Orks & Goblins 29 Die Bogenschützen von Orethia

Fraak und zwei Goblins suchen Ruhm und Abenteuer und treten den Orethia-Bogenschützen bei. Doch aus der großen Chance wird schnell ein Albtraum, und sie erkennen, dass der Weg zur Legende schmerzhaft ist.

Einleitung: Kleine Goblins, große Träume

Mit Orks & Goblins 29 Die Bogenschützen von Orethia setzt die Reihe ihre Stärke fort, ungewöhnliche Perspektiven auf die Fantasywelt zu eröffnen. Dieses Mal stehen keine wuchtigen Orks im Mittelpunkt, sondern drei Goblins, die von Ruhm, Gold und einem besseren Leben träumen. Schon der Einstieg macht klar: Hier geht es weniger um heroische Glorie, sondern um bittere Erfahrungen, schwarzhumorige Momente und den Preis von falschen Versprechungen.

Die Ausgangslage: Verlockende Versprechen

Fraak und seine beiden Gefährten sind einfache Goblins mit großen Ambitionen. Als ein Anwerber der legendären Bogenschützen von Orethia auftaucht, klingt alles zu schön, um wahr zu sein: gutes Gehalt, Abenteuer und die Chance, die Welt zu sehen. Die Geschichte spielt geschickt mit dieser Hoffnung und zeigt, wie leicht sich Außenseiter von glänzenden Worten blenden lassen.

Vom Traum zum Albtraum

Kaum sind die Goblins Teil der Einheit, kippt die Stimmung. Aus dem verheißungsvollen Abenteuer wird schnell ein gnadenloser Alltag voller Drill, Gewalt und Willkür. Der Comic versteht es hervorragend, diesen Bruch darzustellen, ohne dabei platt oder vorhersehbar zu wirken. Gerade dieser Wandel macht die Geschichte so eindringlich.

Fraak als Identifikationsfigur

Fraak ist kein klassischer Held, sondern ein Goblin mit Schwächen, Ängsten und einer gehörigen Portion Naivität. Genau das macht ihn sympathisch. Seine Reaktionen auf die zunehmende Grausamkeit der Bogenschützen wirken glaubwürdig und verleihen der Geschichte emotionale Tiefe. Man leidet mit ihm, auch wenn man weiß, dass diese Welt selten Gnade kennt.

Die Bogenschützen von Orethia

Die titelgebenden Bogenschützen sind weit entfernt von edlen Kriegern. Sie verkörpern eine brutale Elite, die ihren legendären Ruf mit Blut und Schmerz verteidigt. Der Comic entzaubert geschickt den Mythos militärischer Ruhmestaten und zeigt, wie Legenden auf dem Leid der Schwächeren aufgebaut werden.

Erzähltempo und Dramaturgie

Das Tempo der Geschichte ist gut ausbalanciert. Ruhige, fast humorvolle Passagen wechseln sich mit harten, schockierenden Momenten ab. Diese Dynamik sorgt dafür, dass man ständig weiterlesen möchte, ohne dass die Geschichte gehetzt wirkt. Besonders die Eskalation im späteren Verlauf bleibt lange im Gedächtnis.

Zeichnungen und Atmosphäre

Visuell überzeugt der Band mit detailreichen Zeichnungen und einer düsteren Farbpalette. Die Welt von Orethia wirkt schmutzig, gefährlich und glaubwürdig. Mimik und Körpersprache der Goblins transportieren Emotionen oft stärker als Dialoge, was der Geschichte zusätzliche Tiefe verleiht.

Humor zwischen Grausamkeit

Trotz aller Brutalität verliert der Comic seinen typischen, bitteren Humor nicht. Kleine Dialogspitzen und absurde Situationen lockern die düstere Stimmung auf, ohne sie zu untergraben. Gerade dieser Kontrast ist eine der großen Stärken der Reihe.

Ein weiterer starker Band der Reihe

Die Bogenschützen von Orethia fügt sich nahtlos in die Qualität der bisherigen Bände ein, sticht aber durch seine besonders tragische Note hervor. Die Geschichte bleibt lange nach dem Lesen im Kopf und zeigt einmal mehr, wie viel erzählerisches Potenzial in der Welt von Orks & Goblins steckt.

Klare Leseempfehlung

Orks & Goblins 29 Die Bogenschützen von Orethia ist ein guter Comic, der Fans der Reihe ebenso begeistern wird wie Leser, die düstere Fantasy schätzen. Die Bogenschützen von Orethia ist ein Band, der bewusst mit Erwartungen bricht. Statt heroischer Schlachten und glorreicher Siege bekommt man eine Geschichte über Ausbeutung, falsche Versprechen und den hohen Preis von Ruhm serviert. Gerade diese schonungslose Ehrlichkeit macht den Comic so stark. Er zeigt, dass Legenden selten für diejenigen geschrieben werden, die sie mit Blut und Leid bezahlen. Die Wahl, Goblins ins Zentrum der Handlung zu stellen, erweist sich erneut als großer Gewinn für die Reihe. Fraak und seine Gefährten sind keine Karikaturen, sondern tragische Figuren, deren Hoffnungen nachvollziehbar und menschlich wirken. Ihre Naivität, ihr Ehrgeiz und ihre Angst machen sie greifbar und sorgen dafür, dass die Geschichte emotional deutlich stärker treffen. Besonders eindrucksvoll ist die Art und Weise, wie der Comic den Mythos elitärer Kriegseinheiten demontiert. Die Bogenschützen von Orethia sind keine strahlenden Vorbilder, sondern ein System aus Drill, Gewalt und Einschüchterung. Der Band vermittelt klar, dass Ruhm oft nur aus der Distanz glänzt, während er aus der Nähe betrachtet vor allem Schmerz und Verlust bedeutet. Trotz aller Härte verliert der Comic nie seinen typischen Humor. Gerade diese humorvollen Spitzen sorgen dafür, dass die Geschichte nicht erdrückend wirkt, sondern ihre Wirkung entfalten kann.

Insgesamt ist Orks & Goblins 29 Die Bogenschützen von Orethia ein starker Band, der sowohl erzählerisch als auch thematisch überzeugt.

Vielen Dank an den Splitter Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars. 

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