Rainbow 3

Japan im Jahr 1956 ist noch immer von den Entbehrungen der Nachkriegszeit geprägt, besonders für die Schwächsten der Gesellschaft. Mario trainiert nach seiner schweren Niederlage unermüdlich für einen neuen Boxkampf, während Noboru auf dem Schwarzmarkt Zigaretten verkauft und dabei von der Polizei verhaftet wird. Bei dem Verhör erfährt er, dass Ishihara hinter seiner Festnahme steckt und Rokurota Sakuragi in akuter Lebensgefahr ist.

Rückkehr in ein zerrissenes Japan

Rainbow Band 3 führt uns erneut ins Japan des Jahres 1956 ein Land, das den Krieg zwar hinter sich gelassen hat, dessen Wunden aber noch lange nicht verheilt sind. Die Nachkriegszeit wird weiterhin schonungslos dargestellt: Armut, Gewalt und Hoffnungslosigkeit prägen den Alltag, besonders für jene, die ohnehin am Rand der Gesellschaft stehen. Der Manga verliert keine Zeit und wirft uns direkt zurück in diese beklemmende Atmosphäre, die sofort klar macht: Hier wird nichts beschönigt.

Marios ungebrochener Kampfgeist

Ein zentrales Element des dritten Bandes ist Marios Vorbereitung auf seinen nächsten Boxkampf. Nach der vernichtenden Niederlage gegen den amerikanischen Soldaten hätte er leicht aufgeben können doch genau das Gegenteil passiert. Mario trainiert pausenlos, getrieben von Stolz, Wut und dem Wunsch, sich selbst und der Welt etwas zu beweisen. Der Bruder gibt hier ganz spannende Tipps und baut mit ihm zusammen eine Strategie auf, die er eisern verfolgt, auch wenn ein Sieg teuer erkauft wird. Diese Entschlossenheit macht ihn zu einer der greifbarsten Figuren des Bandes.

Boxen als Ventil und Symbol

Das Boxen ist in Rainbow nie nur Sport. Auch in Band 3 steht der Ring sinnbildlich für den Kampf ums Überleben in einer ungerechten Welt. Jeder Schlag, jede Schweißperle wirkt wie ein Aufschrei gegen die Umstände, die Mario kleinhalten wollen. Die Zeichnungen fangen diese physische wie emotionale Anspannung eindrucksvoll ein und lassen die Vorbereitung auf den Kampf fast schmerzhaft intensiv wirken. Der

Kampf nimmt hier auch vor dem Zeitsprung einen großen Platz ein und ist visuell stark gestaltet. 

Noboru und der gefährliche Alltag

Parallel dazu folgt der Manga Noboru, der sich auf den Schwarzmarkt begibt, um mit Zigaretten ein paar Yen zu verdienen. Diese scheinbar banale Handlung zeigt erneut, wie dünn die Linie zwischen Freiheit und Gefängnis in dieser Zeit ist. Ein falscher Blick, ein bekanntes Gesicht und schon schnappt die Falle zu. Noborus Festnahme fühlt sich bedrückend real an und erinnert daran, wie allgegenwärtig Angst und Kontrolle sind. Hier bekommen wir auch die Konsequenz seiner Gefangenschaft zu spüren, denn dadurch kommt man die Spur der Jungs. 

Ishihara, Grausamkeit ohne Maske

Ishihara bleibt auch in Band 3 einer der erschreckendsten Antagonisten der Reihe. Seine Brutalität ist nicht impulsiv, sondern kalt und berechnend. Dass er kurz davor steht, Rokurota Sakuragi zu ermorden, setzt einen emotionalen Tiefpunkt, der schwer im Magen liegt. Der Manga zeigt hier gnadenlos, wie Machtmissbrauch Menschenleben bedroht. Im Laufe der Handlung finde ich ihn tatsächlich sehr stark umgesetzt, gerade nach dem Zeitsprung sieht man erst, wie kaputt er eigentlich schon die ganze Zeit war. 

Dr. Sasaki kommt hier auch nicht zu kurz und zeigt hier gerade im zweiten Teil der Geschichte wieder seine abartige Seite. 

Freundschaft unter Extrembedingungen

Gerade in diesen düsteren Momenten glänzt Rainbow mit seinem Fokus auf Freundschaft. Die Verbindung zwischen den Figuren wirkt ehrlich und hart erkämpft. Loyalität ist hier kein großes Wort, sondern eine Frage des Überlebens. Jeder versucht auf seine Weise, die anderen zu schützen – selbst wenn das bedeutet, sich selbst in Gefahr zu bringen.

Erzähltempo und Spannungsaufbau

Band 3 überzeugt durch ein gut ausbalanciertes Erzähltempo. Ruhige, fast hoffnungsvolle Trainingsmomente wechseln sich mit plötzlicher, brutaler Gewalt ab. Diese Kontraste halten die Spannung konstant hoch und sorgen dafür, dass man den Manga kaum aus der Hand legen möchte. Die Handlung verzahnt persönliche Schicksale geschickt mit der größeren gesellschaftlichen Realität. Wenn wir uns den Band anschauen muss ich sagen, fand ich den Zeitsprung hier wirklich sehr spannend als Element und auch stark umgesetzt. Was wir hier sehr schön haben ist, dass die Handlung auch dort spannend umgesetzt wird und darauf möchte ich aber nicht zu weit eingreifen, denn da würde ich einiges vorweg nehmen. 

Zeichnungen mit emotionaler Wucht

Visuell bleibt Rainbow seiner Linie treu: realistisch, roh und emotional. Gesichtsausdrücke erzählen oft mehr als Dialoge, besonders in Momenten der Angst oder Verzweiflung. Die Zeichnungen verstärken die ohnehin schwere Stimmung und machen Band 3 zu einer intensiven Leseerfahrung, die noch lange nachhallt.

Ein weiterer Schlag in die Magengrube

Rainbow Band 3 setzt die Geschichte kompromisslos fort und scheut sich nicht, die Grausamkeit seiner Welt weiter zuzuspitzen. Die Mischung aus persönlichem Kampf, sozialer Ungerechtigkeit und psychischem Druck funktioniert erneut erschreckend gut. Gerade weil nichts beschönigt wird, fühlt sich die Geschichte so ehrlich an. Besonders Marios Entwicklung bleibt hängen. Sein unermüdlicher Wille, trotz Niederlagen weiterzumachen, wirkt inspirierend, ohne jemals kitschig zu werden. Der Boxkampf wird nicht als einfache Erlösung dargestellt, sondern als weiterer Schritt auf einem steinigen Weg und der Weg ist wahrlich steinig. Rokurota Sakuragi ist hier wieder voll im Zentrum der Handlung, er zeigt wie stark der menschliche Wille sein kann und was Freundschaft bedeutet, auch wenn der Preis den er hier zahlt sehr hoch ist. Ishihara als Antagonist sorgt dafür, dass die Bedrohung jederzeit spürbar bleibt. Seine Präsenz verleiht der Handlung eine konstante Spannung und macht deutlich, wie gefährlich Macht in den falschen Händen ist. Was mir hier ebenfalls sehr gut gefallen hat ist der zweite Teil des Bandes, der nach einem kleinen Zeitsprung spielt und Mario weiterhin im Zentrum der Handlung hält. Insgesamt ist Rainbow 3 ein düsterer, emotional aufwühlender Band, der die Reihe konsequent weiterentwickelt. Wer sich auf die Härte der Geschichte einlässt, wird mit tiefen Charakteren, starker Atmosphäre und einer Handlung belohnt, die unter die Haut geht.

Vielen Dank an Cross Cult für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars. 

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