Arsène Lupin und das letzte Geheimnis von Nostradamus

Irene Adler, die einzige Frau, die Sherlock Holmes je überlistete, sucht seine Hilfe – trifft jedoch stattdessen auf Arsène Lupin. Während Irene von der Täuschung überrascht ist, erschüttert Lupin vor allem ihre Entscheidung, Nonne zu werden. Bevor sie ihr altes Leben hinter sich lässt, plant Irene jedoch noch einen letzten, außergewöhnlichen Coup: den Diebstahl des Datums des Weltuntergangs.

Ein moderner Lupin im klassischen Gewand

Arsène Lupin und das letzte Geheimnis von Nostradamus ist eine in sich abgeschlossene Graphic Novel im opulenten Albenformat, die sich anfühlt wie eine liebevolle Verbeugung vor klassischen Abenteuerstoffen und gleichzeitig erstaunlich frisch daherkommt. Schon beim ersten Durchblättern wird klar: Hier wird nicht gekleckert, sondern geklotzt. Große Panels, detailreiche Zeichnungen und ein klares Bekenntnis zum europäischen Comicstil machen sofort Lust, tiefer einzutauchen.

Eine Begegnung, die alles verändert

Im Zentrum der Geschichte steht Irene Adler, jene legendäre Abenteurerin, die als einzige Frau Sherlock Holmes jemals überlisten konnte. Dass sie nun selbst Hilfe braucht, ist ein cleverer Einstieg. Das geplante Treffen mit Holmes läuft jedoch ganz anders als erwartet: Statt des Meisterdetektivs steht plötzlich Arsène Lupin vor ihr – Holmes’ größter Gegenspieler. Diese Täuschung ist nicht nur ein gelungener Plot-Twist, sondern setzt auch direkt den Ton für die Geschichte: verspielt, überraschend und voller Ironie.

Arsène Lupin – Gentleman-Gauner mit Herz

Arsène Lupin wird hier als charismatischer, intelligenter und durchaus verletzlicher Charakter gezeichnet. Besonders stark ist der Moment, in dem er erfährt, dass Irene Adler – seine frühere große Liebe – nun Nonne werden möchte. Diese emotionale Fallhöhe gibt der Geschichte Tiefe und hebt sie deutlich über ein reines Rätselabenteuer hinaus. Lupin ist nicht nur Trickbetrüger, sondern auch Mensch mit Vergangenheit und offenen Wunden.

Irene Adler – mehr als nur Femme fatale

Irene Adler bleibt glücklicherweise nicht die klassische mysteriöse Frau im Hintergrund. Sie ist klug, entschlossen und innerlich zerrissen zwischen ihrem alten Leben als geniale Kriminelle und ihrem Wunsch nach einem Neuanfang. Dass sie vor ihrem Eintritt ins Kloster noch einen letzten Coup durchziehen muss, verleiht ihrer Figur zusätzliche Tragik und gleichzeitig enorme Stärke.

Der letzte Coup: Das Datum des Weltuntergangs

Die zentrale Mission klingt herrlich absurd und ist gerade deshalb so faszinierend: Irene soll das Datum des Weltuntergangs stehlen. Die Verbindung zu Nostradamus sorgt für eine geheimnisvolle, fast mystische Atmosphäre, die perfekt zu den historischen Settings passt. Prophezeiungen, Rätsel und geheime Schriften treiben die Handlung voran, ohne jemals zu verkopft zu wirken.

Tempo und Erzählfluss

Die Geschichte ist straff erzählt und nutzt ihre Seiten effektiv. Es gibt kaum Leerlauf, dennoch bleibt genug Raum für Dialoge, Charakterentwicklung und visuelle Details. Besonders gelungen ist der Wechsel zwischen actionreichen Sequenzen und ruhigeren, emotionalen Momenten. Dadurch fühlt sich die Graphic Novel ausgewogen und rund an.

Zeichnungen als großes Highlight

Visuell ist Arsène Lupin und das letzte Geheimnis von Nostradamus ein echtes Schmuckstück. Die Zeichnungen sind detailverliebt, die Farben stimmungsvoll und das Paneling sehr dynamisch. Historische Schauplätze werden ebenso überzeugend eingefangen wie intime Gespräche. Man merkt, dass hier viel Wert auf Atmosphäre gelegt wurde.

Spiel mit bekannten Figuren

Der Comic lebt stark vom Spiel mit bekannten literarischen Figuren und Erwartungen. Sherlock Holmes ist zwar präsent, steht aber nicht im Mittelpunkt eine kluge Entscheidung. Stattdessen dürfen Lupin und Adler glänzen, was der Geschichte eine eigene Identität verleiht und sie nicht zur bloßen Hommage verkommen lässt.

Für wen lohnt sich der Comic?

Diese Graphic Novel richtet sich nicht nur an Fans von Arsène Lupin oder klassischen Detektivgeschichten. Auch Leserinnen und Leser, die einfach Lust auf ein clever erzähltes, visuell beeindruckendes Abenteuer haben, werden hier fündig. Vorkenntnisse sind hilfreich, aber keineswegs zwingend notwendig.

Ein stilvolles Abenteuer mit Herz

Arsène Lupin und das letzte Geheimnis von Nostradamus ist weit mehr als ein klassisches Gaunerabenteuer. Besonders gelungen ist die Balance zwischen Spannung, Humor und Melancholie, die sich wie ein roter Faden durch die gesamte Geschichte zieht.

Im Mittelpunkt steht klar die emotionale Dynamik zwischen Arsène Lupin und Irene Adler. Ihre gemeinsame Vergangenheit, ihre widersprüchlichen Lebensentscheidungen. Gerade dieser emotionale Kern sorgt dafür, dass der Comic lange nachwirkt und nicht nur als kurzweilige Unterhaltung funktioniert.

Auch erzählerisch überzeugt der Band durch seine Geschlossenheit. Als in sich abgeschlossener Band erzählt er eine runde Geschichte mit klarer Dramaturgie, spannenden Wendungen und einem befriedigenden Ende. Der letzte Coup rund um das angebliche Datum des Weltuntergangs ist dabei nicht nur ein origineller Aufhänger, sondern auch ein cleveres Symbol für Abschied, Neuanfang und Vergänglichkeit. Die zeichnerische Umsetzung unterstreicht diese Qualitäten eindrucksvoll. Das Albenformat, die detailreichen Hintergründe und die stimmungsvolle Farbgebung machen das Lesen zu einem echten visuellen Erlebnis. Jede Seite zeigt, dass hier mit großer Sorgfalt und Liebe zum Detail gearbeitet wurde, was den Comic auch optisch zu einem Genuss macht. Insgesamt ist Arsène Lupin und das letzte Geheimnis von Nostradamus eine stilvolle, intelligente und emotional überraschende Geschichte. Ein Band, den man nicht nur einmal liest, sondern gerne erneut zur Hand nimmt.

Vielen Dank an den Splitter Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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