Vanish 2

Olivers Verstand und Nüchternheit sind am Rande des Zusammenbruchs, während er sich weiterhin gegen die Angriffe des Superheldenteams Prestige wehren muss. Mit wachsenden Kräften schlägt er zurück und gewährt uns Einblicke in das mystische Reich Everkeep sowie in Baron Vanishs Vergangenheit und Zukunft

Ein magischer Rachefeldzug geht weiter

Mit Vanish 2 setzt das Dreamteam Donny Cates und Ryan Stegman ihre düstere Superhelden-Fantasy-Saga fort und es wird noch brutaler, wilder und verrückter. Oliver Harrison, einst ein Kindheitsheld, kämpft nicht nur gegen die übermenschlichen Mitglieder von Prestige, sondern auch gegen seine eigenen Dämonen. Der Grat zwischen Wahnsinn und Klarheit wird immer schmaler, während er sich seinen Feinden stellt. Doch es gibt eine noch größere Bedrohung: seine eigene dunkle Vergangenheit und eine Zukunft, die vielleicht düsterer ist, als er es sich eingestehen will.

Cates entfesselt Chaos und das auf höchstem Niveau

Donny Cates ist bekannt für seine explosiven, emotional aufgeladenen Geschichten (God CountryKing in Black), und Vanish 2 macht da keine Ausnahme. Der Comic packt uns von der ersten Seite an und wirft ihn mitten in einen Strudel aus übernatürlichen Kämpfen, verstörenden Visionen und moralischen Abgründen. Cates gelingt es, Oliver als faszinierenden, aber unzuverlässigen Erzähler darzustellen, ein kaputter Mann, der sich selbst nicht trauen kann, aber dennoch unaufhaltsam seinen Rachefeldzug fortsetzt. Das sorgt für eine Spannung, die bis zur letzten Seite nicht nachlässt.

Zeichenstil: Brutal, düster und beeindruckend

Ryan Stegmans Zeichnungen sind ein absolutes Highlight. Mit seinem markanten, dynamischen Stil bringt er die rohe Gewalt und das Chaos der Geschichte perfekt auf den Punkt. Besonders in den Kampfszenen zeigt er sein Können: Jede Bewegung ist voller Wucht, jeder Schlag spürbar. Unterstützt wird er von Gastzeichnern wie V Ken Marion und Netho Diaz, die sich nahtlos in den Stil einfügen und dem Comic noch mehr visuelle Vielseitigkeit verleihen. Die Farbgebung von Sonia Oback verstärkt die düstere Atmosphäre und sorgt für eine bedrückende, fast schon albtraumhafte Stimmung.

Everkeep und das Mysterium der Vergangenheit

Einer der spannendsten Aspekte von Vanish 2 ist die tiefere Erkundung der Figuren. Die magische Welt, rund um Oliver, wird weiter ausgebaut und offenbart einige schockierende Wahrheiten über seine Vergangenheit und die von Baron Vanish. Cates spielt gekonnt mit den Erwartungen von uns und stellt die Frage, ob Oliver wirklich der Held ist, für den er sich hält. Die Enthüllungen über Vanishs Vergangenheit und mögliche Zukunft verleihen der Geschichte zusätzliche Tiefe und werfen moralische Fragen auf, die weit über den klassischen Gut gegen Böse Konflikt hinausgehen.

Action trifft auf psychologischen Horror

Neben den spektakulären Kämpfen ist Vanish 2 auch eine tiefgehende Charakterstudie. Olivers mentale Zerrissenheit wird meisterhaft inszeniert manchmal ist nicht klar, ob das, was wir sehen, wirklich passiert oder nur in seinem Kopf existiert. Diese Ungewissheit macht den Comic besonders fesselnd, da wir ständig hinterfragt, wem oder was er trauen kann. Die Mischung aus magischem Bombast und psychologischem Horror erinnert stellenweise an Moon Knight oder The Sentry, bleibt aber dennoch eigenständig und unverwechselbar.

Ein paar Schwächen gibt es doch …

Trotz all der Stärken hat Vanish 2 auch seine Probleme. Die Story ist stellenweise so rasant, dass einige emotionale Momente etwas untergehen. Gerade Olivers innere Kämpfe hätten an manchen Stellen mehr Raum verdient, bevor es wieder mit Vollgas in den nächsten Kampf geht. Zudem könnte die Vielzahl an Gastzeichnern für einige etwas störend wirken, auch wenn der Stil insgesamt homogen bleibt.

Fazit: Eine düstere Achterbahnfahrt mit Tiefgang

Vanish 2 ist ein wilder, brutaler und emotional aufgeladener Ritt durch eine Welt voller Magie, Wahnsinn und innerer Dämonen. Donny Cates liefert erneut eine packende Geschichte, die sich geschickt zwischen Superhelden-Action und psychologischem Drama bewegt. Besonders beeindruckend ist, wie er Oliver als unzuverlässigen Figur inszeniert, die man zugleich bewundert und fürchtet. Ryan Stegmans Artwork ist überragend und verleiht den Kämpfen eine rohe Intensität, während die düstere Farbpalette von Sonia Oback die bedrückende Atmosphäre perfekt einfängt. Wer auf epische Magie-Duelle, tragische Helden und eine gehörige Portion Wahnsinn steht, kommt hier voll auf seine Kosten. Allerdings hätte die Geschichte stellenweise etwas mehr Atempausen vertragen können, um den emotionalen Aspekten noch mehr Gewicht zu verleihen.

Trotz dieser kleineren Schwäche ist Vanish 2 eine beeindruckende Fortsetzung, die Lust auf mehr macht. Mit einer Mischung aus adrenalingeladener Action, düsterer Mythologie und tiefgehender Charakterstudie hebt sich der Comic angenehm von typischen Superhelden-Storys ab. Wer Cates’ Werke mag, wird hier definitiv nicht enttäuscht.

Vielen Dank an den Skinless Crow Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars. 

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