Revolt 2

In Revolt 2 von Dominik Jell wird der Kampf gegen den mächtigen Megakonzern Corp. immer persönlicher. Rey, Vold und Liam wagen sich auf einen gefährlichen Trip in die Stadt, während gleichzeitig ein dunkles Geheimnis aus Reys Vergangenheit ans Licht kommt.
Die Vergangenheit holt Rey ein
Mit Revolt 2 führt Dominik Jell seine dystopische Manga-Reihe konsequent weiter und setzt dabei nicht einfach nur auf noch mehr Action. Stattdessen nimmt sich der zweite Band zunächst Zeit, einige der Figuren und ihre Hintergründe genauer zu beleuchten und das funktioniert hier sehr gut. Besonders Rey steht dabei im Mittelpunkt, denn ihre Vergangenheit hält eine unangenehme Überraschung bereit: Ihre Eltern waren ausgerechnet in leitenden Positionen bei der Corp tätig. Damit bekommt Reys bisheriges Leben eine völlig neue Bedeutung. Zum anderen bin ich aber auch gespannt darauf welche Hintergründe wir noch so erfahren werden.
Eine Welt, die immer größer wird
Was mir an Revolt weiterhin besonders gut gefällt, ist die Welt, die Dominik Jell hier aufbaut. Klimawandel, Umweltzerstörung, technischer Fortschritt und eine Gesellschaft, in der sich Wohlstand und Elend immer weiter voneinander entfernen, bilden den Hintergrund für die Geschichte. Die Corp verfügt über Technologien, mit denen sich Krankheiten, Alter und körperliche Schäden zumindest für diejenigen überwinden lassen, die es sich leisten können. Für den Rest der Bevölkerung sieht die Realität dagegen deutlich düsterer aus.
Widerstand mit großen Zielen
Der Widerstand gewinnt in diesem Band zunehmend an Bedeutung. Rey, Vold und Liam stehen nicht mehr nur vor der Frage, wie sie selbst überleben können. Ihr Ziel wird wesentlich größer: Sie wollen Tausenden Menschen das Leben retten und gleichzeitig versuchen, die zerrissene Welt wieder zusammenzuführen. Das klingt zunächst vielleicht etwas idealistisch, passt aber durchaus zu den Figuren und dem rebellischen Grundgedanken der Reihe. Gleichzeitig stellt sich natürlich die Frage, ob solche großen Pläne in einer Welt, die von der Corp. kontrolliert wird, überhaupt realistisch sind.
Der gefährliche Weg in die Stadt
Besonders spannend wird es, als Rey, Vold und Liam sich in die Stadt wagen. Hier zeigt sich noch einmal sehr deutlich, wie gefährlich ihre Situation tatsächlich ist. Jede falsche Bewegung kann Konsequenzen haben, und je näher die drei der Corp. kommen, desto mehr bekommen sie von der grausamen Realität dieser Gesellschaft zu sehen. Der Band schafft es dadurch, die dystopische Atmosphäre weiter auszubauen, ohne ständig auf spektakuläre Kämpfe angewiesen zu sein.
Neue Figuren und neue Dynamik
Mit Neo kommt außerdem eine weitere Figur hinzu, die sich dem Widerstand anschließen möchte. Interessant ist dabei vor allem, wie schnell er in die Gruppe aufgenommen wird, wenn da vielleicht nicht noch ein böses Erwachen kommt. Einerseits sorgt das für eine angenehm lockere Dynamik, andererseits wirkt dieser Schritt angesichts des gefährlichen Kampfes gegen einen mächtigen Konzern stellenweise etwas zu unkompliziert. Gerade eine Widerstandsbewegung müsste eigentlich vorsichtiger mit neuen Mitgliedern umgehen. Trotzdem funktioniert Neo als Ergänzung der Gruppe und bringt frischen Wind in die Geschichte.
Weniger Tempo, mehr Hintergrund
Wer nach dem ersten Band auf eine deutliche Steigerung des Tempos gehofft hat, könnte bei Revolt 2 zunächst etwas überrascht sein. Der Manga nimmt sich mehr Zeit für die Charaktere und die Welt. Dadurch passiert erzählerisch stellenweise weniger, als man vielleicht erwarten würde. Für mich funktioniert dieser ruhigere Ansatz trotzdem, denn eine dystopische Geschichte braucht eben nicht nur Action, sondern auch ein Fundament, auf dem die späteren Konflikte aufbauen können. Und genau dieses Fundament wird hier deutlich erweitert.
Idealismus mit kleinen Schwächen
Allerdings merkt man dem Manga an einigen Stellen auch einen gewissen Idealismus an. Manche Entscheidungen der Figuren wirken etwas naiv, insbesondere wenn es um Vertrauen geht. Dadurch entstehen gelegentlich Momente, die fast schon ein wenig zu einfach wirken. Das fällt auf, zerstört den Lesespaß aber keineswegs. Viel wichtiger ist, dass die großen Themen weiterhin funktionieren: Freiheit, Ausbeutung, Umweltzerstörung und die Frage, wie weit Menschen gehen dürfen, wenn sie über andere Menschen bestimmen können.
Zeichnungen und Atmosphäre
Optisch bleibt Revolt für mich eine der großen Stärken der Reihe. Dominik Jell verbindet seine dystopische Zukunft mit einer markanten Cyberpunk-Ästhetik und schafft dadurch eine Welt, die gleichzeitig faszinierend und unangenehm wirkt. Gerade die Gegensätze zwischen Hightech und Verfall funktionieren hervorragend. Die Gesellschaft mag technologisch weit entwickelt sein, doch diese Entwicklung hat nicht automatisch zu einer besseren Welt geführt. Genau dieser Widerspruch wird auch visuell immer wieder sehr schön eingefangen.
Fazit
Revolt 2 ist ein gelungener zweiter Band, der vor allem eines macht: Er baut die Welt aus. Während der erste Band noch stärker damit beschäftigt war, uns überhaupt in diese ungewöhnliche Zukunft hineinzuziehen, geht Dominik Jell diesmal einen Schritt weiter und beschäftigt sich stärker mit den Hintergründen seiner Figuren und den Strukturen dieser Gesellschaft. Besonders Reys Vergangenheit sorgt dabei für einen interessanten neuen Aspekt. Mir gefällt außerdem, dass der Manga nicht einfach nur eine klassische Rebellion gegen den bösen Konzern Geschichte erzählt. Die Corp steht zwar eindeutig für Ausbeutung und Unterdrückung, doch dahinter steckt eine Welt, die durch Klimawandel, Umweltzerstörung und soziale Ungleichheit ohnehin bereits aus den Fugen geraten ist. Dadurch besitzt Revolt einen gesellschaftskritischen Unterton, der der Geschichte zusätzliche Tiefe verleiht.
Ein kleiner Kritikpunkt ist für mich allerdings das Tempo. Nach dem starken Einstieg der Reihe hätte ich mir stellenweise etwas mehr Bewegung innerhalb der Handlung gewünscht. Trotz dieser kleineren Schwäche bleibt Dominik Jells Zeichenstil ein echtes Highlight. Die düstere Zukunft, die technischen Elemente und der teilweise schon bedrückende Zustand der Welt kommen hervorragend zur Geltung. Besonders die Mischung aus Cyberpunk und Gesellschaftskritik gibt Revolt eine eigene Identität.Unterm Strich ist Revolt 2 für mich ein guter und wichtiger Folgeband, auch wenn er nicht ganz so viel Tempo besitzt wie der Auftakt. Wer sich auf die ruhigeren Passagen einlässt, bekommt dafür mehr Hintergrundwissen, eine größere Welt und interessante Entwicklungen rund um Rey und den Widerstand. Die Geschichte wirkt zunehmend wie ein größeres Puzzle, bei dem noch längst nicht alle Teile an ihrem Platz liegen.
Vielen Dank an den Carlsen Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
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