Star Wars Comics: Galaktische Geschichten des Schreckens

Die erste Sammlung spielt rund um Jabbas Rancorgrube. Ein Gefangener versucht, seinem scheinbar sicheren Tod zu entgehen, indem er Jabba schaurige Geschichten erzählt. Dabei begegnen uns unter anderem Phantomdroiden, Werwölfe und andere seltsame Kreaturen. Anschließend geht es nach Kef Bir, wo die Ruinen des zweiten Todessterns zum Schauplatz weiterer Gruselgeschichten werden.
Eine ungewöhnliche Mischung
Star Wars und Horror? Auf den ersten Blick wirkt diese Kombination vielleicht ein bisschen ungewöhnlich, schließlich denkt man bei der weit, weit entfernten Galaxis zunächst an Lichtschwerter, Raumschlachten, Jedi und Sith. Cavan Scott zeigt mit Galaktische Geschichten des Schreckens allerdings ziemlich überzeugend, dass das Star-Wars-Universum auch eine ausgesprochen gute Grundlage für schaurige Geschichten bietet. Der Sammelband nimmt sich dabei nicht allzu ernst und setzt vor allem auf Atmosphäre, Monster, Geister und jede Menge ungewöhnliche Begegnungen. Genau diese Mischung macht den Band zu einer ziemlich unterhaltsamen Abwechslung zu den klassischen Star-Wars-Geschichten.
Geschichten aus drei Epochen
Besonders schön ist, dass der Band nicht einfach nur eine einzelne Geschichte erzählt, sondern drei Anthologien miteinander verbindet. Dadurch bekommt man eine ganze Reihe unterschiedlicher kleiner Abenteuer geboten, die sich über verschiedene Zeitepochen der Saga erstrecken. Von der Zeit der Jedi über die Ära des Imperiums bis hin zu Rey und Finn ist erstaunlich viel vertreten. Dadurch fühlt sich der Band gleichzeitig vertraut und abwechslungsreich an. Man weiß zwar nie genau, welche bekannte Figur oder welches bekannte Monster auf den nächsten Seiten auftaucht, aber genau darin liegt ein großer Reiz.
Die Rancorgrube als Ausgangspunkt
Mein persönliches Highlight unter den einzelnen Konzepten ist dabei die Idee rund um Jabbas Rancorgrube. Ein Gefangener weiß, dass sein Leben eigentlich so gut wie vorbei ist, und versucht deshalb, sich mit Geschichten etwas zusätzliche Zeit zu verschaffen. Das erinnert nicht ganz zufällig an klassische Erzählrahmen wie Tausendundeine Nacht, funktioniert im Star-Wars-Universum aber erstaunlich gut. Die Geschichten innerhalb der Geschichte geben dem Band eine angenehme Leichtigkeit und sorgen gleichzeitig dafür, dass man sich nie ganz sicher sein kann, was tatsächlich passiert ist und was vielleicht nur eine Erzählung bleibt.
Wenn Star Wars auf Horror trifft
Die eigentlichen Gruselgeschichten sind dabei angenehm unterschiedlich. Mal geht es um Geister, dann wieder um Monster oder untote Wesen. Besonders die Geschichten rund um den Todesstern können mit ihrer düsteren Umgebung punkten. Die riesige imperiale Raumstation kennt man eigentlich zur Genüge, doch wenn sie plötzlich von Geisterpiloten, Zombies oder anderen übernatürlichen Erscheinungen heimgesucht wird, bekommt der bekannte Schauplatz eine ganz neue Wirkung. Es ist genau diese kleine Veränderung bekannter Elemente, die den Charme der Anthologie ausmacht.
Nicht jede Geschichte bleibt hängen
Natürlich hat eine Sammlung aus so vielen Kurzgeschichten auch ihre Schwächen. Während einige Episoden wirklich Spaß machen und einen schönen kleinen Aha-Moment bieten, gibt es andere, die nach dem Lesen relativ schnell wieder aus dem Gedächtnis verschwinden. Das liegt weniger daran, dass sie schlecht erzählt wären, sondern vielmehr daran, dass die Geschichten teilweise sehr kurz sind. Gerade wenn man sich auf eine interessante Ausgangssituation eingestellt hat, ist das Abenteuer schon wieder vorbei. Dadurch entsteht gelegentlich der Eindruck, dass manche Ideen durchaus noch etwas mehr Raum verdient hätten.
Zombies, Geister und andere Schrecken
Etwas auffällig ist außerdem, wie häufig die Geschichten auf Untote und Zombies zurückgreifen. Ein bisschen davon gehört natürlich zum Konzept, irgendwann wirkt es aber fast schon wie ein wiederkehrender Running Gag. Besonders im Star-Wars-Universum ist es interessant zu sehen, wie weit Cavan Scott die übernatürlichen Elemente treiben kann. Teilweise funktioniert das hervorragend, teilweise muss man die eine oder andere Idee einfach mit einem Augenzwinkern akzeptieren. Wer Star Wars allerdings gerne mit etwas Fantasy und Horror vermischt sieht, dürfte daran durchaus seinen Spaß haben.
Ein echtes Highlight Grand Moff Tarkin
Eine der stärksten Geschichten ist für mich die rund um Grand Moff Tarkin. Der normalerweise eiskalte und skrupellose Imperiale wird mit den Geistern seiner Vergangenheit konfrontiert und muss sich gewissermaßen mit den Konsequenzen seiner Taten auseinandersetzen. Gerade weil Tarkin ansonsten nicht gerade als besonders selbstkritische Figur bekannt ist, funktioniert diese Idee ausgesprochen gut. Hier bekommt der Horror sogar eine etwas persönlichere Ebene. Die Geschichte zeigt, dass Grusel nicht unbedingt nur aus Monstern bestehen muss, sondern auch daraus entstehen kann, dass eine Figur plötzlich mit den eigenen Entscheidungen konfrontiert wird.
Der große Bogen um den Nachtländer
Während die ersten Geschichten eher einzelne kleine Episoden darstellen, bekommt der Band mit den Geschichten um den Nachtländer einen deutlich größeren Handlungsbogen. Besonders interessant ist dabei, dass die Bedrohung mehrere Generationen überdauert. Anakin und Obi-Wan stehen ihr ebenso gegenüber wie später Luke und Leia und schließlich Rey und Finn. Dadurch entsteht eine Verbindung zwischen unterschiedlichen Star-Wars-Epochen, die für Fans natürlich besonders reizvoll ist. Gleichzeitig wirken diese Geschichten etwas klassischer und weniger locker als die vorherigen Horror-Episoden. Trotzdem sorgt dieser größere Zusammenhang dafür, dass der Band am Ende nicht einfach nur wie eine beliebige Sammlung von Kurzgeschichten wirkt.
Zeichnungen und Atmosphäre
Optisch bekommt man aufgrund der vielen beteiligten Künstler natürlich keinen komplett einheitlichen Stil geboten. Das muss allerdings nicht unbedingt ein Nachteil sein. Die verschiedenen Zeichner verleihen den einzelnen Geschichten ihre eigenen Stimmungen und können dadurch unterschiedliche Seiten des Star-Wars-Universums zeigen. Gerade bei den Horrorpassagen funktioniert das gut, denn dunkle Schauplätze, unheimliche Kreaturen und seltsame Erscheinungen profitieren davon, wenn die Künstler etwas experimentieren dürfen. Insgesamt ist der Band sehr abwechslungsreich gestaltet und macht auch deshalb beim Durchblättern einiges her. Die Hardcover-Ausgabe mit ihren 240 Seiten passt außerdem hervorragend zu einem solchen Sammelband.
Fazit
Star Wars Comics Galaktische Geschichten des Schreckens ist ein ungewöhnlicher, aber ziemlich unterhaltsamer Ausflug in eine Seite der Galaxis, die man in dieser Form nicht jeden Tag zu sehen bekommt. Cavan Scott nimmt bekannte Figuren, Schauplätze und Elemente und setzt sie in einen deutlich schaurigeren Zusammenhang. Dabei entsteht kein brutaler Horrorcomic, sondern eher eine Sammlung von atmosphärischen Gruselgeschichten, die sich auch wunderbar für jüngere Star-Wars-Fans eignet.
Besonders gut funktioniert für mich die Mischung aus bekannten Charakteren und neuen Situationen. Ob Tarkin mit den Geistern seiner Vergangenheit konfrontiert wird, ein Gefangener in Jabbas Rancorgrube um sein Leben erzählt oder die Ruinen des Todessterns plötzlich von übernatürlichen Wesen heimgesucht werden immer wieder entstehen nette Ideen, die zeigen, wie flexibel das Star-Wars-Universum eigentlich ist. Etwas schade ist, dass manche Geschichten aufgrund ihrer Kürze kaum Zeit haben, ihre Ideen richtig auszubauen. Auch die teilweise sehr starke Konzentration auf Zombies und Untote wirkt irgendwann ein wenig einfallslos. Gerade weil Star Wars so viele unterschiedliche Kreaturen, Mythen und Schauplätze besitzt, hätte man sich an einigen Stellen noch etwas mehr Vielfalt gewünscht. Trotzdem bleibt der Gesamteindruck positiv, weil die Geschichten vor allem eines schaffen: Sie machen Spaß.
Für eingefleischte Star-Wars-Fans bietet der Band außerdem jede Menge bekannte Gesichter und kleine Verbindungen zur großen Saga. Unterm Strich ist Galaktische Geschichten des Schreckens ein gelungener Sonderband für alle, die Star Wars gerne einmal etwas anders erleben möchten. Der Comic nimmt sich die Freiheit, die bekannte Galaxis mit Geistern, Monstern, Zombies und düsteren Legenden zu bevölkern, ohne dabei den Spaß aus den Augen zu verlieren.
Vielen Dank an Panini Comics für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
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