West Fantasy 03: Die Orkfrau, der Richter & der Marshal

Yaretsi ist eine skrupellose Outlaw-Anführerin, die Banken und Züge überfällt. Als sie sich mit einem Magier anlegt, entgeht sie nur knapp dem Tod. Nun steht sie vor dem stummen Richter Robert Anderson, dem sie mit einem Geheimnis aus seiner Kindheit einen Deal abringen kann. Um dem Galgen zu entkommen und Rache zu nehmen, muss sie jedoch in die gefährlichste Stadt des Westens reisen: Deadhill.
Mit West Fantasy 3 Die Orkfrau, der Richter & der Marshal setzt die Reihe ihren wilden Ritt durch ein staubiges, magiedurchtränktes Grenzland konsequent fort. Der dritte Band fühlt sich dabei wie ein erzählerischer Knotenpunkt an: Figuren treffen aufeinander, Vergangenheiten holen sie ein und die moralischen Grauzonen des Westens werden noch dunkler ausgeleuchtet. Locker erzählt, aber thematisch erstaunlich dicht, beweist der Comic, dass das Konzept der Serie längst mehr ist als nur ein cleverer Genre-Gag.
Setting & Genre-Mix
Der Mix aus Western und Fantasy funktioniert erneut hervorragend. Bankenüberfälle, Galgen und staubige Städte treffen auf Magier, Orks und eine Welt, in der Zauber genauso tödlich sind wie Revolver. West Fantasy lebt von diesem Spannungsfeld, und gerade Band 3 nutzt es besonders effektiv, indem er klassische Westernmotive mit düsteren Fantasy-Elementen verschränkt. Tolkien küsst Tarantino und das mit ordentlich Pulverrauch in der Luft.
Hauptfigur Yaretsi
Yaretsi ist eine Protagonistin, wie man sie sich für dieses Setting wünscht: kompromisslos, frech und moralisch alles andere als sauber. Als Orkfrau und Outlaw steht sie gleich doppelt außerhalb der Gesellschaft, was sie aber nur umso interessanter macht. Ihre Sturheit bringt sie zwar in Lebensgefahr, verleiht ihr aber auch eine enorme Präsenz. Man folgt ihr nicht, weil sie gut ist, sondern weil sie spannend ist.
Richter und Marshal
Besonders stark sind die Nebenfiguren gezeichnet. Der stumme Richter Robert Anderson wirkt bedrohlich, kontrolliert und geheimnisvoll, ohne viele Worte zu brauchen. Douglas Reeves, der gefallene Marshal, bringt eine melancholische Note ins Geschehen und fungiert als moralischer Gegenpol zu Yaretsi. Ihre Dynamiken untereinander sind komplex und sorgen dafür, dass jede Begegnung knistert.
Handlung & Dramaturgie
Die Geschichte nimmt sich Zeit, ohne träge zu wirken. Der Deal zwischen Yaretsi und dem Richter ist ein cleverer erzählerischer Kniff, der Spannung erzeugt und gleichzeitig Raum für Hintergrundgeschichten lässt. Die Reise nach Deadhill der angeblich gefährlichsten Stadt des Westens fühlt sich wie der ruhige Moment vor dem Sturm an. Man spürt förmlich, dass hier noch einiges eskalieren wird.
Dialoge & Ton
Der Ton des Comics ist angenehm rau, mit trockenen Dialogen und gelegentlichen bitteren Humorblitzen. Die Sprache passt perfekt zum Western-Setting, ohne altbacken zu wirken. Besonders gelungen ist, wie viel über Blicke, Gesten und Andeutungen erzählt wird – gerade beim stummen Richter ein starkes Stilmittel.
Zeichnungen & Artwork
Optisch bleibt West Fantasy eine Augenweide. Die Zeichnungen sind detailreich, dynamisch und voller Kontraste. Staubige Landschaften, dunkle Innenräume und magische Effekte ergänzen sich hervorragend. Die Figuren wirken markant und ausdrucksstark, was gerade bei Yaretsi und dem Richter besonders zur Geltung kommt.
Gewalt & Atmosphäre
Die Brutalität des Wilden Westens wird nicht beschönigt. Gewalt ist präsent, aber nie selbstzweckhaft. Sie unterstreicht die Härte der Welt und die Konsequenzen der Entscheidungen der Figuren. Die Atmosphäre ist dicht, düster und durchgehend spannend – ein Comic, der sich eher erwachsen als gefällig gibt.
Fazit
West Fantasy 3 Die Orkfrau, der Richter & der Marshal erweist sich als atmosphärisch dichter Band, der klar die Stärken der Serie hervorhebt. Statt sich ausschließlich auf Action und Schauwerte zu verlassen, rückt dieser Teil auch die Figuren zu einem guten Maß ins Rampenlicht um ihre Beweggründe zu greifbar zu machen. Besonders Yaretsi profitiert von dieser Fokussierung. Sie ist keine Heldin, sondern eine Überlebenskünstlerin mit Ecken, Kanten und fragwürdigen Entscheidungen. Gerade diese Mischung macht sie interessant. Der stumme Richter und der gefallene Marshal sind dabei weit mehr als bloße Gegenspieler oder Nebenfiguren. Ihre Hintergrundgeschichten
, gerade die des Marshal kenne wir ja bereits und ihre moralischen Grauzonen verleihen der Handlung zusätzliche Spannung. Der Deal zwischen Yaretsi und dem Richter ist nicht nur ein cleverer Plotpunkt, sondern auch ein Anker, der das Geschehen zusammenhält und neugierig auf die weiteren Entwicklungen macht. Auch atmosphärisch überzeugt der Band auf ganzer Linie. Die Schauplätze, die allgegenwärtige Gewalt und die unterschwellige Bedrohung machen Deadhill schon vor dem eigentlichen Betreten zu einem Ort, den man meiden will. Der Zeichenstil transportiert diese Stimmung hervorragend und lässt den Comic wie einen staubigen, blutigen Fantasy-Western-Film wirken. Unterm Strich ist West Fantasy 3 ein starker Comic, der beweist, wie viel erzählerisches Potenzial in diesem Genre-Mix steckt.
Vielen Dank an den Splitter Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
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