Resident Alien 5: Ein Alien in New York

Dr. Harry Vanderspeigle verlässt widerwillig die ruhige Kleinstadt Patience und reist nach New York, um ein anderes Alien aufzuspüren, das über seine Kunstwerke einen geheimen Code sendet. Begleitet von einem Schamanen hofft er, den Außerirdischen zu finden und vielleicht wieder Kontakt zu seinem Heimatplaneten aufnehmen zu können.
Raus aus Patience, rein ins Chaos
Mit Resident Alien 5 Ein Alien in New York verlässt Dr. Harry Vanderspeigle endlich seine geliebte Kleinstadt Patience – und das merkt man sofort. Der ruhige, fast schläfrige Alltag wird gegen das nervöse Dauerrauschen der Metropole eingetauscht. Für Harry ist New York weniger Abenteuer als kultureller Ausnahmezustand, und genau daraus zieht der Comic einen großen Teil seines Reizes. Gerade auch die Reizüberflutung die Harry erlebt fand ich spannend und gut.
Ein ungewöhnlicher Grund für eine Reise
Der Auslöser für Harrys Trip ist ebenso kreativ wie rätselhaft: Ein anderes Alien hat in seinen Kunstwerken einen Code versteckt. Diese Idee verbindet Kunst, Science-Fiction und Krimi auf charmante Weise. Die Suche nach Bedeutung in scheinbar abstrakten Bildern passt hervorragend zur Grundstimmung der Serie, die gern das Abseitige und Übersehene in den Mittelpunkt stellt.
Der Wunsch nach Heimat
Hinter der Detektivgeschichte verbirgt sich ein sehr persönliches Motiv. Harry hofft, über das fremde Alien endlich wieder Kontakt zu seinem Heimatplaneten aufnehmen zu können. Dieser Wunsch verleiht der Handlung emotionale Tiefe und macht deutlich, dass es in Resident Alien nie nur um Mordfälle oder Rätsel geht, sondern immer auch um Identität und Zugehörigkeit.
New York durch außerirdische Augen
New York wird nicht romantisiert, sondern mit trockenem Humor seziert. Menschenmengen, Lärm und soziale Absurditäten wirken durch Harrys nüchternen Blick noch grotesker. Die Stadt dient als perfekter Kontrast zu Patience und zeigt, wie fremd selbst Vertrautes wirken kann, wenn man es aus einer anderen Perspektive betrachtet.
Ein spiritueller Begleiter
Begleitet wird Harry von einem Schamanen der amerikanischen Ureinwohner, der eine spannende Gegenposition zu Harrys rationaler, außerirdischer Denkweise einnimmt. Diese Begegnung bringt philosophische und spirituelle Aspekte in die Geschichte, ohne belehrend zu wirken. Stattdessen entsteht ein Dialog über Wahrnehmung, Wahrheit und Verbundenheit.
Krimi trifft Science-Fiction
Trotz aller ruhigen Momente bleibt der Comic ein echter Sci-Fi-Krimi. Die Spurensuche nach dem anderen Alien ist clever aufgebaut und hält die Spannung konstant hoch. Peter Hogan beweist erneut ein gutes Gespür dafür, Hinweise dosiert einzusetzen und den Leser neugierig zu halten.
Humor mit feinem Skalpell
Der Humor von Resident Alien ist subtil, fast beiläufig – und gerade deshalb so wirkungsvoll. Harrys Kommentare über menschliche Eigenarten treffen oft schmerzhaft genau. Die Großstadt bietet dabei eine nahezu unerschöpfliche Quelle an Absurditäten, die der Comic genüsslich ausschlachtet.
Zeichnungen mit Charakter
Steve Parkhouses Zeichenstil bleibt auch im fünften Band ein großes Plus. Der feine Strich, die klare Panelstruktur und die ausdrucksstarken Figuren unterstützen den ruhigen Erzählfluss. Besonders die Darstellung New Yorks lebt von Details, ohne den Blick von den Figuren abzulenken.
Ein konsequenter nächster Schritt
Ein Alien in New York fühlt sich nicht wie ein Fremdkörper innerhalb der Reihe an, sondern wie eine logische Weiterentwicklung. Der Ortswechsel bringt frische Impulse, ohne den Kern der Serie zu verlieren: leise Spannung, kluger Humor und ein zutiefst menschlicher Blick auf das Anderssein.
Großstadt, große Wirkung
Der fünfte Band von Resident Alien zeigt eindrucksvoll, dass die Serie auch außerhalb von Patience hervorragend funktioniert. New York verstärkt die Themen Entfremdung und Beobachtung auf natürliche Weise. Humor und Melancholie gehen erneut Hand in Hand. Man lacht über menschliche Absurditäten, bleibt aber oft mit einem nachdenklichen Gefühl zurück, eine große Stärke der Reihe. Was mir hier sehr gefällt sind auch immer wieder die kleinen Momente. Wie in Patience ein kleines Mädchen Harry sieht und sein Bild wie er wirklich aussieht in die Praxis gebracht. Es sind die kleinen Momente, die die Reihe immer wieder sehr stark macht.
Die Reise nach New York ist nicht bloß Kulissenwechsel, sondern ein erzählerischer Schritt nach vorn. Harrys innere Konflikte treten stärker denn je in den Vordergrund und gerade mit dem anderen Alien sieht man, wo Harry aus Sehnsucht nach seiner Heimat vielleicht auch hinkommt. Peter Hogan und Steve Parkhouse liefern erneut eine stimmige Mischung aus spannender Geschichte und atmosphärischer Zeichnung. Ihr Zusammenspiel wirkt routiniert, aber keineswegs müde. Resident Alien 5 Ein Alien in New York ist ein weiterer Beweis dafür, warum diese Serie zu den charmantesten Sci-Fi-Comics zählt humorvoll, klug und angenehm anders.
Vielen Dank an den Splitter Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
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