sich einlässt. Der Band ist deutlich fantastischer und teilweise auch ziemlich abgefahren. Genau darin liegt aber gleichzeitig seine Stärke.
Unterm Strich ist Marvel Knights Punisher daher vor allem eines: eine wilde, brutale und überraschend unterhaltsame Punisher-Saga, die sich angenehm von gewöhnlichen Geschichten unterscheidet. Durch den eigenständigen Ansatz eignet sie sich auch gut für Leser, die bisher wenig Berührung mit dem Punisher hatten.
Vielen Dank an Panini Comics für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
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