Spider-Man Lehrjahre

Peter Parker wird durch den Biss einer radioaktiven Spinne zu Spider-Man und kämpft fortan gegen Gegner wie den Geier, Morbius, den Grünen Kobold und Venom. Dabei erlebt er persönliche Krisen, eine ungewöhnliche Verwandlung und wichtige Veränderungen in seinem Privatleben, darunter die Hochzeit mit Mary Jane. 

Spider-Man durch die Jahrzehnte

Mit Spider-Man Erstaunliche Abenteuer Die Spider-Man Anthologie liefert Panini einen Sammelband ab, der sich nicht einfach nur eine einzelne Geschichte herauspickt, sondern gleich mehrere Jahrzehnte Spider-Man-Geschichte aufschlägt. Enthalten sind insgesamt elf ausgewählte Abenteuer, die von seinem ersten Auftritt in Amazing Fantasy #15 bis zu späteren Meilensteinen reichen. Dadurch bekommt man tatsächlich einen kleinen Rundflug durch die Entwicklung des Netzschwingers. 

Ein perfekter Einstieg für Spider-Man

Der Band beginnt natürlich dort, wo alles seinen Anfang nahm: bei Peter Parker und dem berühmten Spinnenbiss. Die Geschichte von Stan Lee und Steve Ditko ist inzwischen Comicgeschichte und funktioniert auch heute noch erstaunlich gut. Besonders schön ist dabei, dass Peter nicht als unfehlbarer Superheld präsentiert wird. Er ist ein junger Mensch mit Problemen, Unsicherheiten und einer gehörigen Portion Pech. Genau diese Mischung macht ihn bis heute so sympathisch.

Die klassischen Gegner

Anschließend geht es Schlag auf Schlag durch einige der bekanntesten Gegner Spider-Mans. Der Geier, Morbius, der Grüne Kobold und später Venom sorgen dafür, dass es ordentlich zur Sache geht. Gerade für Neueinsteiger ist das eine schöne Möglichkeit, verschiedene wichtige Figuren kennenzulernen, ohne sich durch unzählige alte Hefte arbeiten zu müssen. Gleichzeitig merkt man, wie sich die Gegner und ihre Bedeutung für Peter im Laufe der Jahre verändert haben.

Spider-Man ist mehr als Action

Was mir an dieser Zusammenstellung besonders gefällt, ist die Tatsache, dass sich der Band nicht ausschließlich auf große Kämpfe konzentriert. Natürlich gibt es reichlich Action, aber Spider-Man war schon immer auch eine Figur mit einem ziemlich chaotischen Privatleben. Peters Beziehungen, seine Verantwortung und seine persönlichen Entscheidungen spielen deshalb eine genauso wichtige Rolle. Genau dadurch bekommt die Anthologie deutlich mehr Tiefe, als es ein reiner Best-of-Prügelsammelband hätte.

Sechs Arme und andere verrückte Ideen

Eine der kurioseren Stationen ist Peters Verwandlung in einen Spider-Man mit sechs Armen. Heute wirkt die Idee natürlich herrlich verrückt, gleichzeitig zeigt sie aber wunderbar, wie experimentierfreudig die klassischen Spider-Man-Comics sein konnten. Zusammen mit Morbius entsteht daraus ein Abenteuer, das sich deutlich von den späteren Geschichten unterscheidet. Gerade solche ungewöhnlichen Episoden machen den Band abwechslungsreich.

Peter und Mary Jane

Auch Peters Beziehung zu Mary Jane bekommt ihren großen Moment. Die Hochzeit gehört zu den wichtigen Stationen in der Geschichte der Figur und zeigt, dass sich Spider-Man nicht ausschließlich über seine Superheldenkarriere definiert. Peter Parker entwickelt sich weiter, übernimmt Verantwortung und versucht gleichzeitig, sein Leben als normaler Mensch mit seiner Existenz als Superheld unter einen Hut zu bekommen. Diese persönlichen Entwicklungen sind ein wichtiger Bestandteil des Spider-Man-Mythos.

Der große Auftritt von Venom

Für viele Leser dürfte die Geschichte mit Venom zu den Highlights des Bandes gehören. Hier zeigt sich besonders deutlich, wie sich Spider-Man im Laufe der Jahrzehnte verändert hat. Auch optisch wird der Unterschied zu den frühen Geschichten sofort sichtbar. Todd McFarlanes Zeichnungen bringen eine ganz andere Dynamik und Detailfülle mit, wodurch der Band gleichzeitig zu einer kleinen Zeitreise durch die Entwicklung des amerikanischen Comicstils wird.

Die ruhigeren Momente

Ein echtes Highlight ist für mich allerdings die Geschichte rund um Tante May und Peters Geheimnis. Hier steht nicht der nächste Superschurke im Mittelpunkt, sondern die Beziehung zwischen zwei Menschen. Dass Spider-Man auch ohne spektakuläre Prügelei funktionieren kann, wird hier besonders deutlich. Gerade solche ruhigeren Geschichten verhindern, dass die Anthologie zu einer reinen Aneinanderreihung von Kämpfen verkommt, und geben Peter als Figur zusätzliche emotionale Tiefe.

Ein Blick auf die Entwicklung der Zeichnungen

Auch zeichnerisch ist die Anthologie ausgesprochen interessant. Steve Ditkos kantiger und teilweise etwas eigenwilliger Stil aus den frühen Jahren trifft auf die elegantere Arbeit von John Romita, die dynamischen Zeichnungen von Todd McFarlane und weitere unterschiedliche Stilrichtungen. Dadurch bekommt man fast nebenbei einen Eindruck davon, wie stark sich Comiczeichnungen über die Jahrzehnte verändert haben. Wer sich für die Entwicklung von Spider-Man interessiert, bekommt hier also auch optisch einiges geboten. 

Fazit

Spider-Man Erstaunliche Abenteuer Die Spider-Man Anthologie ist für mich vor allem eine richtig schöne Zeitreise durch die Geschichte des Wandkrabblers. Der Band versucht gar nicht erst, eine zusammenhängende Geschichte zu erzählen, sondern präsentiert wichtige Stationen aus unterschiedlichen Epochen. Genau das macht seinen Reiz aus. Besonders gut funktioniert die Mischung aus klassischen Ursprüngen, bekannten Schurken, persönlichen Entwicklungen und einigen eher ungewöhnlichen Geschichten. Dadurch bleibt das Lesen abwechslungsreich und man bekommt gleichzeitig ein gutes Gefühl dafür, warum Spider-Man über Jahrzehnte hinweg so beliebt geblieben ist. Auch die unterschiedlichen Zeichner tragen viel zum Lesespaß bei. Man kann regelrecht beobachten, wie sich der Look der Figur verändert und welche unterschiedlichen Vorstellungen Künstler von Spider-Man hatten. Von den frühen, teilweise etwas ungewöhnlichen Seiten bis hin zu den deutlich moderner wirkenden Zeichnungen ist einiges vertreten. Für langjährige Spider-Man-Fans bietet der Band einen nostalgischen Rückblick, während Neueinsteiger einen ziemlich guten Überblick über wichtige Stationen der Figur bekommen. Unterm Strich ist die Anthologie deshalb eine gelungene Zusammenstellung und ein Band, den ich besonders denjenigen empfehlen würde, die Spider-Man besser kennenlernen möchten, ohne direkt in jahrzehntelange Comicgeschichte einsteigen zu müssen.

Vielen Dank an Panini Comics für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars. 

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