Spider-Man Noir Die Gwen-Stacy-Affäre

New York, 1939. Privatdetektiv Peter Parker kämpft als Spider-Man mit Maske, Hut, Mantel und Pistolen gegen das Verbrechen. Nach seiner Trennung von Mary Jane Watson betritt die holde Gwen Stacy Peters Büro und beauftragt ihn, den Mörder ihres Vaters zu finden. Doch je mehr Peter herausfindet und je näher er und Gwen sich kommen, desto gefährlicher wird der Fall, der ihn auf die Spur der tödlichen Scorpion Gang bringt.
Ein Spider-Man, wie man ihn nicht jeden Tag erlebt
Mit Spider-Man Noir Die Gwen-Stacy-Affäre geht es zurück in ein New York, das mit dem bekannten Marvel-Universum zunächst nur wenig gemeinsam hat. Statt moderner Wolkenkratzer, Hightech und lockerer Sprüche erwartet uns das Jahr 1939: Eine düstere Stadt voller Gangster, Korruption, Schatten und zwielichtiger Gestalten. Peter Parker ist hier kein gewöhnlicher Schüler, sondern ein Privatdetektiv, der sich nachts als Spider-Man auf die Jagd nach Verbrechern macht. Mit Maske, Hut, Mantel und sogar Pistolen wirkt diese Version des Netzschwingers eher wie ein klassischer Pulp-Held als wie der freundliche Spider-Man aus der Nachbarschaft. Genau diese ungewöhnliche Mischung macht den Comic von Anfang an interessant. Gerade wer die Amazon Serie gesehen hat und mehr lesen will darf hier definitiv zugreifen.
Peter Parker als Privatdetektiv
Besonders spannend ist, wie stark sich Peter in dieser Interpretation von seiner klassischen Variante unterscheidet. Natürlich erkennt man ihn noch wieder, doch seine Lebensumstände haben ihm eine deutlich härtere und abgeklärtere Persönlichkeit verpasst. Nach der Trennung von Mary Jane Watson versucht Peter, sein Leben irgendwie auf die Reihe zu bekommen und sich als Privatdetektiv über Wasser zu halten. Dabei ist er keineswegs der strahlende Held, der immer die perfekte Lösung parat hat. Er wirkt angeschlagen, verbittert und teilweise auch ziemlich einsam. Gleichzeitig besitzt er weiterhin diesen Ermittlerinstinkt, der ihn immer tiefer in die Fälle hineinzieht. Dadurch fühlt sich Spider-Man Noir tatsächlich wie eine Mischung aus Superheldengeschichte und klassischem Detektivroman an.
Gwen Stacy bringt den Fall ins Rollen
Der eigentliche Fall beginnt, als Gwen Stacy in Peters Büro auftaucht. Sie beauftragt ihn damit, den Mörder ihres Vaters zu finden. Was zunächst nach einem relativ gewöhnlichen Auftrag für einen Privatdetektiv klingt, entwickelt sich schnell zu einer Geschichte, die wesentlich größere Kreise zieht. Peter beginnt Nachforschungen anzustellen und stößt dabei auf immer mehr Ungereimtheiten. Gleichzeitig entsteht zwischen ihm und Gwen eine gewisse Nähe, die dem Fall eine zusätzliche persönliche Ebene verleiht. Die Beziehung der beiden wirkt dabei nicht einfach wie eine klassische Liebesgeschichte, sondern fügt sich gut in die melancholische Atmosphäre des Comics ein. Peter befindet sich emotional ohnehin in einer schwierigen Phase, wodurch Gwen für ihn schnell mehr bedeutet als nur eine neue Klientin.
Eine Geschichte mit echtem Pulp-Flair
Was den Comic besonders auszeichnet, ist sein ausgeprägtes Pulp-Flair. Die Gwen-Stacy-Affäre fühlt sich an vielen Stellen tatsächlich wie ein alter Kriminalroman an. Es gibt zwielichtige Bars, Gangster, Geheimnisse, Gewalt und Ermittlungen, bei denen man nie ganz sicher sein kann, wem Peter eigentlich vertrauen darf. Das sorgt für eine angenehm dreckige und düstere Atmosphäre. Gleichzeitig wird Spider-Man nicht einfach in irgendeine historische Kulisse gesetzt, sondern die Figur wird konsequent an diese Welt angepasst. Seine Fähigkeiten sind zwar weiterhin vorhanden, doch die Art, wie er sie einsetzt, passt deutlich besser zu einem brutalen New York der späten 1930er-Jahre.
Die Scorpion Gang
Je weiter Peter ermittelt, desto gefährlicher wird sein Auftrag. Schließlich führen seine Nachforschungen zur Scorpion Gang, die sich als wesentlich größere Bedrohung herausstellt. Dadurch nimmt die Geschichte zunehmend an Fahrt auf und entwickelt sich vom persönlichen Ermittlungsfall zu einem ausgewachsenen Konflikt. Besonders gelungen ist dabei, dass Peter nicht einfach von einem Kampf zum nächsten geschickt wird. Die Ermittlungen bleiben ein wichtiger Bestandteil der Handlung. Hinweise müssen zusammengesetzt werden, Zusammenhänge werden langsam sichtbar und Peter muss immer wieder abwägen, wem er seine Informationen anvertrauen kann. Dadurch bleibt der Krimi-Aspekt auch dann erhalten, wenn die Superheldenaction stärker in den Vordergrund rückt.
Ein anderer Blick auf bekannte Figuren
Fans von Spider-Man werden natürlich zahlreiche bekannte Namen und Elemente wiedererkennen. Trotzdem sollte man nicht erwarten, dass diese Figuren exakt so funktionieren wie ihre bekannten Versionen. Genau darin liegt schließlich der Reiz von Spider-Man Noir. Bekannte Charaktere werden in eine völlig andere Zeit und eine andere gesellschaftliche Umgebung versetzt und bekommen dadurch neue Rollen und Eigenschaften. Besonders Peter und Gwen profitieren davon. Ihre Beziehung erhält durch die Noir-Welt einen deutlich ernsteren und teilweise tragischeren Unterton. Wer die klassischen Spider-Man-Geschichten kennt, wird deshalb immer wieder Parallelen entdecken, gleichzeitig aber auch überrascht sein, in welche Richtungen die Geschichte diese bekannten Figuren führt.
Zeichnungen und Atmosphäre
Auch optisch passt der Comic hervorragend zu seinem Konzept. Die düstere Noir-Ästhetik ist ein wichtiger Bestandteil des Gesamterlebnisses. Schatten, dunkle Straßen und das historische New York verleihen den Seiten einen sehr eigenen Charakter. Spider-Man mit Mantel und Hut ist ohnehin ein ungewöhnlicher Anblick, funktioniert innerhalb dieser Welt aber erstaunlich gut. Die Inszenierung erinnert immer wieder an klassische Detektivfilme und Pulp-Comics, ohne dass dabei der Superheldenaspekt verloren geht. Gerade die Kombination aus historischen Schauplätzen, düsterer Stimmung und actionreichen Szenen sorgt dafür, dass sich Die Gwen-Stacy-Affäre deutlich von gewöhnlichen Spider-Man-Abenteuern abhebt.
Erik Larsen und das kreative Team
Hinter dem Comic steht unter anderem Erik Larsen, der für seine Arbeiten an Spider-Man und Savage Dragon bekannt ist. Zusammen mit Andrea Broccardo und weiteren Beteiligten entsteht eine Geschichte, die offensichtlich Spaß daran hat, mit dem bekannten Spider-Man-Mythos zu spielen. Besonders positiv fällt auf, dass die Noir-Idee nicht nur als oberflächlicher Anstrich verwendet wird. Die Figuren, die Handlung und das Setting sind tatsächlich aufeinander abgestimmt. Dadurch entsteht ein eigenständiges Abenteuer, das auch dann funktioniert, wenn man nicht jede vorherige Spider-Man-Noir-Geschichte kennt. Gleichzeitig gibt es für Kenner des Spider-Verse genügend bekannte Elemente zu entdecken.
Ein ungewöhnlicher, dreckiger Spider-Man
Spider-Man Noir Die Gwen-Stacy-Affäre ist vor allem deshalb interessant, weil der Comic zeigt, wie vielseitig die Figur Spider-Man eigentlich sein kann. Peter Parker ist hier kein jugendlicher Superheld, der sich mit Schulproblemen und dem Alltag herumschlägt, sondern ein abgekämpfter Privatdetektiv in einer brutalen Welt. Die Kombination aus Kriminalgeschichte, Superheldenaction und historischem Pulp-Setting funktioniert überraschend gut und verleiht dem Abenteuer eine ganz eigene Identität. Besonders gelungen ist die Atmosphäre. Das New York des Jahres 1939 wirkt schmutzig, gefährlich und voller Geheimnisse, während Peter perfekt in diese Umgebung hineinpasst. Mantel, Hut, Maske und Pistolen geben ihm ein völlig anderes Erscheinungsbild, ohne dass dabei seine grundlegenden Eigenschaften verloren gehen. Gleichzeitig sorgen Gwen Stacy und der Mordfall für eine persönliche Ebene, die die Geschichte mehr sein lässt als eine reine Aneinanderreihung von Prügeleien und Verfolgungsjagden. Auch die Ermittlungen rund um die Scorpion Gang wissen zu unterhalten. Der Comic nimmt sich die Zeit, seinen Fall aufzubauen und Peter Stück für Stück tiefer in Schwierigkeiten zu bringen.
Kleinere Schwächen fallen dadurch weniger ins Gewicht. Die Gwen-Stacy-Affäre will bewusst etwas anderes sein und setzt stärker auf Noir, Krimi und eine düstere Grundstimmung. Genau darauf sollte man sich einlassen. Wer diese Erwartung mitbringt, bekommt eine spannende alternative Interpretation geboten, die sich angenehm von vielen anderen Spider-Man-Abenteuern unterscheidet. Unterm Strich ist Spider-Man Noir Die Gwen-Stacy-Affäre ein unterhaltsamer und atmosphärischer Comic für alle, die den Netzschwinger gerne einmal in einer anderen Rolle erleben möchten. Gerade wer nach der Amazon Prime Serie mehr möchte sollte hier definitiv zugreifen.
Vielen Dank an Panini Comics für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars
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