The Former Assassin Who Got Reincarnated as a Noble Girl

Selena Violet war in ihrem ersten Leben eine skrupellose Attentäterin, die bereits als Waise für eine Organisation zum Töten ausgebildet wurde. Nach einem missglückten Auftrag stirbt sie und wird als Tochter eines Herzogs wiedergeboren. Obwohl sie nun in einem liebevollen und behüteten Umfeld aufwächst, sind ihre alten Instinkte keineswegs verschwunden.
Eine ungewöhnliche Wiedergeburt
The Former Assassin Who Got Reincarnated as a Noble Girl nimmt sich eines mittlerweile ziemlich beliebten Grundkonzepts an und verpasst ihm direkt eine eigene Note. Eine Person stirbt, wird in einer Fantasywelt wiedergeboren und bekommt dort die Chance auf ein neues Leben. Bei Selena läuft das allerdings ein wenig anders. Während andere Wiedergeborene erst einmal versuchen, sich an ihr neues Leben zu gewöhnen, betrachtet Selena ihre neue Umgebung weiterhin mit den Augen einer ausgebildeten Attentäterin. Das sorgt bereits auf den ersten Seiten für einige herrlich schräge Situationen.
Selena ist alles andere als eine typische Adelige
Besonders viel Spaß macht dabei der Kontrast zwischen Selenas neuer Rolle und ihrer alten Persönlichkeit. Nach außen ist sie die wohlbehütete Tochter eines Herzogs und damit eigentlich jemand, der sich um solche Dinge wie Etikette, höfisches Benehmen und angemessene Umgangsformen kümmern sollte. Innerlich steckt jedoch weiterhin die eiskalte Killerin aus ihrem früheren Leben. Wenn ein großer Hund auf sie zuläuft, denkt Selena deshalb nicht daran, dass es vielleicht einfach nur ein verspieltes Tier sein könnte. Für sie ist das offensichtlich eine potenzielle Bedrohung, die beseitigt werden muss.
Das Buttermesser als erste Waffe
Gerade die Szene mit dem Hund zeigt sehr schön, welche Richtung der Manga einschlägt. Selena greift kurzerhand zu einem Buttermesser und sticht auf das Tier ein. Dass der Hund anschließend noch lebt, beschäftigt Selena weniger aus emotionaler Sicht, sondern vielmehr aus professioneller. Sie analysiert ihren Fehler und kommt zu dem Schluss, dass vermutlich die Waffe ungeeignet war. Dass ihre Mutter daraufhin alles andere als begeistert ist, versteht sich von selbst. Der Humor entsteht dabei vor allem dadurch, wie völlig selbstverständlich Selena ihre Gedanken betrachtet.
Ein Kind mit den Fähigkeiten einer Killerin
Interessant ist auch, dass Selena nicht plötzlich ihre Vergangenheit vergisst oder zu einem völlig anderen Menschen wird. Ihre Erfahrungen und Fähigkeiten begleiten sie in ihr neues Leben. Sie beginnt, ihren Körper zu trainieren und arbeitet kontinuierlich daran, ihre Fähigkeiten zu verbessern. Gleichzeitig muss sie lernen, ihre ungewöhnlichen Talente vor ihrer Familie und der höfischen Gesellschaft geheim zu halten. Dadurch entsteht eine schöne Mischung aus Fantasy, Comedy und der Frage, wie lange Selena ihre wahre Natur überhaupt verbergen kann.
Rosemary bringt zusätzlich Spannung hinein
Mit Rosemary kommt schließlich eine Figur ins Spiel, die für die Handlung noch eine ganz andere Art von Konflikt mitbringt. Das Mädchen ist ebenfalls Waise und wird von Selenas Familie aufgenommen. Eigentlich könnte daraus eine wunderschöne familiäre Beziehung entstehen. Stattdessen entwickelt Rosemary Eifersucht auf Selena. Damit bekommt Selena ausgerechnet innerhalb ihres eigenen Hauses eine Gegenspielerin. Besonders interessant ist dabei, dass Selena aufgrund ihrer Vergangenheit ständig nach äußeren Gefahren Ausschau hält, während die tatsächliche Bedrohung möglicherweise viel näher bei ihr ist.
Humor trifft auf düstere Vergangenheit
Der Manga funktioniert vor allem dann besonders gut, wenn er Selenas düstere Vergangenheit mit ihrem neuen, vergleichsweise behüteten Leben kollidieren lässt. Sie ist nicht plötzlich eine liebenswerte Prinzessin geworden, sondern muss erst lernen, wie ein normales Mädchen zu leben. Ihre Vorstellung von Normalität ist allerdings ziemlich verschoben. Wo andere Kinder vielleicht spielen oder Freunde suchen, denkt Selena über Waffen, Training und mögliche Gefahren nach. Das gibt der Geschichte einen charmanten schwarzen Humor, ohne dass sie dabei dauerhaft düster wirkt.
Die Schattengilde eröffnet neue Möglichkeiten
Mit Rick Oswald und der Schattengilde bekommt die Geschichte schließlich ein Element, das deutlich stärker in Richtung klassische Fantasy-Action geht. Selena wird nicht einfach nur als seltsames Mädchen entlarvt, sondern erhält die Möglichkeit, ihre besonderen Fähigkeiten sinnvoll einzusetzen. Die Schattengilde ist dabei eine interessante Ergänzung, weil Selena dort vermutlich nicht mehr ständig so tun muss, als wäre sie ein ganz gewöhnliches Adelskind. Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob ihre zweite Chance auf ein normales Leben dadurch nicht erneut in eine Welt voller Gewalt führt.
Selena als Hauptfigur trägt die Geschichte
Der größte Pluspunkt des Mangas ist für mich eindeutig Selena selbst. Sie ist eine ungewöhnliche Hauptfigur, weil sie gleichzeitig kindlich und erschreckend abgeklärt wirkt. Besonders unterhaltsam ist, dass sie viele Situationen vollkommen anders bewertet als ihre Mitmenschen. Während die anderen Figuren in ihr ein kleines Mädchen sehen, denkt Selena häufig bereits mehrere Schritte voraus und analysiert potenzielle Gefahren. Dadurch entstehen immer wieder Situationen, bei denen man sich fragt, wie lange es wohl dauern wird, bis jemand hinter ihr Geheimnis kommt.
Ein vielversprechender Auftakt
Insgesamt macht der Manga einen unterhaltsamen und neugierig machenden Eindruck. Die Geschichte verbindet Reinkarnation, Fantasy, Comedy, Action und Intrigen miteinander und setzt mit Selena eine Hauptfigur ins Zentrum, die definitiv nicht dem üblichen Klischee eines unschuldigen Adelsmädchens entspricht. Besonders gelungen ist der Gegensatz zwischen ihrem neuen Leben und ihrer alten Mentalität. Gleichzeitig sorgt Rosemary für eine zusätzliche Spannungsebene, während die Schattengilde verspricht, die Geschichte künftig noch stärker in Richtung Abenteuer und Action zu führen. Wer Geschichten über wiedergeborene Charaktere mag, aber gerne einmal eine etwas ungewöhnlichere Variante dieses Konzepts lesen möchte, bekommt hier einen interessanten Einstieg.
Fazit
The Former Assassin Who Got Reincarnated as a Noble Girl ist ein Manga, der sein grundsätzlich bekanntes Reinkarnationskonzept überraschend unterhaltsam aufzieht. Statt einer ehemaligen Heldin oder eines gewöhnlichen Menschen steht hier eine professionelle Attentäterin im Mittelpunkt, die ihr altes Handwerk auch nach ihrer Wiedergeburt nicht einfach ablegen kann. Genau dieser Gegensatz sorgt für viele der besten Momente der Geschichte und macht Selena zu einer Hauptfigur, die man definitiv nicht so schnell vergisst. Besonders gut gefällt mir dabei der Humor. Auch die Nebenhandlung rund um Rosemary sorgt dafür, dass der Manga nicht nur aus humorvollen Situationen und Training besteht. Ihre Eifersucht bringt eine unterschwellige Spannung in das Familienleben und macht deutlich, dass Selena möglicherweise nicht nur außerhalb ihres Zuhauses auf Gefahren achten sollte. Mit der Schattengilde wird außerdem eine Tür zu größeren Abenteuern geöffnet. Selena bekommt dadurch eine Möglichkeit, ihre Fähigkeiten einzusetzen, ohne ständig so tun zu müssen, als wäre sie ein völlig gewöhnliches Mädchen. Unterm Strich ist der Manga damit ein gelungener und vor allem unterhaltsamer Auftakt. Selena ist eine herrlich ungewöhnliche Protagonistin, die durch ihre Mischung aus kindlicher Erscheinung, höfischer Umgebung und eiskalter Attentätermentalität für ordentlich Unterhaltung sorgt.
Vielen Dank an Animachon für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
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