SIX 3 Der Schwur von Gabaldón

In SIX 3 Der Schwur von Gabaldón geraten die sechs Schatzsucher rund um Kids geheimnisvolle Mine immer stärker unter Druck. Während mehrere Feinde Jagd auf sie machen und sich um die wertvolle Mine streiten, erwacht tief unter der Erde der rachsüchtige Geist des einst verratenen und grausam ermordeten Konquistadors Gabaldón.

Eine Mine voller Geheimnisse

Mit SIX 3 Der Schwur von Gabaldón geht die düstere Westernserie von Philippe Pelaez und Casado in die dritte Runde. Nachdem die sechs sehr unterschiedlichen Schatzsucher bereits einiges durchgemacht haben, führt sie ihr Weg nun endgültig zu Kids geheimnisvoller Mine. Doch statt einfach nur einen Berg voller Gold vorzufinden, wartet dort etwas wesentlich Unheimlicheres. Die Mine ist nämlich nicht nur wegen ihres Reichtums gefährlich, sondern birgt ein jahrhundertealtes Geheimnis, das der Geschichte eine ordentliche Portion Mystery und Horror verpasst.

Gold ist plötzlich nicht mehr das größte Problem

Die Ausgangssituation gefällt mir richtig gut, weil der Comic zunächst genau das klassische Westernmotiv aufgreift: Eine geheimnisvolle Mine, ein möglicher Schatz und jede Menge Menschen, die bereit sind, dafür über Leichen zu gehen. Gleichzeitig macht Pelaez aber schnell deutlich, dass es diesmal um wesentlich mehr geht. Tief unter dem Fels befindet sich der Geist des Konquistadors Gabaldón, der einst verraten und grausam ermordet wurde. Seine Rache kennt offenbar keine Grenzen und macht aus der Schatzsuche einen Kampf ums nackte Überleben.

Sechs Außenseiter gegen eine ganze Welt

Was SIX schon in den vorherigen Bänden ausgezeichnet hat, funktioniert auch hier wieder hervorragend. Die sechs Hauptfiguren sind keine klassischen Westernhelden, die gemeinsam in den Sonnenuntergang reiten. Stattdessen handelt es sich um eine ziemlich ungewöhnliche Gruppe von Außenseitern, die alle ihre eigenen Geschichten, Geheimnisse und Motivationen mitbringen. Gerade dadurch entsteht eine interessante Gruppendynamik, denn Vertrauen ist bei diesen Figuren offensichtlich keine Selbstverständlichkeit.

Wenn aus Verbündeten plötzlich Ziele werden

Besonders spannend wird die Geschichte dadurch, dass die sechs Schatzsucher nicht nur mit dem Fluch von Gabaldón zu kämpfen haben. Rund um die Mine lauern mehrere Feinde, die ebenfalls ihre eigenen Interessen verfolgen. In der französischen Inhaltsbesprechung werden unter anderem die Männer genannt, die sich an Royal und Roxanne rächen wollen, Roxannes Vater Absalom Hevershack, ein Colonel sowie Morfran Ridge, der im Auftrag von Wesley Helleck hinter der Mine her ist. Dadurch entsteht ein regelrechter Belagerungszustand, bei dem kaum jemand weiß, wem er überhaupt trauen kann.

Eine gelungene Mischung aus Western und Horror

Für mich ist gerade die Verbindung aus Western und übernatürlicher Geschichte eine der größten Stärken des Bandes. „SIX“ bleibt seinen Wurzeln als dreckiger und rauer Western treu, erweitert das Ganze aber um eine unheimliche Ebene. Der Geist von Gabaldón wirkt dabei nicht wie ein beliebiges zusätzliches Monster, sondern ist eng mit der Geschichte des Ortes verbunden. Dadurch bekommt die Mine eine fast schon mythische Atmosphäre, die sich angenehm von einem gewöhnlichen Goldsucher-Abenteuer unterscheidet.

Die Spannung zieht spürbar an

Auch das Tempo stimmt. Durch die verschiedenen Parteien, die aufeinandertreffen, und den zunehmenden Druck auf die Hauptfiguren entsteht ständig das Gefühl, dass die Situation jeden Moment eskalieren könnte. Gleichzeitig sorgt der Fluch dafür, dass selbst innerhalb der Mine niemand wirklich sicher ist. Gerade diese Kombination aus menschlichen Gegnern und einer übernatürlichen Bedrohung macht die Geschichte abwechslungsreich. Es gibt nicht den einen Gegner, den die sechs besiegen müssen – praktisch jede Richtung kann ihnen zum Verhängnis werden.

Die Figuren bleiben das Herzstück

Trotz der vielen Action und des Mystery-Anteils bleiben die Charaktere das wichtigste Element der Serie. Pelaez stellt bewusst Figuren in den Mittelpunkt, die im klassischen Western häufig nur Nebenrollen spielen würden: Frauen, Farbige, Ureinwohner, Versehrte und andere gesellschaftlich Ausgegrenzte. Dadurch bekommt „SIX“ einen eigenen Charakter und fühlt sich weniger nach dem hundertsten Standard-Western an. Die sechs Figuren sind nicht unbedingt sympathisch, aber gerade ihre Ecken und Kanten machen sie interessant.

Casados Zeichnungen passen perfekt

Optisch ist SIX 3 ebenfalls wieder eine starke Angelegenheit. Casados Zeichnungen passen hervorragend zum rauen Western-Setting. Staubige Landschaften, harte Gesichter, düstere Minenschächte und brutale Auseinandersetzungen sorgen für eine entsprechend dreckige Atmosphäre. Besonders die Szenen in und rund um die Mine profitieren davon, weil der Künstler den klaustrophobischen Charakter des Schauplatzes gut einfängt. Der Kontrast zwischen der weiten Landschaft des Wilden Westens und den engen, bedrohlichen Stollen funktioniert dabei besonders gut.

Ein starker dritter Band

Der Schwur von Gabaldón macht insgesamt einen gelungenen Eindruck und entwickelt die Geschichte konsequent weiter. Die Mischung aus Western, Schatzsuche, persönlichen Konflikten und übernatürlichem Horror sorgt dafür, dass der dritte Band nicht einfach nur Bekanntes wiederholt. Gleichzeitig bleibt die Serie ihrem düsteren Grundton treu. Wer die ersten beiden Bände mochte, bekommt hier eine spannende Fortsetzung, die den Druck auf die sechs Hauptfiguren noch einmal deutlich erhöht. Der dritte Band zeigt sehr schön, warum SIX mehr sein möchte als ein gewöhnlicher Western. Besonders gelungen finde ich die Mine als zentralen Schauplatz. Sie ist gleichzeitig Schatzkammer, Gefängnis und Schauplatz eines alten Fluchs. Dadurch entsteht eine Atmosphäre, bei der man ständig das Gefühl bekommt, dass unter der Oberfläche noch etwas viel Schlimmeres lauert. Optisch wird das Ganze von Casados Zeichnungen hervorragend unterstützt. Der raue, dreckige Western-Look passt wunderbar zu der Geschichte und lässt gerade die düsteren Szenen in der Mine richtig zur Geltung kommen. Unterm Strich ist SIX 3 Der Schwur von Gabaldón eine starke Fortsetzung für alle, die düstere Western mit Mystery- und Horrorelementen mögen. Die Geschichte wird spannender, die Bedrohung größer und die sechs ungewöhnlichen Hauptfiguren geraten immer stärker unter Druck.

Vielen Dank an den Splitter Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars. 

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