Habemus Bastard 2 Ein Herz unter einer Soutane

Ex-Killer Lucien hat sich erstaunlich gut als Dorfpfaffe eingerichtet und lebt entspannt von Naturalien und kleinen Gefälligkeiten. Doch lange bleibt es nicht ruhig – seine blutige Vergangenheit holt ihn bald ein.

Ein Bastard in der Soutane – Zurück in Luciens Doppelleben

Mit Habemus Bastard 2: Ein Herz unter einer Soutane kehrt der wohl unorthodoxeste Dorfpfarrer der Comicwelt zurück. Lucien, einst eiskalter Killer, nun scheinheiliger Pfaffe, hat sich erstaunlich gut in seiner neuen Rolle eingerichtet. Was im ersten Band noch improvisiert wirkte, ist jetzt ein ausgeklügeltes System aus frommen Gesten, falschen Segnungen und sehr weltlichen Vorteilen. Der Comic knüpft nahtlos an den Vorgänger an und zeigt von der ersten Seite an: Dieser Bastard hat Blut an den Händen – und Charme im Herzen.

Vom Auftragsmörder zum Dorfseelsorger

Die Grundidee bleibt herrlich absurd: Ein Ex-Killer, der sich als Dorfpfarrer tarnt und plötzlich Gefallen an seinem neuen Leben findet. Lucien nutzt seine Soutane nicht nur als Tarnung, sondern als echte Geschäftsgrundlage. Eier, Wein, Fleisch und kleine Gefälligkeiten landen ganz selbstverständlich bei ihm, schließlich hilft der Pfarrer ja jedem. Dass seine Motivation dabei weniger christlich als bequem ist, macht den Reiz der Figur nur größer.

Alltag im Namen des Herrn (und des Eigennutzes)

Besonders stark ist der Comic immer dann, wenn er Luciens Alltag im Dorf schildert. Beichten, Segnungen und fromme Gespräche werden zur Bühne für schwarzen Humor und ganz harte Szeben. Lucien hört zu, nickt verständnisvoll – und denkt dabei meist an den nächsten Vorteil. Diese Diskrepanz zwischen äußerer Frömmigkeit und innerem Zynismus sorgt für viele leise, aber sehr treffsichere Lacher.

Die Vergangenheit klopft an die Kirchentür

Natürlich wäre Lucien nicht Lucien, wenn seine blutige Vergangenheit ihn nicht einholen würde. Alte Kontakte, offene Rechnungen und die Welt der Gewalt rücken bedrohlich näher. Der Comic spielt gekonnt mit der Spannung zwischen Dorfidylle und brutaler Realität. Man spürt ständig, dass diese friedliche Maskerade jederzeit zerbrechen kann – und genau das hält die Geschichte lebendig.

Schwarzer Humor mit messerscharfer Klinge

Der Humor von Habemus Bastard 2 ist bitterböse, aber nie plump. Die Witze entstehen aus Situationen, Blicken und Monologen, nicht aus lauten Pointen. Gerade die Mischung aus religiöser Symbolik und krimineller Vergangenheit wird genüsslich ausgeschlachtet. Der Comic lacht nicht über den Glauben, sondern über die Heuchelei – und das mit erstaunlicher Eleganz.

Zeichnungen zwischen Idylle und Abgrund

Optisch bleibt der Band seinem Stil treu. Die Zeichnungen wirken auf den ersten Blick fast gemütlich, mit liebevoll gestalteten Dorfszenen und klarer Linienführung. Doch unter dieser Oberfläche lauert stets etwas Bedrohliches. Gesichter können innerhalb weniger Panels von freundlich zu tödlich wechseln, was Luciens innere Zerrissenheit perfekt widerspiegelt.

Figuren, die mehr sind als Karikaturen

Auch die Nebenfiguren bekommen Raum zur Entfaltung. Die Dorfbewohner sind keine bloßen Statisten, sondern kleine Charakterstudien, mal naiv, mal berechnend, mal überraschend clever. Gerade im Zusammenspiel mit Lucien entstehen dynamische Szenen, die den Comic über eine reine One-Man-Show hinausheben.

Tempo und Erzählfluss

Der Erzählrhythmus ist angenehm ausgewogen. Ruhige, fast kontemplative Momente wechseln sich mit plötzlichen Gewaltausbrüchen ab. Der Comic nimmt sich Zeit für Atmosphäre, ohne träge zu werden. Jede Szene scheint bewusst gesetzt, jede Eskalation gut vorbereitet.

Mehr als nur eine Fortsetzung

Ein Herz unter einer Soutane ist keine simple Wiederholung des ersten Bandes, sondern eine konsequente Weiterentwicklung. Lucien wird greifbarer, komplexer und gleichzeitig gefährlicher. Man merkt, dass die Geschichte weiß, wohin sie will – auch wenn der Weg dorthin blutig und moralisch fragwürdig bleibt.

Fazit: Ein Bastard zum Liebhaben

Habemus Bastard 2 schafft das Kunststück, seinen Antihelden noch sympathischer zu machen, ohne ihn zu entschärfen. Lucien bleibt ein Killer, ein Lügner und ein Nutznießer und genau das macht ihn so faszinierend.

Der Comic überzeugt durch Humor, starke Figuren und eine Atmosphäre, die zwischen Dorfidylle und latentem Horror pendelt. Die religiöse Verkleidung dient dabei nicht nur als Gag, sondern als cleveres erzählerisches Werkzeug. Besonders gelungen ist die Balance zwischen Komik und Ernst. Man lacht über Luciens Tricksereien, spürt aber gleichzeitig die Gefahr, die von seiner Vergangenheit ausgeht. Diese Spannung trägt den gesamten Band. Auch zeichnerisch bleibt das Niveau hoch. Die ruhige Bildsprache kontrastiert wirkungsvoll mit den brutalen Momenten und verstärkt die Wirkung der Geschichte. Unterm Strich ist Ein Herz unter einer Soutane eine bissige, unterhaltsame und überraschend gelungene Fortsetzung und Abschluss, die Lust auf mehr macht – selbst wenn man dabei moralisch nicht immer guten Gewissens mitfiebert.

Vielen Dank an den Splitter Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars 

Das könnte dich auch interessieren …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert