Trash Ability: An unrivaled Thermo-Operator 1

110 Jahre nach dem verheerenden Weltkrieg der Begabten, in dem Menschen mit übernatürlichen Fähigkeiten als Waffen eingesetzt wurden und rund 80 Prozent der Menschheit starben, entdeckt der Schüler Atsushi Serizawa seine eigene Begabung. Er kann die Temperatur von Gegenständen verändern. Was zunächst beeindruckend klingt, wird vom Nationalen Forschungsinstitut jedoch als nutzlose Level-I-Fähigkeit eingestuft. Deshalb landet Atsushi an der berüchtigten Rang-F-Schule Tehen.
Eine Schule voller angeblich Nutzloser
Trash Ability An unrivaled Thermo-Operator 1 startet mit einem ziemlich interessanten Grundgedanken. Die Welt wurde durch einen Krieg geprägt, in dem Menschen mit besonderen Fähigkeiten gegeneinander eingesetzt wurden. Dass die Menschheit diesen Krieg zwar überlebt hat, aber einen Großteil ihrer Bevölkerung verloren hat, verleiht dem Setting direkt eine düstere Vorgeschichte. 110 Jahre später hat sich die Gesellschaft offenbar damit arrangiert, Begabte nach ihrer Stärke einzuteilen. Genau hier setzt die Geschichte an, denn Atsushi besitzt zwar eine Fähigkeit, die zunächst interessant klingt, wird aber praktisch als wertlos abgestempelt.
Wenn Wärme plötzlich zum Problem wird
Atsushis Fähigkeit besteht darin, die Temperatur von Gegenständen zu verändern, die er berührt. Auf den ersten Blick ist das tatsächlich nicht unbedingt die spektakulärste Superkraft, die man sich für einen Action-Manga vorstellen kann. Während andere Begabte offenbar Waffen erzeugen oder mit wesentlich beeindruckenderen Kräften aufwarten können, soll Atsushi lediglich Dinge warm oder kalt machen. Gerade daraus entwickelt der Manga aber seinen besonderen Reiz. Die Geschichte stellt nämlich die Frage, ob eine Fähigkeit wirklich schwach ist oder ob es vielmehr darauf ankommt, wie kreativ man mit ihr umgeht. Atsushi selbst muss diese Lektion allerdings erst noch lernen.
Willkommen an der Rang-F-Schule
Mit der Schule Tehen bekommt Atsushi genau den Ort zugewiesen, an dem die Gesellschaft ihre angeblich nutzlosen Begabten sammelt. Das sorgt automatisch für eine ziemlich raue Atmosphäre. Hier geht es weniger um eine idyllische Schulzeit und deutlich mehr darum, sich irgendwie durchzusetzen. Die Schüler sind nicht unbedingt freundlich, und Ranglisten sowie die Bewertung der Fähigkeiten bestimmen maßgeblich, welchen Stellenwert jemand besitzt. Das funktioniert als Ausgangspunkt ziemlich gut, weil Atsushi dadurch direkt mit Menschen konfrontiert wird, die ähnlich unterschätzt werden wie er selbst. Gleichzeitig entsteht dadurch ein schönes Außenseitergefühl, das hervorragend zum Grundthema des Mangas passt.
Miria bringt etwas Herz in die Geschichte
Mit Miria Yomohira bekommt Atsushi eine Figur an die Seite gestellt, die einen deutlichen Kontrast zur rauen Schulumgebung bildet. Ihre Leidenschaft für Puppen macht sie sympathisch und sorgt dafür, dass Atsushi trotz seiner Unsicherheit den ersten Schritt wagt und sich mit ihr anfreunden möchte. Seine Gefühle für sie werden dabei angenehm zurückhaltend dargestellt. Es geht zunächst eher darum, dass er sie interessant und süß findet und einfach gerne Zeit mit ihr verbringen möchte.
Noburo ist der erste große Brocken
Natürlich darf bei einem solchen Setting auch der klassische Ärger nicht lange auf sich warten lassen. Noburo Kirsaki ist der typische Charakter, bei dem man bereits beim ersten Auftreten merkt, dass Ärger vorprogrammiert ist. Er betrachtet Miria als seine Freundin und reagiert entsprechend aggressiv auf Atsushis Annäherung. Besonders interessant wird die Situation, als Atsushi zunächst lieber die Flucht ergreift, nachdem er von Noburos Ruf erfahren hat. Dadurch wirkt Atsushi nicht wie der typische Held, der ohne nachzudenken in jeden Kampf rennt. Er hat Angst und weiß, dass er seinem Gegner wahrscheinlich unterlegen ist.
Teamwork statt Einzelkämpfer
Besonders gelungen ist die Idee, dass die Geschichte nicht einfach den klassischen Weg nimmt, bei dem der Held plötzlich seine unglaubliche verborgene Macht entdeckt und alle Gegner mühelos besiegt. Stattdessen steht das Zusammenspiel verschiedener scheinbar nutzloser Fähigkeiten im Mittelpunkt. Futoshi Ueki ist dafür ein schönes Beispiel. Seine Fähigkeit, Pflanzen wachsen zu lassen, klingt zunächst ebenfalls nicht gerade nach einer perfekten Kampfkraft. Wenn er allerdings noch nicht einmal über die Kontrolle von Samen hinauskommt, sieht es im Kampf gegen jemanden wie Noburo ziemlich düster aus. Trotzdem zeigt sich hier bereits, wohin der Manga gehen möchte: Eine Fähigkeit muss nicht spektakulär aussehen, um nützlich zu sein.
Die Action nimmt ordentlich Fahrt auf
Sobald es zu den ersten Auseinandersetzungen kommt, zeigt der Manga, dass er durchaus Wert auf seine Action legt. Die Kämpfe werden dynamisch inszeniert und die Bewegungen der Figuren wirken nachvollziehbar. Gleichzeitig werden die Fähigkeiten nicht unbedingt in Form riesiger Erklärungen präsentiert, sondern vor allem über ihre Auswirkungen vermittelt. Gerade dadurch können einige Attacken überraschend brutal und mächtig wirken. Waffen wie die von Noburo erzeugten Messer werden detailliert dargestellt, während die Auswirkungen der verschiedenen Begabungen für ordentlich Bewegung sorgen. Der Manga macht dabei klar, dass selbst vermeintlich harmlose Kräfte in den falschen Händen gefährlich werden können.
Zeichnungen mit viel Liebe zum Detail
Auch optisch kann Trash Ability An unrivaled Thermo-Operator 1 überzeugen. Die Figuren sind abwechslungsreich gestaltet und unterscheiden sich nicht nur durch ihre Kleidung, sondern auch durch Frisuren, Gesichter und Körperhaltungen. Besonders bei den Gesichtsausdrücken merkt man, dass viel Wert darauf gelegt wurde, die Emotionen der Charaktere sichtbar zu machen. Die Schuluniformen selbst sind zwar eher schlicht gehalten, funktionieren aber hervorragend innerhalb der verschiedenen Posen. Auch Tiere und Gegenstände wie Waffen sind sauber und detailliert gezeichnet. Bei den Hintergründen hält sich der Manga teilweise etwas zurück, wenn sie vorhanden sind, können sie allerdings ebenfalls mit vielen Details punkten.
Ein vielversprechender Auftakt mit kleinen Schwächen
Als erster Band macht Trash Ability An unrivaled Thermo-Operator 1 insgesamt einen guten Eindruck und weckt definitiv Interesse daran, wie sich Atsushis Fähigkeit weiterentwickeln wird. Ein kleiner Kritikpunkt ist allerdings, dass manche Charaktere relativ kurz eingeführt werden und anschließend schon wieder aus dem Mittelpunkt verschwinden. Trotzdem funktioniert der Auftakt, weil der Manga neben seiner Action auch eine klare Botschaft vermittelt: Es ist nicht unbedingt entscheidend, was man kann, sondern was man daraus macht. Trash Abilty An unrivaled Thermo-Operator 1 ist ein unterhaltsamer Auftakt, der sich angenehm von Geschichten abhebt, in denen der Protagonist von Anfang an über eine völlig übermächtige Fähigkeit verfügt, wobei er schon mal einen raushaut hier. Daraus können sich später vermutlich zahlreiche kreative Situationen ergeben. Gerade Atsushis Thermo-Operator-Fähigkeit dürfte noch einiges an Überraschungen bereithalten. Wenn der Manga dieses Konzept weiter ausbaut und verschiedene Fähigkeiten miteinander kombiniert, könnte daraus ein wirklich interessantes Kampfsystem entstehen. Auch die Charaktere funktionieren bereits gut. Atsushi ist ein angenehmer Protagonist, Miria bringt eine sympathische und etwas ungewöhnliche Note in die Geschichte und Futoshi sorgt für eine zusätzliche Portion Charme. Die Schule Tehen selbst bietet ebenfalls reichlich Potenzial, weil hier offenbar viele Menschen landen, die von der Gesellschaft abgeschrieben wurden. Zeichnerisch macht der Manga ebenfalls einiges richtig. Die Charaktere sind individuell gestaltet und ihre Emotionen kommen gut zur Geltung. Gerade bei den Actionszenen merkt man, dass die Zeichnungen darauf ausgelegt sind, Bewegung und Dynamik zu vermitteln.
Unterm Strich ist Trash Ability An unrivaled Thermo-Operator 1 ein gelungener Start für eine Superkräfte-Geschichte mit einem sympathischen Underdog im Mittelpunkt.
Vielen Dank an Animachon an die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
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