Absolute Superman 5

In Absolute Superman 5 erreicht der Konflikt zwischen Superman und Ra’s al Ghul seinen vorläufigen Höhepunkt. Ra’s setzt die gewaltigen Ressourcen der Lazarus Corp. sowie die Peacemakers und eine militärische Streitmacht ein, um Superman endgültig zu vernichten. Smallville wird zum Schlachtfeld, während Superman gemeinsam mit Lois Lane und Jimmy Olsen versucht, seine neue Heimat und deren Bewohner zu beschützen.
Die Schlacht um Kansas
Mit Absolute Superman 5 geht die bisherige Geschichte von Jason Aarons ungewöhnlicher Superman-Neuinterpretation in die nächste große Runde. Und diesmal wird wirklich aufgefahren. Nachdem die vorherigen Bände bereits deutlich gemacht haben, dass diese Version von Superman wesentlich stärker mit einer düsteren und politisch aufgeladenen Welt verbunden ist, wird nun endgültig die große Konfrontation eingeläutet. Smallville steht unter Beschuss, Ra’s al Ghul mobilisiert seine Truppen und Superman befindet sich in einer Situation, in der rohe Kraft allein nicht ausreicht. Das Ergebnis ist ein Band, der sich deutlich größer anfühlt als manche seiner Vorgänger und gleichzeitig erstaunlich persönlich bleibt.
Superman gegen Ra’s al Ghul
Der große Trumpf des Bandes ist natürlich die Auseinandersetzung zwischen Superman und Ra’s al Ghul. Dabei funktioniert Ra’s nicht einfach als typischer Bösewicht, der möglichst spektakulär besiegt werden muss. Viel interessanter ist die ideologische Ebene des Konflikts. Beide Figuren haben Vorstellungen davon, wie eine bessere Welt aussehen könnte, könnten bei der Umsetzung aber kaum unterschiedlicher vorgehen. Während Superman immer stärker für Hoffnung, Zusammenhalt und den Schutz anderer steht, verfolgt Ra’s seine Ziele mit einer erschreckenden Konsequenz. Dadurch bekommt die Konfrontation deutlich mehr Gewicht, als es ein gewöhnlicher Superheldenprügelkampf bieten könnte.
Smallville wird zum Schlachtfeld
Besonders gelungen ist, wie stark Smallville selbst in die Handlung eingebunden wird. Die Stadt ist nicht bloß irgendein Schauplatz, an dem Superman und sein Gegner zufällig aufeinandertreffen. Sie ist inzwischen zu einem Teil von Supermans Leben geworden. Genau deshalb wirkt die Bedrohung wesentlich persönlicher. Wenn Kampfmaschinen, Hubschrauber und Peacemakers über die Stadt herfallen, geht es für Superman nicht nur darum, den nächsten Bösewicht aufzuhalten. Er muss Menschen schützen, die ihm etwas bedeuten. Dadurch bekommt die Action einen emotionalen Unterbau, der dafür sorgt, dass die zahlreichen Kämpfe nicht völlig beliebig wirken.
Eine andere Seite des Helden
Interessant bleibt auch die Entwicklung von Superman selbst. Die „Absolute“-Version unterscheidet sich schließlich bewusst von der klassischen Interpretation des Charakters. Dieser Superman wirkt verletzlicher, wütender und stärker mit seiner Umgebung verbunden. Gleichzeitig besitzt er aber weiterhin diesen Kern, der die Figur seit Jahrzehnten ausmacht: Er will anderen helfen. Gerade diese Mischung funktioniert hervorragend. Jason Aaron zeigt einen Superman, der durchaus an seine Grenzen gebracht wird, ohne ihn dabei zu einer eindimensionalen Kampfmaschine zu machen. Seine größte Stärke ist eben nicht ausschließlich seine körperliche Macht, sondern seine Fähigkeit, trotz aller Rückschläge an seinen Idealen festzuhalten.
Lois und Jimmy
Auch Lois Lane und Jimmy Olsen spielen eine wichtige Rolle und sind nicht einfach nur Figuren, die am Rand der Geschichte stehen dürfen. Ihre Einbindung unterstreicht, dass Superman diese Welt nicht alleine retten kann und auch nicht sollte. Besonders schön ist dabei, wie die Beziehungen zwischen den Figuren im Verlauf der Geschichte an Bedeutung gewinnen. Gerade weil die Handlung ansonsten von gewaltigen Schlachten und übermächtigen Gegnern dominiert wird, sorgen diese persönlichen Momente für die notwendige Erdung. Sie erinnern daran, dass hinter der großen Superheldenhandlung immer noch Menschen stehen, um die es eigentlich geht.
Viel Action, aber nicht kopflos
Wer Superheldencomics vor allem wegen spektakulärer Action liest, dürfte mit diesem Band ebenfalls seinen Spaß haben. Die Schlacht um Kansas bietet reichlich Gelegenheit für große Momente, heftige Auseinandersetzungen und beeindruckende Bilder. Trotzdem fühlt sich die Action nicht vollkommen losgelöst von der Handlung an. Es gibt einen nachvollziehbaren Grund für die Eskalation, und die Kämpfe haben Konsequenzen. Gleichzeitig sollte man sich darauf einstellen, dass der Band stellenweise ziemlich bombastisch daherkommt. Hier wird nicht gekleckert, sondern ordentlich geklotzt. Für meinen Geschmack passt das aber hervorragend zu einem Band, der einen großen Konflikt zu seinem vorläufigen Höhepunkt führt.
Die visuelle Umsetzung
Optisch gehört Absolute Superman 5 ebenfalls zu den stärkeren Vertretern der Reihe. Die Zeichnungen transportieren die Wucht der Geschichte sehr gut und können sowohl die riesigen Schlachten als auch die ruhigeren Momente überzeugend darstellen. Gerade bei Superman selbst funktioniert die Bildsprache hervorragend, weil seine Kraft nicht permanent nur durch einfache Faustschläge vermittelt wird. Große Panels und dynamische Actionsequenzen geben dem Band das Gefühl eines echten Großereignisses. Gleichzeitig bleibt genug Raum für Gesichtsausdrücke und kleinere Momente, sodass die Figuren nicht hinter der ganzen Zerstörung verschwinden.
Ein Höhepunkt mit Konsequenzen
Was mir besonders gut gefällt, ist die Konsequenz, mit der Jason Aaron die Geschichte erzählt. Die Schlacht wird nicht einfach als riesiges Spektakel abgehandelt, nach dem am Ende wieder alles beim Alten ist. Die Ereignisse hinterlassen Spuren und stellen Superman vor Entscheidungen, die ihn auch über diesen Band hinaus beschäftigen dürften. Gerade dadurch fühlt sich der fünfte Paperback wie ein wichtiger Bestandteil der gesamten „Absolute Superman“-Saga an. Wer die bisherigen Bände gelesen hat, bekommt hier also nicht bloß einen weiteren Zwischenstopp, sondern einen echten Höhepunkt der bisherigen Entwicklung.
Ein Superman, der immer mehr zu sich selbst findet
Am Ende ist Absolute Superman 5 vor allem deshalb interessant, weil der Band die Frage stellt, was diesen Superman eigentlich zum Superman macht. Er besitzt nicht einfach nur unglaubliche Kräfte, sondern muss sich immer wieder bewusst dafür entscheiden, wie er diese Kräfte einsetzen möchte. Ra’s al Ghul stellt genau diese Überzeugungen infrage und zwingt ihn dazu, sich mit seinen eigenen Grenzen auseinanderzusetzen. Das macht die Geschichte trotz ihrer enormen Action angenehm charakterorientiert. Gleichzeitig bleibt der Band locker genug erzählt, um nicht in übertriebenem Pathos zu versinken. Man bekommt große Superheldenaction, eine persönliche Bedrohung und einen Konflikt, der tatsächlich etwas über seine Figuren aussagt.
Fazit
Absolute Superman 5 ist ein sehr starker fünfter Paperback, der den bisherigen Konflikt mit Ra’s al Ghul konsequent weiterführt und gleichzeitig auf eine neue Ebene hebt. Die Schlacht um Kansas ist groß, laut und spektakulär, funktioniert aber gerade deshalb so gut, weil hinter der ganzen Action ein persönlicher Konflikt steckt. Superman kämpft nicht nur gegen eine Armee, sondern um einen Ort, den er inzwischen als seine Heimat betrachtet.
Besonders überzeugend ist dabei die Gegenüberstellung von Superman und Ra’s al Ghul. Jason Aaron macht aus ihrem Konflikt mehr als ein simples Gut gegen Böse. Es geht um unterschiedliche Vorstellungen davon, wie man eine bessere Welt erschaffen kann.
Auch die Nebenfiguren profitieren von der Geschichte. Lois und Jimmy sind wichtige Bestandteile von Supermans neuer Welt und tragen dazu bei, dass sich die Ereignisse nicht wie eine isolierte Superheldenschlacht anfühlen. Smallville selbst wird beinahe zu einer eigenen Figur und verleiht der Handlung zusätzliche Atmosphäre. An manchen Stellen wird die Handlung ziemlich bombastisch und die schiere Menge an Action kann ein wenig überwältigen. Unterm Strich ist Absolute Superman 5 ein gelungener Höhepunkt der bisherigen Reihe und ein Band, der deutlich macht, warum diese neue Superman-Version so interessant ist. Jason Aaron gelingt es, bekannte Figuren und Motive neu zu interpretieren, ohne den Kern von Superman aus den Augen zu verlieren.
Vielen Dank an Panini Comics für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
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