Shinobi Undercover 1

Im Mittelpunkt stehen der junge Shinobi Yodaka und die Schülerin Aoi, die er an einer modernen Oberschule beschützen soll. Dabei muss er nicht nur mit seiner eigenen sozialen Unsicherheit klarkommen, sondern auch mit der Tatsache, dass Aoi ins Visier feindlicher Shinobi gerät.

Ein ungewöhnlicher Auftrag

Ninjas verbindet man normalerweise mit dunklen Gassen, historischen Japan-Szenarien und spektakulären Kämpfen. Shinobi Undercover geht allerdings einen etwas anderen Weg und versetzt seine Shinobi direkt in die moderne Welt. Yodaka ist ein junger Ninja, der eigentlich bestens darin sein sollte, unauffällig zu bleiben und seine Aufgaben professionell zu erledigen. Ausgerechnet er bekommt nun den Auftrag, die Oberschülerin Aoi zu beschützen. Das klingt zunächst nach einer klassischen Beschützermission, entwickelt sich aber schnell zu einem ziemlich chaotischen Abenteuer. Denn Yodaka muss sich nicht nur um mögliche Gegner kümmern, sondern plötzlich auch mit dem ganz normalen Wahnsinn eines Schulalltags auseinandersetzen.

Yodaka als ungewöhnlicher Ninja

Besonders gut funktioniert dabei Yodaka selbst als Hauptfigur. Er ist eben nicht der typische coole und völlig abgeklärte Ninja, der jede Situation souverän unter Kontrolle hat. Stattdessen ist er sozial eher unbeholfen und wirkt gerade dadurch sympathisch. Während er im Umgang mit seinen Ninja-Fähigkeiten durchaus überzeugen kann, wird ein einfacher Kontakt mit anderen Schülern schnell zur Herausforderung. Genau aus diesem Gegensatz zieht der Manga einen großen Teil seines Humors. Yodaka kann sich vermutlich problemlos gegen einen gefährlichen Gegner behaupten, aber ein normales Gespräch oder eine unauffällige Situation im Klassenzimmer kann für ihn mindestens genauso kompliziert werden.

Aoi sorgt für zusätzliches Chaos

Auch Aoi passt hervorragend zu diesem Konzept. Sie ist schüchtern und gleichzeitig ausgesprochen tollpatschig, wodurch Yodakas ohnehin schwierige Aufgabe noch einmal deutlich komplizierter wird. Er soll sie beschützen und dabei möglichst unauffällig bleiben, doch Aoi macht es ihm nicht unbedingt leicht. Gleichzeitig entsteht zwischen den beiden eine interessante Dynamik, die deutlich über ein simples Beschützer-und-Schutzbefohlene-Verhältnis hinausgeht. Gerade diese Beziehung dürfte für viele Leser einer der Gründe sein, warum man nach dem ersten Band wissen möchte, wie es mit den beiden weitergeht.

Wenn der Schulalltag zum Einsatzgebiet wird

Die eigentliche Stärke des Mangas liegt für mich in der Mischung verschiedener Genres. Auf der einen Seite gibt es Ninja-Action und gefährliche Gegner, auf der anderen Seite stehen typische Situationen aus dem Highschool-Leben. Yodaka muss sich in einer Umgebung zurechtfinden, die für ihn beinahe genauso fremd ist wie eine gefährliche Mission. Dadurch entstehen immer wieder Situationen, in denen sich Spannung und Comedy gegenseitig ergänzen. Der Manga nimmt seine Action durchaus ernst, vergisst darüber aber nie, dass sein eigentliches Grundkonzept ziemlich absurd ist. Ein Ninja, der undercover an einer Schule unterwegs ist, bietet schließlich schon von selbst jede Menge Möglichkeiten für humorvolle Situationen.

Action und Humor im richtigen Verhältnis

Wer bei Shinobi Undercover einen reinen Comedy-Manga erwartet, dürfte vermutlich überrascht sein. Neben den lustigen Momenten gibt es durchaus eine ernstere Ebene, denn Aoi wird tatsächlich bedroht. Yodaka muss also nicht nur versuchen, sich in der Schule einzuleben, sondern seine eigentliche Mission erfüllen und seine Identität geheim halten. Dadurch bekommt die Geschichte einen gewissen Spannungsfaktor. Besonders interessant ist dabei, dass Yodaka seine Fähigkeiten nicht einfach offen einsetzen kann. Er muss ständig darauf achten, nicht aufzufallen, was aus einer normalen Situation plötzlich eine kleine Mission machen kann.

Eine sympathische Geschichte über Unsicherheit

Neben den Ninja-Elementen beschäftigt sich der Manga überraschend leichtfüßig mit sozialen Ängsten und Unsicherheit. Yodaka ist nicht deshalb interessant, weil er der stärkste Ninja überhaupt wäre, sondern weil er mit Situationen kämpfen muss, die für andere völlig normal erscheinen. Dadurch bekommt die Geschichte eine menschliche Komponente. Auch Aoi wirkt nicht wie eine bloße Figur, die gerettet werden muss, sondern trägt mit ihrer eigenen Art entscheidend zur Dynamik bei. Der Manga schafft es dadurch, seine Figuren nicht nur über ihre Fähigkeiten, sondern auch über ihre Schwächen interessant zu machen.

Die Zeichnungen

Optisch passt der Manga sehr gut zu seinem ungewöhnlichen Konzept. Die Figuren wirken ausdrucksstark und gerade in den humorvollen Momenten kommen die Gesichtsausdrücke gut zur Geltung. Gleichzeitig können die Zeichnungen aber auch in actionreicheren Situationen überzeugen. Die Ninja-Elemente bekommen dadurch den nötigen Schwung, ohne dass der Schulalltag plötzlich völlig in den Hintergrund gedrängt wird. Besonders angenehm ist, dass Action und Comedy nicht wie zwei völlig getrennte Bestandteile wirken, sondern zeichnerisch miteinander verbunden werden. Das sorgt für einen flüssigen Leserythmus und macht den Band angenehm zugänglich.

Ein gelungener Auftakt

Als erster Band macht Shinobi Undercover vieles richtig. Die Grundidee ist schnell verstanden, die wichtigsten Figuren werden unkompliziert eingeführt und die Mischung aus Action, Comedy und Slice-of-Life funktioniert überraschend gut. Gleichzeitig hält sich der Manga genügend Möglichkeiten für die kommenden Bände offen. Man merkt also, dass hier nicht einfach nur eine abgeschlossene Schulgeschichte erzählt werden soll, sondern eine längere Reihe entstehen kann. Mit seinen 192 Seiten liest sich der Auftakt zudem angenehm flott, ohne dass die Geschichte dabei gehetzt wirkt.

Fazit

Shinobi Undercover 1 ist für mich ein ausgesprochen unterhaltsamer Auftakt, der aus einer eigentlich ziemlich einfachen Idee erstaunlich viel herausholt. Ein Ninja soll eine Schülerin beschützen und muss dafür undercover eine Schule besuchen – allein diese Ausgangssituation bietet schon genügend Stoff für jede Menge Chaos. Dass Yodaka dabei selbst sozial eher unbeholfen ist, macht die Geschichte zusätzlich sympathisch. Besonders gelungen ist die Mischung aus Action und Comedy. Der Manga kann spannende Momente liefern, ohne dabei seinen humorvollen Grundton zu verlieren. Gleichzeitig sorgen Yodaka und Aoi dafür, dass die Geschichte nicht nur von Kämpfen und Ninja-Techniken lebt. Auch optisch hinterlässt der erste Band einen positiven Eindruck. Die Zeichnungen unterstützen sowohl die actionreichen Szenen als auch die komödiantischen Momente und geben den Figuren genügend Ausdruck. Ein weiterer Pluspunkt ist die Tatsache, dass Shinobi Undercover nicht ausschließlich auf seine Ninja-Idee setzt. Die Themen soziale Unsicherheit und der Umgang mit anderen Menschen geben der Geschichte etwas mehr Tiefe, ohne dass der Manga dadurch unnötig schwer oder dramatisch wird. Unterm Strich ist Shinobi Undercover 1 ein gelungener Serienstart, der neugierig auf die weiteren Abenteuer macht. Der Manga verbindet Ninja-Action, Schulalltag und Comedy auf eine angenehm lockere Art und hat mit Yodaka einen Hauptcharakter, der sich wohltuend von vielen typischen Actionhelden unterscheidet.

Vielen Dank an den Carlsen Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars 

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