West Fantasy 4 Die Orkfrau, der Bankier & die Auftragsmörderin

Schwester M. ist eine tödliche Auftragskillerin im Dienste der Kirche, die ihre gepanzerte Ordenskleidung nutzt, um ihre Waffen zu verbergen. Als kompromissloser Racheengel erledigt sie jede Mission – doch ihr neuer Auftrag stellt sie vor ihre größte Herausforderung: Sie soll den reichsten Bankier der USA töten, der seinen fahrenden Zug niemals verlässt.
Ein wilder Ritt zwischen Bibel, Blei und Blut
Mit West Fantasy 04: Die Orkfrau, der Bankier & die Auftragsmörderin geht die Reihe erneut in die Vollen – und das mit einer Energie, die sich irgendwo zwischen staubigem Western, düsterer Fantasy und gnadenlosem Actionkino bewegt. Schon der Titel deutet an, dass hier keine halben Sachen gemacht werden: Drei scheinbar unvereinbare Figuren treffen aufeinander, und das Ergebnis ist ein explosives Gemisch aus Gewalt, Moral und schwarzem Humor. Der Band fühlt sich dabei wie ein kompromissloser Genre-Mix an, der genau weiß, was er sein will – laut, dreckig und verdammt unterhaltsam.
Schwester M.: Nonne mit Revolver und Mission
Im Zentrum steht Schwester M., eine Figur, die sofort im Gedächtnis bleibt. Ihre eisenverstärkte Kutte ist nicht nur Symbol, sondern auch Werkzeug – eine wandelnde Festung im Namen Gottes. Doch was sie wirklich auszeichnet, ist ihre kompromisslose Haltung. Sie ist keine klassische Heldin, sondern vielmehr ein Werkzeug der Kirche, ein Racheengel, der ohne Zögern tötet. Gerade diese Ambivalenz macht sie so spannend: Zwischen Glaube und Gewalt entsteht eine Figur, die gleichzeitig faszinierend und verstörend wirkt.
Ein Gegner, der sich nicht greifen lässt
Der Bankier als Ziel ist eine geniale Wahl. Kein Revolverduell im Staub, kein klassischer Showdown – stattdessen ein Mann, der in einem fahrenden Zug lebt und diesen nie verlässt. Das verleiht der Geschichte eine fast klaustrophobische Spannung. Der Zug wird zum mobilen Hochsicherheitstresor, zur Bühne für Intrigen und taktische Spielchen. Schwester M. muss sich hier nicht nur durch Gegner schießen, sondern auch strategisch denken – und genau das hebt den Band erzählerisch hervor.
Western trifft Fantasy – und zwar kompromisslos
Die Mischung aus Western und Fantasy funktioniert auch im vierten Band erstaunlich gut. Orks, Elfen und Magie sind keine bloßen Gimmicks, sondern fest in die Welt integriert. Gleichzeitig bleibt der raue Ton des Wilden Westens erhalten: dreckige Städte, skrupellose Figuren und eine allgegenwärtige Brutalität. Diese Kombination sorgt dafür, dass sich West Fantasy nie wie ein Abklatsch anfühlt, sondern wie eine eigenständige Vision mit klarer Identität.
Gewalt als Stilmittel – nicht für Zartbesaitete
Man sollte sich nichts vormachen: Dieser Comic ist hart. Die Action ist direkt, blutig und oft schonungslos inszeniert. Doch die Gewalt wirkt selten selbstzweckhaft. Stattdessen unterstreicht sie die Welt, in der Moral ein Luxus ist und Entscheidungen oft tödliche Konsequenzen haben. Wer Tarantino-eske Eskalationen mag, wird hier voll auf seine Kosten kommen – wer empfindlich ist, sollte sich allerdings gut überlegen, ob er einsteigt.
Die Nebenfiguren als heimliche Stars
Neben Schwester M. stechen auch die anderen Figuren hervor. Die titelgebende Orkfrau bringt eine rohe, fast archaische Energie mit, während die Auftragsmörderin eine kühl kalkulierende Gegenspielerin darstellt. Diese Konstellation sorgt für Dynamik und überraschende Wendungen. Niemand ist hier eindeutig gut oder böse – und genau das macht die Interaktionen so spannend.
Visuelle Wucht auf jeder Seite
Zeichnerisch liefert der Band genau das, was man sich von einer „Hochglanz-Comicserie“ verspricht. Die Panels sind detailreich, die Farbgebung intensiv und die Inszenierung oft filmisch. Besonders die Actionszenen sind hervorragend choreografiert und lassen den Leser regelrecht durch die Seiten fliegen. Gleichzeitig gibt es immer wieder ruhige Momente, die visuell genauso überzeugen und der Geschichte Raum zum Atmen geben.
Tempo und Erzählfluss
Der Band hält ein hohes Tempo, ohne dabei hektisch zu wirken. Die Handlung schreitet zielstrebig voran, wobei immer wieder kleine Überraschungen eingestreut werden. Gerade der Mix aus Action, Dialogen und strategischen Momenten sorgt dafür, dass keine Langeweile aufkommt. Allerdings verlangt die Geschichte auch Aufmerksamkeit – wer nur nebenbei liest, verpasst schnell wichtige Details.
Ein Band, der Lust auf mehr macht
Am Ende bleibt vor allem eines: der Wunsch, sofort weiterzulesen. Die Orkfrau, der Bankier & die Auftragsmörderin funktioniert sowohl als Teil einer größeren Reihe als auch als eigenständiger, packender Abschnitt. Die Mischung aus starken Figuren, origineller Welt und kompromissloser Inszenierung macht diesen Band zu einem echten Highlight für Fans ungewöhnlicher Genre-Crossover.
Düster, kompromisslos und verdammt unterhaltsam
Dieser vierte Band von West Fantasy zeigt eindrucksvoll, wie gut der Mix aus Western und Fantasy funktionieren kann, wenn er mit Konsequenz und Stil umgesetzt wird. Die Geschichte rund um Schwester M. hebt sich deutlich von klassischen Heldenerzählungen ab und setzt stattdessen auf moralische Grauzonen und harte Entscheidungen. Genau das verleiht dem Comic seine besondere Tiefe. Besonders hervorzuheben ist Schwester M., sie ist keine Identifikationsfigur im klassischen Sinne, sondern eher eine Kraft, die durch die Geschichte pflügt. Ihre religiöse Motivation, die sie selbst immer wieder hinterfragt, gepaart mit brutaler Effizienz sorgt für eine Spannung, die sich durch den gesamten Band zieht. Man folgt ihr nicht, weil sie gut ist sondern weil sie interessant ist. Auch erzählerisch überzeugt der Band durch seine ungewöhnliche Prämisse. Ein Ziel, das sich in einem fahrenden Zug verschanzt, zwingt die Handlung in neue Bahnen und verhindert, dass sich die Geschichte in bekannten Mustern verliert. Dadurch entsteht eine konstante Spannung, die sich bis zum Ende hält. Visuell ist der Comic ebenfalls auf hohem Niveau. Die detailreichen Zeichnungen und die dynamische Inszenierung tragen maßgeblich dazu bei, dass die Welt lebendig wirkt. Wer sich auf die Mischung aus Fantasy, Western und harter Action einlässt, bekommt hier genau das – und zwar ohne Kompromisse.
Vielen Dank an den Splitter Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
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