Batman Die unsterbliche Legende von Batman

In einer fernen Zukunft hat sich die Menschheit über zahlreiche Planeten ausgebreitet und mithilfe Dunkler Materie sogar die Grenzen des bekannten Universums überwunden. Dabei wird ein Zugang zur geheimnisvollen Welt der Schatten geöffnet, aus der tödliche Wesen hervordringen. Nur die kosmischen Legenden von Batman, Nightwing und Robin können sich ihnen entgegenstellen.
Batman trifft auf Science-Fiction
Wer bei Batman automatisch an die dunklen Straßen Gothams, heruntergekommene Lagerhäuser und einen Bruce Wayne denkt, der nachts mit Umhang und Fledermausmaske Verbrecher verprügelt, dürfte bei Batman Die unsterbliche Legende von Batman zunächst einmal ziemlich überrascht sein. Dieser Comic nimmt den bekannten Mythos und katapultiert ihn direkt in eine weit entfernte Zukunft. Statt Gotham gibt es gigantische Megacitys auf fremden Planeten, statt gewöhnlicher Krimineller warten interdimensionale Schattenwesen und statt eines einzelnen Batman geht es um eine Legende, die längst zu etwas viel Größerem geworden ist. Das klingt auf dem Papier schon ziemlich verrückt – und genau das ist gleichzeitig eine der größten Stärken des Bandes.
Ein Batman, wie man ihn nicht jeden Tag sieht
Die Autoren haben offensichtlich überhaupt keine Angst davor, mit den klassischen Vorstellungen von Batman zu spielen. Dabei bleibt der Kern der Figur durchaus erhalten, wird aber ordentlich durchgeschüttelt. Batman ist hier nicht mehr ausschließlich Bruce Wayne, sondern ein Symbol, eine über Generationen weitergegebene Idee und schließlich sogar eine kosmische Energie. Gerade dieser Gedanke gefällt mir ausgesprochen gut, weil er eine interessante Frage aufwirft: Was bleibt eigentlich von Batman übrig, wenn Bruce Wayne längst nicht mehr da ist? Die Antwort des Comics lautet sinngemäß: Die Legende. Und diese Legende kann offenbar sehr viel mächtiger werden, als man zunächst vermuten würde.
Tokusatsu lässt grüßen
Besonders auffällig ist der Einfluss japanischer Tokusatsu-Produktionen. Wer mit riesigen Monstern, spektakulären Transformationen und völlig überdrehten Science-Fiction-Konzepten etwas anfangen kann, dürfte hier ziemlich viel Spaß haben. Der Comic wirkt stellenweise beinahe wie eine Mischung aus klassischem Superheldencomic und einer gewaltigen japanischen Monster-Serie. Das ist sicherlich nicht jedermanns Geschmack, verleiht der Geschichte aber eine ganz eigene Identität. Statt einfach nur den nächsten düsteren Batman-Comic abzuliefern, geht „Die unsterbliche Legende von Batman“ bewusst einen ungewöhnlichen Weg und zieht diesen konsequent durch.
Die Schattenwesen sorgen für ordentlich Action
Natürlich darf bei einer solchen Geschichte die Action nicht zu kurz kommen. Und davon gibt es reichlich. Die Schattenwesen sind keine Gegner, die Batman mal eben in einem verlassenen Hinterhof ausschaltet. Sie sind eine Bedrohung kosmischen Ausmaßes und entsprechend fallen auch die Auseinandersetzungen größer aus. Ganze Welten und gigantische Schauplätze werden zum Schlachtfeld. Dabei funktioniert der Comic besonders dann gut, wenn er seine völlig abgefahrene Prämisse einfach akzeptiert und nicht versucht, alles unnötig realistisch zu erklären. Hier darf Batman gegen monströse Kreaturen antreten, während kosmische Energien und Dimensionen miteinander kollidieren. Und genau dafür liest man diesen Comic schließlich.
Wenn Batman plötzlich der Bösewicht ist
Ein weiterer Punkt, der für Unterhaltung sorgt, ist das Spiel mit der Batman-Identität. Plötzlich tauchen Versionen von Bruce Wayne auf, die Menschen töten, und gleichzeitig wird der Ruf des eigentlichen Batman beschädigt. Damit stellt der Comic eine der interessantesten Fragen der Geschichte: Was passiert, wenn das Symbol, dem die Menschen vertrauen, plötzlich gegen sie gerichtet wird? Gerade bei Batman funktioniert dieser Ansatz hervorragend, weil seine Figur ohnehin stark über sein Symbol definiert wird. Wenn dieses Symbol verdreht und gegen die Menschen eingesetzt wird, bekommt die Geschichte automatisch eine interessante Dynamik.
Zwischen Größenwahn und Mythologie
Man muss allerdings auch sagen, dass der Comic mit seinen Ideen ziemlich großzügig umgeht. Hier wird eine Idee nach der nächsten auf uns losgelassen. Dunkle Materie, Schattenwelt, kosmische Energien, verschiedene Batman-Versionen, galaktische Zivilisationen und ein Batman-Mythos, der Raum und Zeit durchdringt – das ist schon eine ganze Menge. Wer einen möglichst bodenständigen Batman erwartet, dürfte sich vermutlich etwas verloren fühlen. Wer dagegen bereit ist, sich auf eine völlig abgefahrene Interpretation einzulassen, bekommt eine Geschichte, die immer wieder neue Ideen aus dem Hut zaubert.
Batman, Nightwing und Robin als Legenden
Sehr schön ist außerdem, dass Batman hier nicht völlig isoliert betrachtet wird. Auch Nightwing und Robin spielen eine wichtige Rolle und werden gemeinsam mit Batman zu unsterblichen Legenden. Dadurch bekommt die Geschichte eine schöne Verbindung zwischen den verschiedenen Generationen der Bat-Familie. Besonders die Vorstellung, dass ihre Geschichten über Jahrhunderte weitergetragen werden und dadurch beinahe eine eigene Macht entwickeln, hat etwas Mythisches. Batman wird dadurch weniger zur einzelnen Person und mehr zu einer Art moderner Legende, die unabhängig von ihrem ursprünglichen Träger weiterexistiert.
Ein ungewöhnliches Batman-Abenteuer
Unterm Strich ist Die unsterbliche Legende von Batman sicherlich kein Comic für alle, die ausschließlich den klassischen dunklen Detektiv aus Gotham erwarten. Dafür ist das Ganze viel zu bunt, groß, verrückt und science-fictionlastig. Wer sich aber darauf einlässt, bekommt ein ungewöhnliches Batman-Abenteuer, das sichtbar Spaß daran hat, die Grenzen des bekannten Mythos auszutesten. Die Geschichte kombiniert Superhelden, Weltraum-Science-Fiction, Monster-Action und eine überraschend interessante Auseinandersetzung mit dem Begriff „Legende“. Nicht jede Idee wird dabei gleich ausführlich behandelt, aber insgesamt entsteht daraus ein eigenständiges und ziemlich unterhaltsames Gesamtpaket.
Fazit
Batman Die unsterbliche Legende von Batman ist einer dieser Comics, bei denen man nach den ersten Seiten vermutlich zweimal hinschaut und sich fragt, ob man tatsächlich gerade einen Batman-Comic liest. Und genau das macht den Band so interessant. Statt sich an bekannten Mustern festzuklammern, nimmt die Geschichte den Batman-Mythos auseinander und setzt ihn in einer völlig neuen Zukunft wieder zusammen. Das Ergebnis ist ein farbenfrohes Science-Fiction-Abenteuer, das mit klassischen Batman-Elementen zwar verbunden bleibt, ansonsten aber deutlich eigene Wege geht.
Besonders gelungen finde ich den Gedanken hinter der Unsterblichkeit. Nicht Bruce Wayne selbst muss ewig leben, damit Batman unsterblich bleibt. Es ist die Idee hinter der Figur, die weitergetragen wird. Dadurch bekommt der ansonsten ziemlich actionreiche Comic tatsächlich eine überraschend philosophische Komponente. Die Frage, ob Batman eine Person, eine Maske, ein Symbol oder eine Legende ist, zieht sich angenehm durch die Geschichte und verleiht dem ganzen Spektakel mehr Bedeutung, als man aufgrund der wilden Optik zunächst erwarten würde. Auch die Tokusatsu-Einflüsse passen erstaunlich gut zu dieser Variante. Der Comic darf groß, bunt und vollkommen überdreht sein. Riesige Gegner, kosmische Kräfte und spektakuläre Kämpfe gehören hier einfach dazu. Wer sich darauf einlässt, bekommt eine Menge Unterhaltung geboten. Für mich funktioniert der Comic deshalb vor allem als mutiges Experiment. Nicht jede Idee ist gleichermaßen stark und gelegentlich wirkt die Geschichte fast so, als hätte man einfach noch eine weitere verrückte Idee unterbringen wollen. Trotzdem entwickelt das Ganze gerade durch seinen Ideenreichtum einen eigenen Charme.
Am Ende bleibt Die unsterbliche Legende von Batman vor allem als ungewöhnliche und ziemlich abgefahrene Interpretation des Batman-Mythos im Gedächtnis. Wer Lust auf einen Batman hat, der seine Flügel weit über Gotham hinaus ausbreitet, sollte diesem ungewöhnlichen Abenteuer definitiv eine Chance geben.
Vielen Dank an Panini Comics für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
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