The Promised Neverland 1

Emma, Norman und Ray leben gemeinsam mit zahlreichen anderen Kindern im scheinbar idyllischen Waisenhaus Grace Field House. Sie werden liebevoll von ihrer Mutter Isabella umsorgt, lernen, spielen und müssen täglich anspruchsvolle Tests absolvieren. Als die kleine Conny adoptiert werden soll, entdecken Emma und Norman jedoch zufällig die schreckliche Wahrheit.
Eine scheinbare Idylle
The Promised Neverland beginnt zunächst fast schon harmlos. Ein großes Waisenhaus, viele Kinder, gutes Essen, Spiele und eine liebevolle Ziehmutter – eigentlich könnte man meinen, dass Emma und die anderen es kaum besser getroffen haben. Genau diese heile Atmosphäre macht den späteren Bruch umso wirkungsvoller.
Der große Schock
Dann kommt der Moment, der die komplette Geschichte auf den Kopf stellt. Was Emma und Norman hinter dem Tor entdecken, ist nicht einfach nur ein kleines Geheimnis, sondern eine Wahrheit, die ihr gesamtes bisheriges Leben infrage stellt. Plötzlich wird aus dem gemütlichen Waisenhaus ein Ort, an dem jeder Tag über Leben und Tod entscheiden kann.
Emma, Norman und Ray
Das Trio funktioniert dabei richtig gut. Emma ist optimistisch, temperamentvoll und unglaublich entschlossen. Norman überzeugt mit seinem Verstand und seiner ruhigen Art, während Ray deutlich geheimnisvoller wirkt. Gerade diese unterschiedlichen Charakterzüge ergänzen sich hervorragend und machen die drei zu einem starken Mittelpunkt der Geschichte.
Isabella, Mutter oder Gegnerin?
Besonders spannend ist natürlich Isabella. Für die Kinder ist sie zunächst einfach Mutter, die sich um sie kümmert und ihnen Geborgenheit gibt. Nach der Enthüllung bekommt jedoch jede ihrer freundlichen Gesten eine völlig andere Bedeutung. Genau dieses Spiel mit Vertrauen und Misstrauen gehört für mich zu den größten Stärken des ersten Bandes.
Spannung statt Dauer-Action
Obwohl The Promised Neverland als Mystery- und Horror-Manga funktioniert, besteht die Spannung nicht hauptsächlich aus Kämpfen. Vielmehr geht es um Beobachtung, Planung und die Frage, wem man überhaupt vertrauen kann. Die Kinder müssen ihren Verstand einsetzen, weil sie körperlich kaum eine Chance gegen ihre Gegner hätten.
Die Welt hinter dem Tor
Der Manga macht außerdem sehr geschickt neugierig auf die Welt außerhalb von Grace Field House. Was sind diese Dämonen? Gibt es noch andere Farmen? Warum werden die Kinder dort aufgezogen? Und wie weit reicht dieses System? Band 1 beantwortet nur das Nötigste und lässt dadurch jede Menge Fragen offen.
Zeichnungen und Atmosphäre
Posuka Demizus Zeichnungen passen hervorragend zur Geschichte. Die Kinder wirken niedlich und lebendig, während die düsteren Szenen einen starken Kontrast dazu bilden. Gerade dieser Gegensatz zwischen kindlicher Unbeschwertheit und einer zunehmend bedrohlichen Realität erzeugt eine beklemmende Atmosphäre.
Ein perfider Überlebenskampf
Was mir besonders gefällt, ist die Idee, dass die Kinder nicht einfach davonlaufen können. Sie müssen zunächst herausfinden, wie das System funktioniert und welche Möglichkeiten sie überhaupt haben. Dadurch entsteht ein regelrechtes Katz-und-Maus-Spiel, bei dem jeder Fehler fatale Folgen haben könnte.
Ein Auftakt, der hängen bleibt
Band 1 macht deshalb genau das, was ein guter Auftakt machen sollte: Er stellt interessante Figuren vor, baut eine ungewöhnliche Welt auf und liefert einen Twist, der die komplette Ausgangssituation verändert. Danach möchte man eigentlich sofort weiterlesen, weil man unbedingt wissen will, wie Emma und die anderen aus dieser scheinbar aussichtslosen Situation herauskommen wollen. Besonders stark finde ich, wie die Geschichte mit den Erwartungen spielt. Man wird zunächst bewusst in Sicherheit gewiegt und bekommt das Gefühl, eine harmlose Geschichte über Waisenkinder zu lesen. Umso härter trifft die Erkenntnis, dass hinter dieser Idylle etwas vollkommen anderes steckt. Emma ist dabei eine tolle Hauptfigur. Ihre positive und teilweise unerschütterliche Art könnte auf den ersten Blick etwas naiv wirken, doch gerade ihr Wille, keinen der anderen Kinder zurückzulassen, macht sie sympathisch.
Norman bildet dazu einen hervorragenden Gegenpol. Auch Isabella ist hervorragend geschrieben. Nach der großen Enthüllung weiß man plötzlich nicht mehr, welche ihrer Handlungen ehrlich gemeint sind und welche nur Teil des Systems sind. Die eigentliche Stärke des Mangas liegt für mich aber im psychologischen Katz-und-Maus-Spiel.
Dazu kommt die tolle Atmosphäre. Man sollte allerdings wissen, dass Band 1 vor allem den Grundstein für die weitere Handlung legt.
Für mich funktioniert das aber hervorragend.
Wer Mystery, Horror, Thriller und intelligente Survival-Geschichten mag, sollte sich The Promised Neverland definitiv einmal anschauen. Der erste Band ist ein richtig starker Auftakt.
Vielen Dank an den Carlsen Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
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