I hate Fairyland 1

Ein verrücktes Märchenabenteuer im Stil von Adventure Time und Alice im Wunderland, das seine niedliche Welt mit schwarzem Humor und überdrehter Gewalt à la Deadpool verbindet. Im Mittelpunkt steht Gert – eine vierzigjährige Frau im Körper eines Kindes, die seit Jahrzehnten in Fairyland feststeckt und sich mit ihrer riesigen Streitaxt blutig den Weg nach Hause bahnt.
Ein Märchen, das komplett ausrastet
I Hate Fairyland 1 von Skottie Young ist genau das, was der Titel verspricht und gleichzeitig viel mehr. Auf den ersten Blick wirkt alles wie ein klassisches, buntes Kinderabenteuer voller Zuckerwattefarben, niedlicher Kreaturen und magischer Landschaften. Doch schon nach wenigen Seiten wird klar: Dieses Märchen ist völlig durchgedreht, bitterböse und richtet sich ganz sicher nicht an Kinder. Young nimmt die typische „Kind landet in Fantasiewelt“-Geschichte und dreht sie so lange auf, bis sie blutig, sarkastisch und herrlich absurd ist.
Die ungewöhnlichste Heldin seit Langem
Im Mittelpunkt steht Gertrude, kurz Gert – eine Frau um die vierzig, die im Körper eines sechsjährigen Mädchens feststeckt. Seit über 30 Jahren sitzt sie in Fairyland fest und versucht verzweifelt, den Weg nach Hause zu finden. Das Problem: Die Aufgaben, die man ihr stellt, sind eigentlich für ein Kind gedacht – und Gerts Geduld ist längst am Ende. Ihre Lösung? Eine riesige Streitaxt und eine extrem kurze Zündschnur. Diese Mischung aus kindlicher Optik und erwachsener Frustration macht sie zu einer der unterhaltsamsten Antiheldinnen im Comicbereich.
Niedlich trifft auf komplett eskaliert
Der größte Reiz des Comics liegt im Kontrast. Fairyland ist übertrieben süß: sprechende Tiere, pastellfarbene Landschaften und grinsende Fantasiewesen. Doch Gert reagiert auf diese Welt mit brutaler Gewalt und beißendem Zynismus. Skottie Young spielt bewusst mit der Erwartungshaltung und liefert eine Parodie auf klassische Fantasy- und Märchenklischees, die gleichzeitig liebevoll und gnadenlos ist.
Humor zwischen Wahnsinn und Wortwitz
Der Humor funktioniert auf mehreren Ebenen. Einerseits gibt es die überdrehte Cartoon-Gewalt, die so überzogen ist, dass sie eher slapstickartig wirkt. Andererseits überzeugt der Comic mit trockenem, oft sehr schwarzem Humor und vielen sarkastischen Kommentaren. Gerts Dialoge sind bissig, frustriert und herrlich respektlos gegenüber allem, was in Fairyland als magisch und wundervoll gelten soll.
Skottie Youngs unverwechselbarer Stil
Optisch ist I Hate Fairyland ein echtes Highlight. Skottie Young ist bekannt für seinen verspielten, cartoonartigen Zeichenstil, der perfekt zur Geschichte passt. Die Figuren sind überzeichnet, die Emotionen extrem und die Welt wirkt lebendig und chaotisch. Gleichzeitig sind die Actionsequenzen dynamisch und detailreich – ein wilder Mix aus Kinderbuchästhetik und Comic-Anarchie.
Eine Welt voller absurder Ideen
Fairyland selbst ist mehr als nur Kulisse. Jede Station auf Gerts Reise bringt neue, verrückte Kreaturen, absurde Aufgaben oder völlig sinnlose Herausforderungen mit sich. Gerade diese Unvorhersehbarkeit sorgt dafür, dass keine Seite langweilig wird. Man weiß nie, ob gleich ein Rätsel, ein Monster oder einfach nur ein weiterer Nervenzusammenbruch von Gert wartet.
Nebenfiguren mit eigenem Charme
Auch die Nebencharaktere tragen viel zum Spaß bei. Besonders Larry, die sprechende Fliege, ist ein perfekter Gegenpol zu Gerts explosivem Temperament. Er ist optimistisch, freundlich und versucht ständig, die Situation zu retten – meist ohne Erfolg. Diese Dynamik sorgt für zusätzliche humorvolle Momente und macht die Geschichte lebendiger.
Mehr als nur Chaos
Trotz aller Gewalt und des Humors steckt auch eine clevere Idee hinter dem Comic. Im Kern geht es um Frustration, das Gefühl festzustecken und den Verlust von Geduld mit einer Welt, die einfach nicht so funktioniert, wie man es möchte. Hinter dem ganzen Wahnsinn steckt also eine überraschend nachvollziehbare emotionale Grundlage.
Für wen sich der Comic lohnt
I Hate Fairyland 1 ist ideal für Leserinnen und Leser, die schwarzen Humor, überdrehte Action und ungewöhnliche Fantasy mögen. Fans von Deadpool, Tank Girl oder absurden Cartoonwelten werden hier voll auf ihre Kosten kommen. Wer jedoch ein klassisches Märchen oder eine ruhige Fantasygeschichte erwartet, sollte sich auf ein komplettes Gegenteil einstellen.
Fazit
I Hate Fairyland 1 ist ein Comic, der sich bewusst über Genregrenzen hinwegsetzt und dabei eine einzigartige Mischung aus niedlicher Optik und hemmungsloser Eskalation liefert. Skottie Young beweist, dass Märchenwelten auch dann funktionieren, wenn man sie komplett auf den Kopf stellt und mit schwarzem Humor würzt. Besonders überzeugt die Figur der Gertrude, die mit ihrer Mischung aus kindlicher Erscheinung und erwachsener Wut sofort im Gedächtnis bleibt. Sie ist chaotisch, unfair, überdreht – und genau deshalb unglaublich unterhaltsam.
Auch visuell gehört der Comic zu den großen Stärken des Bandes. Der farbenfrohe, lebendige Stil steht in perfektem Kontrast zur Brutalität der Ereignisse und macht jede Seite zu einem kleinen Spektakel. Inhaltlich darf man keine tiefgründige Fantasy-Story erwarten, doch genau das ist auch nicht das Ziel. Stattdessen bietet der Band kurzweilige Unterhaltung, kreative Ideen und jede Menge absurde Momente, die den Comic zu einem echten Spaßmacher machen. Unterm Strich ist I Hate Fairyland 1 ein wilder, lauter und sehr unterhaltsamer Auftakt, der vor allem durch seinen Humor, seinen Stil und seine ungewöhnliche Hauptfigur punktet.
Vielen Dank an den Skinless Crow Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
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