Hotel Inhuman 2

Im zweiten Band von Hotel Inhumans begleiten wir erneut die beiden Concierges Ikuro und Sara, die in einem ganz besonderen Luxushotel arbeiten. Ihre Gäste sind keine gewöhnlichen Urlauber, sondern professionelle Auftragsmörder. Für sie gelten deshalb besondere Regeln: Absolute Diskretion, perfekte Vorbereitung und die Erfüllung nahezu jedes Wunsches gehören zum Service. Dieses Mal rückt unter anderem die lebensfrohe Auftragsmörderin Ringo in den Mittelpunkt.
Willkommen zurück im Hotel der Auftragsmörder
Mit Hotel Inhumans 2 geht eine der ungewöhnlichsten Manga-Reihen der letzten Zeit in die nächste Runde. Schon der erste Band konnte mit seiner besonderen Grundidee überzeugen: Ein luxuriöses Hotel, in dem ausschließlich Auftragsmörder ein- und ausgehen, während die Mitarbeiter alles dafür tun, dass ihre Gäste einen möglichst perfekten Aufenthalt genießen. Auch im zweiten Band funktioniert dieses Konzept wieder erstaunlich gut. Statt sich ausschließlich auf spektakuläre Action zu konzentrieren, setzt die Geschichte erneut auf die Menschen hinter den Waffen und Aufträgen.
Ikuro und Sara als ungewöhnliche Gastgeber
Ikuro und Sara bleiben dabei das Herzstück der Geschichte. Die beiden sind ein interessantes Concierge-Duo, weil sie ihre Arbeit mit einer beeindruckenden Professionalität erledigen. Egal, wie ungewöhnlich oder gefährlich der Wunsch eines Gastes ist, sie bewahren ihre Ruhe und versuchen eine passende Lösung zu finden. Genau diese professionelle Gelassenheit macht einen großen Teil des Charmes aus. Gleichzeitig fragt man sich als Leser natürlich immer wieder, wie man selbst reagieren würde, wenn plötzlich ein professioneller Killer mit einem äußerst speziellen Wunsch vor einem stehen würde.
Ringo bringt ordentlich Leben ins Hotel
Eine besonders interessante Figur in diesem Band ist Ringo. Sie wirkt auf den ersten Blick ausgesprochen fröhlich, locker und lebenslustig und bildet damit einen schönen Kontrast zu ihrer Tätigkeit als Auftragsmörderin. Gerade dieser Gegensatz macht sie interessant. Hinter ihrer scheinbar unbeschwerten Art steckt nämlich eine deutlich emotionalere Geschichte. Ihr Wunsch nach einem letzten Abendmahl ist deshalb viel mehr als eine skurrile Bestellung. Nach und nach bekommt man einen Einblick in ihre Vergangenheit und versteht besser, warum dieses Essen für sie eine so große Bedeutung besitzt.
Ein ungewöhnlicher letzter Wunsch
Die Idee des letzten Abendmahls passt hervorragend zu „Hotel Inhumans“. Normalerweise verbindet man mit einem Luxushotel Erholung, gutes Essen und angenehmen Service. Hier bekommt das Ganze allerdings eine völlig andere Bedeutung. Für Ringo geht es nicht darum, einfach ein besonders gutes Menü zu genießen. Sie möchte einen bestimmten Moment noch einmal erleben beziehungsweise eine wichtige Erinnerung bewahren. Dadurch erhält die Geschichte eine melancholische Note, die man bei einem Manga über Auftragsmörder vielleicht nicht unbedingt erwarten würde.
Zwischen Gewalt und Menschlichkeit
Genau diese Mischung ist meiner Meinung nach eine der größten Stärken der Reihe. „Hotel Inhumans“ zeigt Menschen, deren Beruf eng mit Gewalt und Tod verbunden ist, stellt sie aber nicht ausschließlich als kalte Killer dar. Stattdessen bekommen sie Erinnerungen, Gefühle, Beziehungen und persönliche Wünsche. Dadurch entstehen Figuren, die deutlich menschlicher wirken, als es ihre Berufe zunächst vermuten lassen. Auch Ringo ist dafür ein gutes Beispiel. Ihre Vergangenheit und die Verbindung zu ihrem Meister verleihen ihr eine emotionale Tiefe, die über ihre Rolle als Auftragsmörderin hinausgeht.
Die Erinnerung an den Meister
Besonders schön ist die Verbindung zwischen Ringo und ihrem ehemaligen Meister. Dabei spielt auch die Misosuppe eine wichtige Rolle. Ein scheinbar alltägliches Gericht wird zum Träger einer Erinnerung und bekommt dadurch eine emotionale Bedeutung. Gerade solche kleinen Details machen die Geschichte so wirkungsvoll. Der Manga muss nicht ständig große Explosionen oder spektakuläre Kämpfe auffahren, um Spannung zu erzeugen. Manchmal reicht eine Erinnerung an eine gemeinsame Mahlzeit, um zu zeigen, wie viel ein Mensch einem anderen bedeutet hat.
Spannung funktioniert hier anders
Natürlich darf man auch in Band 2 mit Spannung rechnen, allerdings funktioniert diese etwas anders als in einem klassischen Action-Manga. Die Spannung entsteht nicht nur durch die Frage, wer wen besiegen wird. Viel wichtiger ist, wie sich die jeweiligen Situationen entwickeln und welche Geschichten hinter den Gästen stecken. Dadurch bekommt der Manga beinahe einen episodischen Charakter. Jeder Gast bringt sein eigenes Schicksal mit, und Ikuro und Sara müssen sich darauf einstellen. Das sorgt für Abwechslung und macht neugierig darauf, welche Menschen als Nächstes durch die Türen des Hotels treten.
Eine starke Atmosphäre
Auch die Atmosphäre des Mangas kann wieder überzeugen. Das luxuriöse Hotel wirkt gleichzeitig elegant und unheimlich. Auf der einen Seite gibt es hervorragenden Service und eine angenehme Umgebung, auf der anderen Seite weiß man jederzeit, dass sich unter den Gästen Menschen befinden, die ihr Geld mit dem Töten anderer verdienen. Dieser Kontrast sorgt für eine ganz eigene Stimmung. Es ist gerade diese Kombination aus scheinbarer Ruhe und unterschwelliger Gefahr, die „Hotel Inhumans“ von vielen anderen Reihen unterscheidet.
Eine Fortsetzung mit viel Gefühl
Unterm Strich gelingt es Band 2 erneut, die ungewöhnliche Grundidee mit emotionalen Geschichten zu verbinden. Ringo steht dabei besonders im Mittelpunkt und sorgt mit ihrer Geschichte für einen der emotionaleren Teile des Bandes. Gleichzeitig bleiben Ikuro und Sara weiterhin interessante Figuren, deren professionelle Art wunderbar zu diesem besonderen Arbeitsplatz passt. Wer bereits Band 1 mochte, bekommt hier eine Fortsetzung, die nicht einfach nur mehr Action liefert, sondern die eigentliche Stärke der Reihe weiter ausbaut: die Geschichten und Schicksale hinter den Auftragsmördern.
Eine ungewöhnliche Reihe bleibt ungewöhnlich
Hotel Inhumans 2 zeigt einmal mehr, dass eine Geschichte über Auftragsmörder nicht zwangsläufig nur aus Gewalt, Kämpfen und blutigen Auseinandersetzungen bestehen muss. Der Manga nimmt seine ungewöhnliche Ausgangssituation und nutzt sie, um menschliche Geschichten zu erzählen. Das Hotel wird dabei zu einem Treffpunkt unterschiedlichster Charaktere, deren Leben teilweise nur für kurze Zeit mit dem von Ikuro und Sara verbunden ist.
Besonders Ringo hat überzeugt. Ihre fröhliche Persönlichkeit steht im starken Kontrast zu ihrem Beruf und macht sie dadurch bereits interessant. Sobald man mehr über ihre Vergangenheit und ihre Verbindung zu ihrem Meister erfährt, bekommt ihre Geschichte zusätzlich eine emotionale Ebene. Eine weitere Stärke ist, dass der Manga häufig mit kleinen Details arbeitet. Ein Essen, eine Erinnerung oder ein Gespräch können plötzlich eine große Bedeutung bekommen. Dadurch wirken die Geschichten teilweise wesentlich emotionaler, als man zunächst erwartet. Auch das Concierge-Duo funktioniert weiterhin hervorragend. Ikuro und Sara sind keine klassischen Helden, die ständig im Mittelpunkt stehen müssen. Vielmehr beobachten sie, helfen und versuchen, die Wünsche ihrer Gäste möglichst perfekt zu erfüllen. Wer Band 1 mochte, sollte sich Hotel Inhumans 2 definitiv anschauen. Die Fortsetzung bewahrt den besonderen Charme der Reihe und verbindet erneut eine ungewöhnliche Welt mit interessanten Charakteren und emotionalen Geschichten.
Vielen Dank an den Carlsen Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
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