West Fantasy 5 Die Auftragsmörderin, der Ronin & die Hure

In der gesetzlosen Stadt Deadhill findet Serena nach dem Tod eines Kunden eine Karte zum legendären Totem von Anumak. Gemeinsam mit dem elfisch-japanischen Ronin Otsuka und dessen kleinem Ork-Meister gerät sie in eine gefährliche Schatzsuche. Doch auch die fanatische Killerin Schwester M jagt dem Totem nach, um es zu zerstören. So beginnt ein düsteres Abenteuer voller Rache, Konflikte und ungewöhnlicher Figuren.
Ein wilder Ausflug in den Fantasy-Westen
Mit West Fantasy 5 Die Auftragsmörderin, der Ronin & die Hure geht die Reihe erneut einen ungewöhnlichen Weg. Statt sich auf einen klassischen Western oder eine typische Fantasy-Geschichte zu verlassen, verbindet der Band beide Genres zu einer eigenwilligen Mischung. Die Stadt Deadhill ist ein Ort, an dem Regeln kaum etwas wert sind und jeder versucht, auf seine Weise zu überleben. Schon der Einstieg im Saloon zeigt, dass dieser Comic keine besonders zahme Geschichte erzählen möchte. Der Ton ist rau, direkt und oft bewusst überdreht.
Deadhill als perfekte Kulisse für Chaos
Deadhill funktioniert als Schauplatz besonders gut, weil die Stadt wie ein Sammelbecken für zwielichtige Figuren, Gewalt und Geheimnisse wirkt. Das Gesetz existiert hier höchstens als schlechte Erinnerung, während Gier und Macht den Alltag bestimmen. Die staubige Westernkulisse bekommt durch die Fantasy-Elemente eine eigene Note. Elfen, Orks und magische Legenden treffen auf Saloons, Kopfgeldjäger und gefährliche Straßen. Dadurch entsteht eine Welt, die sich nicht immer ernst nimmt, aber trotzdem genug Atmosphäre besitzt, um spannend zu bleiben.
Serena steht im Mittelpunkt
Serena ist eine Figur, die sofort Aufmerksamkeit auf sich zieht. Sie arbeitet im Saloon als Freudenmädchen und wird eher zufällig in die Suche nach dem legendären Totem von Anumak hineingezogen. Als einer ihrer Kunden plötzlich stirbt, beginnt für sie eine Situation, die zunächst unerquicklich wirkt, dann aber eine unerwartete Chance eröffnet. Die Karte in seinen Taschen wird für Serena zum Ticket in ein neues Leben. Ihre Motivation ist nachvollziehbar, denn in einer Stadt wie Deadhill kann ein legendärer Schatz den Unterschied zwischen Armut und Freiheit bedeuten.
Ein Schatz, der mehr als Gold verspricht
Das Totem von Anumak ist der zentrale Auslöser der Handlung. Wie bei vielen Schatzgeschichten geht es dabei nicht nur um Reichtum, sondern auch um Macht, Glauben und persönliche Ziele. Jede Figur verbindet etwas anderes mit dem Totem, wodurch die Suche deutlich interessanter wird. Serena möchte vermutlich vor allem eine bessere Zukunft, während andere Figuren ganz eigene Absichten verfolgen. Das Totem wird dadurch zu einem Symbol, das die Charaktere zwingt, sich zu bewegen und Entscheidungen zu treffen.
Otsuka und sein ungewöhnlicher Meister
Eine der auffälligsten Figuren ist Otsuka, ein elfisch-japanischer Ronin. Allein diese Beschreibung zeigt bereits, wie viel Freude der Comic daran hat, verschiedene Genreideen miteinander zu vermischen. Otsuka sucht seinen Meister und findet schließlich einen kleinen Ork, der gerade einmal ein Jahr alt ist. Der Ork kann zwar nicht sprechen, macht aber trotzdem klar, dass er ebenfalls hinter dem Totem her ist. Diese Konstellation ist absurd, aber genau darin liegt ihr Reiz. Sie bringt Humor in die Geschichte und sorgt für eine ungewöhnliche Dynamik.
Schwester M als bedrohliche Gegenspielerin
Mit Schwester M kommt eine Figur ins Spiel, die deutlich ernster und gefährlicher wirkt als viele andere Beteiligte. Sie ist eine unerbittliche Killerin und verfolgt das Ziel, das Totem zu zerstören. Ihre Motivation ist religiös geprägt, denn sie will damit den Weg für den einzig wahren Glauben ebnen. Dadurch steht sie nicht einfach nur für Gier oder persönlichen Gewinn, sondern für eine fanatische Überzeugung. Das macht sie zu einer Gegnerin, die schwer einzuschätzen ist und der Geschichte zusätzliche Spannung verleiht.
Unterschiedliche Figuren, gleiche Beute
Der größte Reiz von West Fantasy 5 liegt in der Begegnung dieser sehr unterschiedlichen Charaktere. Serena, Otsuka, der kleine Ork und Schwester M könnten kaum verschiedener sein, doch sie werden alle von derselben Legende angezogen. Dadurch entstehen Konflikte, Bündnisse und Situationen, in denen niemand wirklich weiß, wem er vertrauen kann. Die Geschichte lebt davon, dass die Figuren nicht aus denselben Gründen handeln. Jeder Schritt in Richtung Totem bringt sie näher zusammen, aber gleichzeitig auch näher an einen Zusammenstoß.
Rache, Erlösung und schwarzer Humor
Hinter der abenteuerlichen Schatzsuche steckt mehr als nur ein Wettlauf um ein magisches Objekt. Der Comic greift Themen wie Rache, Glauben, Freiheit und Erlösung auf, ohne dabei seine lockere und wilde Grundstimmung zu verlieren. Gerade diese Mischung macht den Band interessant. Es gibt düstere Momente und gefährliche Entscheidungen, aber auch absurde Ideen, die den Comic auflockern. Wer Geschichten mag, die ernste Themen mit schwarzem Humor und überzeichneten Figuren verbinden, dürfte hier einiges finden.
Ein eigenständiger und unterhaltsamer Band
West Fantasy 5 Die Auftragsmörderin, der Ronin & die Hure ist kein klassischer Fantasy-Comic und auch kein gewöhnlicher Western. Der Band lebt von seiner schrägen Welt, seinen ungewöhnlichen Figuren und der Idee, bekannte Genres miteinander kollidieren zu lassen. Nicht jede Szene muss dabei vollkommen realistisch oder logisch wirken, doch das gehört zum Stil der Reihe. Wer sich auf die Mischung aus rauem Humor, Action, Fantasy und Western einlässt, bekommt einen unterhaltsamen Band mit einer ungewöhnlichen Schatzsuche.
Fazit
West Fantasy 5 Die Auftragsmörderin, der Ronin & die Hure bietet eine wilde und eigenständige Mischung aus Fantasy und Western. Die Geschichte nutzt das gesetzlose Deadhill als Bühne für eine Schatzsuche, bei der fast jede Figur eigene Ziele verfolgt. Das sorgt von Beginn an für Spannung, denn niemand sucht das Totem von Anumak aus denselben Gründen.
Besonders gelungen ist die Zusammenstellung der Figuren. Serena, die in ihrem bisherigen Leben kaum Chancen auf Freiheit hatte, bekommt durch die Karte zum Totem eine Möglichkeit, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Otsuka bringt mit seiner Ronin-Rolle und seinem ungewöhnlichen Ork-Meister eine humorvolle und skurrile Seite in die Geschichte. Schwester M dagegen sorgt für eine deutlich düsterere Bedrohung, weil ihre Mission von Glauben geprägt ist. Der Comic überzeugt vor allem dann, wenn man Freude an ungewöhnlichen Genre-Mischungen hat. Elfen, Orks, Saloons, Auftragsmörder und legendäre Totems passen auf den ersten Blick nicht unbedingt zusammen. In West Fantasy ergibt diese Kombination aber eine Welt, die bewusst überdreht und voller Überraschungen ist. Der Band versucht nicht, ein realistisches Western-Abenteuer zu sein, sondern nutzt seine Freiheit, um eigene Ideen auszuspielen.
Auch die Themen Rache und Erlösung geben der Handlung mehr Gewicht. Insgesamt ist West Fantasy 5 ein unterhaltsamer Comic für alle, die sich auf eine schräge, raue und fantasievolle Geschichte einlassen möchten. Wer Western-Atmosphäre mag, aber gleichzeitig Lust auf Elfen, Orks und magische Legenden hat, findet hier eine ungewöhnliche Reise durch eine Welt ohne klare Regeln.
Vielen Dank an den Splitter Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
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