Dept. H Band 2

Während die Tiefseebasis kurz vor dem Untergang steht, jagt Mia den Mörder ihres Vaters. Die Crew kämpft ums Überleben, während gefährliche Geheimnisse ans Licht kommen – und alles zu einem Wettlauf gegen die Zeit wird.
Abtauchen in die Tiefe: Dept. H im Überblick
Mit Dept. H liefert Matt Kindt ein intensives, ungewöhnliches Comic-Erlebnis ab, das sich irgendwo zwischen Krimi, Science-Fiction und psychologischem Drama bewegt. Schon die Grundidee ein Mordfall in einer Tiefseeforschungsstation ist stark, doch Kindt geht weit darüber hinaus. Die klaustrophobische Atmosphäre, gepaart mit einem ständig tickenden Zeitdruck, macht die Geschichte zu einem echten Pageturner.
Story, mehr als nur ein Mordfall
Im Zentrum steht Mia, die den mysteriösen Tod ihres Vaters aufklären will. Doch während sie ermittelt, wird schnell klar: Hier geht es nicht nur um einen einfachen Mord. Die gesamte Crew scheint etwas zu verbergen, und die Tiefseestation selbst wird zunehmend zur tödlichen Falle. Besonders spannend ist, wie sich die Handlung immer weiter zuspitzt, während gleichzeitig die äußeren Bedingungen eskalieren. Gerade die Rückblenden zu jeder Figur haben mit sehr gut gefallen und liefern ein schönes und auch rundes Feld ab zu Gesamtlage. Gerade durch die verschiedenen Rückblenden bekommen die Figuren eine sehr schöne Tiefe.
Spannung unter Druck
Was Dept. H so besonders macht, ist die konstante Bedrohung. Die Station steht kurz vor der Zerstörung, Sauerstoff wird knapp, und jeder Fehler könnte das Ende bedeuten. Dieses Gefühl von Enge und Ausweglosigkeit überträgt sich direkt auf die Leser. Man merkt förmlich, wie die Luft dünner wird – ein Effekt, den nicht viele Comics so überzeugend hinbekommen.
Mia als starke Hauptfigur
Mia ist keine klassische Heldin. Sie ist klug, ruhig und analytisch, aber gleichzeitig emotional belastet durch den Verlust ihres Vaters. Gerade diese Mischung macht sie so glaubwürdig. Ihre Entwicklung im Laufe der Geschichte ist subtil, aber spürbar – sie wächst mit jeder neuen Enthüllung und bleibt dabei stets nachvollziehbar.
Figuren mit Geheimnissen
Auch die Nebenfiguren sind alles andere als eindimensional. Jeder Charakter bringt seine eigene Vergangenheit und Motivation mit, und das sorgt für eine dichte, fast schon paranoide Stimmung. Man weiß nie so genau, wem man trauen kann – und genau das macht den Reiz aus.
Der besondere Zeichenstil
Matt Kindts Zeichenstil ist eigenwillig und hebt sich deutlich vom Mainstream ab. Die aquarellartigen Farben wirken oft roh und ungeschliffen, passen aber perfekt zur düsteren Unterwasserwelt. Gerade die Farbgebung trägt enorm zur Atmosphäre bei und verstärkt das Gefühl von Isolation und Gefahr.
Erzählstruktur mit Tiefgang
Die Geschichte wird nicht linear erzählt, sondern arbeitet viel mit Rückblenden und Erinnerungen. Das kann anfangs etwas verwirrend sein, zahlt sich aber aus, da sich nach und nach ein komplexes Gesamtbild ergibt. Kindt verlangt hier ein wenig Aufmerksamkeit, belohnt diese aber mit einer vielschichtigen Story.
Große Themen im kleinen Raum
Trotz des begrenzten Settings behandelt Dept. H große Themen: Vertrauen, Schuld, Verantwortung und die Frage, wie weit Menschen gehen, um zu überleben. Auch die Enthüllungen rund um die Organisation selbst geben der Geschichte eine zusätzliche Ebene, die weit über den eigentlichen Mordfall hinausgeht.
Ein Finale mit Konsequenzen
Das Finale ist intensiv und konsequent. Es gibt keine einfachen Lösungen oder klassischen Happy Ends. Stattdessen bleibt ein bittersüßer Nachgeschmack, der lange im Kopf bleibt. Genau das macht den Comic so nachhaltig – er traut sich, unbequem zu sein.
Fazit
Dept. H ist kein Comic für nebenbei. Wer hier einsteigt, sollte bereit sein, sich auf eine dichte, fordernde Geschichte einzulassen. Doch genau das macht den Reiz aus: Die Mischung aus Krimi, Science-Fiction und psychologischem Drama funktioniert erstaunlich gut und sorgt für ein einzigartiges Leseerlebnis. Besonders hervorzuheben ist die Atmosphäre. Die Tiefseestation wird fast zu einem eigenen Charakter bedrohlich, unberechenbar und gleichzeitig faszinierend. Diese Kulisse hebt den Comic deutlich von anderen Genre-Vertretern ab und sorgt für eine konstant hohe Spannung. Auch erzählerisch zeigt Matt Kindt seine Stärke. Die nicht-lineare Struktur und die vielen kleinen Details verlangen Aufmerksamkeit, bieten aber auch eine Tiefe, die man selten findet. Wer gerne mitdenkt, wird hier voll auf seine Kosten kommen. Der ungewöhnliche Zeichenstil dürfte nicht jedem gefallen, ist aber ein integraler Bestandteil der Wirkung. Gerade in Kombination mit der Story entfaltet er eine starke visuelle Identität, die man so schnell nicht vergisst. Unterm Strich ist Dept. H ein anspruchsvoller, atmosphärisch dichter Comic, der sich deutlich vom Mainstream abhebt. Wer Lust auf eine spannende, intelligente und visuell eigenständige Geschichte hat, sollte hier definitiv einen Blick riskieren.
Vielen Dank an den Skinless Crow Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
Neueste Kommentare