Nekromanten

Nekromanten ist ein humorvolles Fantasyabenteuer, in dem der wenig begabte Nekromant Acher seine Schwester Morla retten muss, nachdem sie von einem verstorbenen Erzmagier besessen wurde. Mit seinen drei eigenwilligen Geistern stellt er sich einer gefährlichen Aufgabe, bei der möglicherweise das Schicksal der ganzen Welt auf dem Spiel steht.

Eine Fantasywelt mit einem besonderen Kniff

Nekromanten nimmt ein bekanntes Fantasythema und verpasst ihm einen unterhaltsamen Dreh. Statt einfach nur Zauberer mit Feuerbällen oder mächtige Krieger in den Mittelpunkt zu stellen, dreht sich hier alles um die Beschwörung von Toten und die Fähigkeiten, die diese ins Reich der Lebenden mitbringen. Wer die stärksten Geister kontrolliert, besitzt einen entscheidenden Vorteil. Das eröffnet viele Möglichkeiten für spannende Kämpfe, magische Auseinandersetzungen und natürlich jede Menge chaotische Situationen. Die Grundidee ist leicht verständlich, bietet aber genügend Potenzial, um daraus ein abwechslungsreiches Fantasyabenteuer zu machen.

Acher als ungewöhnlicher Hauptcharakter

Acher ist kein typischer Fantasyheld, der von Anfang an alles im Griff hat und mit beeindruckenden Fähigkeiten glänzt. Ganz im Gegenteil: Er gilt als einer der schlechtesten Nekromanten des Königreichs. Gerade das macht ihn sympathisch und sorgt dafür, dass man ihn gerne begleitet. Er muss sich einer Aufgabe stellen, für die er auf den ersten Blick überhaupt nicht geeignet scheint. Statt sich auf überlegene Magie verlassen zu können, ist er gezwungen, mit seinen begrenzten Möglichkeiten zurechtzukommen. Daraus ergibt sich eine schöne Ausgangslage, denn man möchte wissen, ob er über sich hinauswachsen und beweisen kann, dass mehr in ihm steckt, als andere vermuten.

Eine Schwester in Schwierigkeiten

Morla bildet einen interessanten Gegenpol zu ihrem Bruder. Sie ist ehrgeizig, mächtig und offenbar deutlich erfolgreicher in ihrem Fachgebiet. Doch genau dieser Ehrgeiz führt sie in eine gefährliche Situation, als sie bei der Erkundung eines alten Grabmals von einem toten Erzmagier übernommen wird. Die Rollenverteilung ist dadurch herrlich ungewöhnlich: Nicht der große Bruder muss die kleine Schwester beschützen, sondern der vermeintliche Versager soll die deutlich fähigere Magierin retten. Das verleiht der Geschichte einen zusätzlichen Reiz. Gleichzeitig bildet die Geschwisterbeziehung das emotionale Fundament des Abenteuers, denn Acher muss sich für Morla einer Gefahr stellen, der er eigentlich kaum gewachsen ist.

Drei Geister, die kaum unterschiedlicher sein könnten

Ein besonderes Highlight sind Achers beschworene Geister. Ein unfähiger Krieger, ein seniler Gelehrter und eine flatterhafte Bauchtänzerin klingen schließlich nicht gerade nach dem Team, mit dem man die Welt retten möchte. Genau daraus entsteht aber ein großer Teil des Humors. Statt einer perfekt eingespielten Truppe bekommt Acher eine Ansammlung ziemlich eigenwilliger Helfer, die ihm das Leben vermutlich mindestens genauso schwer machen, wie sie ihm helfen. Die Idee sorgt für frischen Wind und hebt den Comic von vielen klassischen Fantasygeschichten ab. Man darf gespannt sein, wie Acher die Fähigkeiten seiner ungewöhnlichen Begleiter einsetzen kann, wenn es wirklich darauf ankommt.

Humor trifft auf klassische Abenteuerfantasy

Nekromanten nimmt seine Fantasywelt ernst genug, um eine spannende Geschichte erzählen zu können, verliert dabei aber nicht den Spaß aus den Augen. Gerade die Diskrepanz zwischen Achers großer Aufgabe und seinen bescheidenen Möglichkeiten bietet reichlich Stoff für humorvolle Situationen. Das erinnert an jene Fantasyabenteuer, in denen nicht die mächtigsten Figuren automatisch die besten Geschichten erleben. Vielmehr entstehen die unterhaltsamsten Momente häufig dann, wenn Pläne schiefgehen und sich die Helden irgendwie aus dem Schlamassel retten müssen. Wer eine düstere Geschichte mit durchgehend ernster Stimmung erwartet, dürfte hier überrascht werden. Der Comic setzt auf eine lockere Mischung aus Magie, Gefahr und Situationskomik.

Eine überschaubare Geschichte mit großen Konsequenzen

Der Ausgangspunkt ist angenehm klar: Acher muss seine Schwester retten. Doch die Geschichte beschränkt sich nicht auf diese persönliche Aufgabe, denn schon bald steht möglicherweise das Schicksal der gesamten Welt auf dem Spiel. Dadurch erhält das Abenteuer eine größere Dimension, ohne dass man dafür zunächst ein riesiges Fantasyuniversum mit unzähligen Figuren und komplizierten Machtverhältnissen kennenlernen muss. Gerade diese direkte Erzählweise macht den Einstieg leicht. Man versteht schnell, worum es geht, und kann sich auf die Figuren und ihre Erlebnisse konzentrieren. Gleichzeitig muss sich zeigen, ob die große Bedrohung genügend Raum bekommt oder ob manche Entwicklungen aufgrund des begrenzten Umfangs etwas schnell abgehandelt werden.

Die Zeichnungen von Tina Valentino

Auch optisch macht Nekromanten einen überzeugenden Eindruck. Tina Valentino gestaltet die Figuren mit klaren Linien und gibt ihnen einen eigenen Ausdruck. Das ist bei einer Geschichte mit so unterschiedlichen Charakteren besonders wichtig, denn die Figuren sollen nicht nur anhand ihrer Kleidung, sondern auch durch ihre Mimik und Körpersprache erkennbar sein. Ebenso tragen die fantastischen Schauplätze dazu bei, dass man sich gut in der Welt zurechtfindet. Magische Elemente und ungewöhnliche Gestalten passen hervorragend zum humorvollen Abenteuercharakter. Die Zeichnungen unterstützen damit genau das, was die Geschichte vermitteln möchte: eine fantastische Welt, die gefährlich sein kann, aber auch Platz für schräge Einfälle und unterhaltsame Begegnungen bietet. 

Ein abgeschlossener Band ohne endlose Wartezeit 

Ein weiterer Pluspunkt ist, dass Splitter Nekromanten als abgeschlossenen Einzelband veröffentlicht. Mit 96 Seiten handelt es sich um eine vergleichsweise kompakte Geschichte, die nicht erst mehrere Fortsetzungen benötigt, um ihren grundlegenden Konflikt zu erzählen. Das ist besonders angenehm, wenn man gerne neue Fantasywelten ausprobiert, sich aber nicht gleich auf eine lange Comicserie festlegen möchte. Gleichzeitig bringt ein solcher Umfang natürlich gewisse Herausforderungen mit sich. Figuren, Handlung und Welt müssen auf relativ wenigen Seiten funktionieren. Wenn man besonders ausführliche Hintergrundgeschichten oder eine tiefgreifende Charakterentwicklung bevorzugt, könnte man sich deshalb an manchen Stellen mehr Zeit wünschen. 

Für wen lohnt sich Nekromanten?

Der Comic eignet sich vor allem für alle, die Fantasy mögen, aber zwischendurch auch gerne etwas Humor in ihren Geschichten haben. Wer Spaß an schrägen Figuren, magischen Missgeschicken und ungewöhnlichen Heldengruppen hat, dürfte mit Acher und seinen Geistern viel Freude haben. Auch Fans frankobelgischer Fantasycomics können einen Blick riskieren. Wer hingegen eine besonders düstere Nekromantengeschichte mit viel Horror, Blut und einer bedrückenden Atmosphäre erwartet, sollte seine Erwartungen etwas anpassen. Hier stehen das Abenteuer und die humorvollen Situationen stärker im Vordergrund. 

Fazit 

Insgesamt bietet Nekromanten eine interessante Grundidee, die vor allem durch ihre ungewöhnlichen Figuren und die Mischung aus Fantasy und Komödie neugierig macht. Nekromanten ist für mich ein Comic, der mit einer einfachen, aber ziemlich reizvollen Idee punktet. Eine Welt, in der man die Fähigkeiten Verstorbener nutzen kann, bietet ohnehin viel Potenzial. Dass ausgerechnet ein wenig begabter Nekromant mit einer alles andere als beeindruckenden Geistertruppe seine Schwester retten muss, macht die Ausgangslage noch interessanter. Man weiß direkt, dass hier nicht alles nach Plan laufen wird. Acher gefällt mir als Hauptfigur besonders deshalb, weil er nicht wie der typische übermächtige Held wirkt. Er muss sich einer Herausforderung stellen, für die ihm eigentlich die nötigen Voraussetzungen fehlen. Dadurch kann man mit ihm mitfiebern, und seine ungewöhnlichen Begleiter versprechen reichlich Unterhaltung.

Die Mischung aus Fantasy und Humor ist eine der größten Stärken des Comics. Die Geschichte nimmt ihre magischen Gefahren ernst, gönnt sich aber gleichzeitig genügend schräge Ideen, um nicht zu schwerfällig zu werden. Vor allem die drei Geister bieten viel Raum für witzige Situationen. Wer gerne erlebt, wie ein eigentlich aussichtsloser Plan durch Einfallsreichtum und eine gehörige Portion Glück doch noch funktionieren könnte, dürfte hier gut aufgehoben sein.

Auch die Zeichnungen passen hervorragend zum Gesamtbild. Tina Valentino verleiht den Figuren einen eigenen Charakter und setzt die fantastische Welt mit klaren Linien und ansprechenden Darstellungen in Szene. Zusammen mit dem überschaubaren Umfang entsteht ein Abenteuer, das sich gut für einen unterhaltsamen Leseabend eignet. Man muss sich nicht durch mehrere Bände arbeiten, sondern kann sich auf eine abgeschlossene Geschichte einlassen. Unterm Strich ist Nekromanten ein kurzweiliges Fantasyabenteuer mit einer originellen Grundidee, schrägen Figuren und einer gelungenen Portion Humor.

Vielen Dank an den Splitter Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars. 

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