Pandora Hearts 1

Oz Vessalius, Erbe einer angesehenen Adelsfamilie, soll an seinem fünfzehnten Geburtstag seine Volljährigkeitszeremonie feiern, doch während der Feier wird er von mysteriösen Gestalten in den Abyss, eine düstere Unterwelt, verbannt. Dort begegnet er dem geheimnisvollen Mädchen Alice, einem mächtigen Chain, mit dem er einen illegalen Vertrag eingeht, um dem Abyss zu entkommen.

Ein Auftakt voller Geheimnisse

PandoraHearts legt bereits im ersten Band eine Menge Rätsel auf den Tisch und macht damit ziemlich schnell neugierig. Wer genau ist Alice? Warum wurde Oz in den Abyss verbannt? Was hat es mit den Chains auf sich und warum interessiert sich die Organisation Pandora für Oz? Antworten gibt es zunächst nur häppchenweise, wodurch ständig das Gefühl entsteht, dass hinter der eigentlichen Geschichte noch eine viel größere Wahrheit steckt.

Oz als ungewöhnlicher Held

Oz ist dabei kein typischer Fantasy-Held, der von Anfang an ernst und entschlossen durch die Welt marschiert. Er ist verspielt, frech und liebt es, seinen Freund Gilbert ein wenig zu ärgern. Gleichzeitig merkt man schnell, dass hinter seiner fröhlichen Art auch Unsicherheit steckt. Gerade diese Mischung macht ihn sympathisch und sorgt dafür, dass seine Entwicklung interessant werden dürfte. Was aber auch passiert mit ihm ist, dass er nach seinem Aufenthalt im Abyss auch etwas unvorhersehbarer wird. 

Alice ist der heimliche Star

Besonders Alice hat es mir angetan. Sie wirkt zunächst wie ein mysteriöses Mädchen, ist aber gleichzeitig unglaublich direkt, temperamentvoll und überhaupt nicht auf den Mund gefallen. Dazu kommt ihre Verbindung zum Abyss und ihre Gestalt als mächtiger Chain B-Rabbit. Ihre Suche nach den verlorenen Erinnerungen gibt der Geschichte einen schönen emotionalen Kern.

Insgesamt hat sie noch sehr viel Potenzial und ich bin gespannt was ihre Vergangenheit und ihre Erinnerungen noch so für uns bereit hält. 

Gilbert und die Freundschaft

Auch Gilbert bekommt bereits im ersten Band eine wichtige Rolle. Die Freundschaft zwischen ihm und Oz sorgt für einige humorvolle Momente, gleichzeitig wird deutlich, dass hinter ihrer Beziehung mehr steckt als nur ein Diener, der ständig die Fehler seines Herrn ausbaden muss. Gilbert ist eine Figur, bei der man bereits früh merkt, dass sie eine größere persönliche Geschichte mit Oz verbindet.

Der Abyss als faszinierende Welt

Der Abyss gehört für mich zu den größten Pluspunkten des Mangas. Die Unterwelt wirkt düster, fremdartig und gleichzeitig unglaublich fantasievoll. Die dort lebenden Chains sind keine gewöhnlichen Monster, sondern Wesen mit eigenen Regeln und teilweise sehr bizarren Erscheinungsformen. Dadurch entsteht eine Welt, bei der man unbedingt mehr erfahren möchte.

Alice im Wunderland trifft Dark Fantasy

Die Anleihen an Alice im Wunderland sind deutlich erkennbar, werden aber nicht einfach kopiert. Namen, Motive und bestimmte Gestaltungselemente werden in eine deutlich düsterere Fantasywelt übertragen. Dadurch entsteht eine interessante Mischung aus Märchen, Gothic-Atmosphäre und Mystery. Gerade diese Kombination gibt Pandora  seinen eigenen Charakter.

Die Sache mit den zehn Jahren

Ein besonders starker Moment ist Oz’ Rückkehr aus dem Abyss. Für ihn sind kaum zehn Minuten vergangen, während in der normalen Welt zehn Jahre verstrichen sind. Dadurch wird sofort klar, dass die Regeln dieser Welt nicht mit unserer Realität funktionieren. Gleichzeitig verändert dieser Zeitsprung die Ausgangssituation enorm und macht neugierig darauf, was in den vergangenen Jahren passiert ist.

Zeichnungen und Atmosphäre

Jun Mochizukis Zeichenstil passt hervorragend zu dieser Geschichte. Die Figuren sind detailliert gestaltet, während die düsteren Schauplätze und Chains eine teilweise märchenhafte, teilweise bedrohliche Atmosphäre erzeugen. Besonders schön sind die Kostüme und die vielen kleinen Details, die der Welt einen leicht viktorianischen und gleichzeitig fantastischen Look verleihen.

Ein Auftakt, der neugierig macht

Was mir an Band 1 besonders gefällt, ist das Verhältnis zwischen Antworten und neuen Fragen. Der Manga erklärt genug, damit man die grundlegenden Zusammenhänge versteht, hält aber bewusst vieles zurück. Dadurch fühlt sich der Band wie der Beginn eines großen Puzzles an. Man möchte nach dem Ende eigentlich sofort wissen, wie es mit Oz, Alice und Gilbert weitergeht. Besonders gelungen finde ich die Dynamik zwischen den beiden. Oz versucht, trotz seiner schwierigen Situation relativ locker zu bleiben, während Alice deutlich impulsiver und direkter reagiert.

Gleichzeitig wird schnell klar, dass hinter der Oberfläche wesentlich mehr steckt. Die Organisation Pandora, die Familie Baskerville, der Abyss und Oz’ Vergangenheit sind nur einige der offenen Fragen. Man sollte allerdings wissen, dass Band 1 vor allem Grundlagen legt. Vieles wird bewusst nur angedeutet, und genau diese offenen Fragen bilden den Antrieb für die weitere Handlung.

Dafür macht der Band seine Sache als Auftakt richtig gut. Die Welt ist interessant, die Charaktere bleiben im Gedächtnis und die Handlung entwickelt schnell einen eigenen Sog. Für Fans von Fantasy und Mystery bietet PandoraHearts eine spannende Mischung aus düsterer Atmosphäre, schwarzem Humor und märchenhaften Elementen. Besonders die Chains und der Abyss sorgen dafür, dass sich der Manga von gewöhnlichen Fantasy-Geschichten abhebt. Auch optisch gibt es viel zu entdecken. Für mich ist Pandora Hearts 1 deshalb ein sehr gelungener Einstieg in eine größere Geschichte. Der Band beantwortet gerade genug, um Interesse zu wecken, lässt aber genügend Geheimnisse offen, um unbedingt weiterlesen zu wollen.

Vielen Dank an den Carlsen Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars. 

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