An jenem Tag in Hiroshima: Ein Mädchen und ein Arzt erzählen

Im Fokus steht die Schülerin Sachiko Konishi, die 1944 wegen des Krieges in Hiroshima zur Schule geht und zur Straßenbahnfahrerin ausgebildet wird. Der harte Alltag, schlechte Lebensbedingungen und Überforderung prägen ihr Leben bis zum 6. August 1945, an dem sie die Explosion überlebt, deren Folgen jedoch weiter erleidet. Die zweite Geschichte folgt dem Arzt Rokurō Kondō, der nach dem Abwurf das Leid der zahlreichen Verletzten miterlebt. Der Manga ist sachlich und schlicht gezeichnet und zeigt die Ereignisse eindringlich und ungeschönt.

Ein Tag, der alles veränderte

Der Manga An jenem Tag in Hiroshima: Ein Mädchen und ein Arzt erzählen beginnt mit einem Datum und einer Uhrzeit, die sich unauslöschlich in die Geschichte eingebrannt haben: der 6. August 1945, 8:15 Uhr. Ohne lange Vorrede wird klar, worum es geht um den ersten Atombombenabwurf auf eine Stadt und um seine menschlichen Folgen. Statt trockener Fakten setzt der Manga auf persönliche Schicksale, die den Horror dieses Moments greifbar machen. Genau das macht den Einstieg so eindringlich und emotional.

Zwei Perspektiven, ein Trauma

Der One-shot erzählt die Ereignisse aus zwei Blickwinkeln: dem der Schülerin Sachiko Konishi und dem des Arztes Rokurō Kondō (auch als Hida bekannt). Diese doppelte Perspektive ist eine der großen Stärken des Mangas. Während Sachikos Geschichte das Leben junger Menschen im kriegsgeplagten Japan zeigt, führt Kondōs Bericht mitten hinein in das medizinische und menschliche Chaos nach der Explosion. Zusammen ergeben beide Erzählungen ein erschütterndes Gesamtbild.

Alltag im Schatten des Krieges

Besonders eindrucksvoll ist die Schilderung von Sachikos Alltag vor dem Abwurf. Schule, Ausbildung bei der Straßenbahn, strenge Regeln im Wohnheim und ständige Erschöpfung all das wirkt zunächst fast banal. Doch genau diese Normalität macht deutlich, was auf dem Spiel steht. Sachiko und ihre Freundin Takae haben Träume, Pläne und Hoffnungen, auch wenn der Krieg ihren Alltag bereits stark einschränkt.

Junge Frauen zwischen Pflicht und Überforderung

Der Manga zeigt sehr klar, wie sehr junge Frauen im Krieg instrumentalisiert wurden. Weil Männer eingezogen sind, müssen Schülerinnen plötzlich schwere körperliche Arbeit leisten und Verantwortung übernehmen, für die sie kaum vorbereitet sind. Die Probleme von Nahrungsmangel über Respektlosigkeit bis hin zu katastrophalen Wohnbedingungen – wirken bedrückend realistisch und lassen erahnen, wie groß die Belastung für die Mädchen gewesen sein muss.

Der Moment der Explosion

Der eigentliche Atombombenabwurf wird nicht sensationsheischend inszeniert, sondern fast nüchtern erzählt. Gerade dadurch entfaltet er seine Wucht. Sachikos Orientierungslosigkeit, die zerstörte Baracke und das langsame Begreifen dessen, was passiert ist, gehen unter die Haut. Der Manga nimmt sich Zeit, diesen Moment wirken zu lassen, ohne ihn auszuschlachten.

Leiden nach dem Überleben

Besonders stark ist, dass die Geschichte nicht mit dem Überleben der Explosion endet. Sachikos körperliche und seelische Leiden ziehen sich weiter durch den Manga. Damit macht das Werk deutlich, dass der eigentliche Horror nicht mit dem Blitz der Bombe vorbei war, sondern erst begann – ein Aspekt, der in vielen Darstellungen oft zu kurz kommt.

Der Arzt im Ausnahmezustand

Die zweite Geschichte rund um Dr. Kondō ergänzt Sachikos Erlebnisse perfekt. Als Arzt, der verzweifelt versucht, nach Hiroshima zu gelangen, wird er zum Zeugen unzähliger kleiner Tragödien. Verletzte, Sterbende und hoffnungslose Fälle bestimmen seinen Alltag. Seine Perspektive ist nüchterner, fast dokumentarisch, und gerade deshalb unglaublich beklemmend.

Sachlicher Stil mit großer Wirkung

Zeichnerisch bleibt der Manga eher schlicht und sachlich. Die Figuren sind klar erkennbar, aber nicht übermäßig detailliert, was gut zum ernsten Thema passt. Besonders ältere Charaktere heben sich durch individuelle Merkmale hervor. Verletzungen und Verbrennungen werden deutlich gezeigt, ohne reißerisch zu wirken – nichts wird beschönigt, aber auch nichts unnötig dramatisiert.

Ein Manga gegen das Vergessen

Insgesamt versteht sich An jenem Tag in Hiroshima als Mahnung. Sasurai no Kanabun erzählt keine Geschichte von Helden, sondern von ganz normalen Menschen, deren Leben innerhalb eines Augenblicks zerstört wurde. Gerade diese Menschlichkeit sorgt dafür, dass der Manga lange nach dem Lesen im Kopf bleibt.

Erinnern als Verantwortung

Dieser Manga ist keine leichte Lektüre, aber eine enorm wichtige. Er zeigt, wie Geschichte nicht nur aus Daten und Fakten besteht, sondern aus einzelnen Leben, Hoffnungen und Verlusten. Die persönlichen Berichte machen das Geschehen greifbar und emotional. Besonders gelungen ist die Entscheidung, zwei unterschiedliche Perspektiven zu wählen. Die junge Schülerin und der erfahrene Arzt ergänzen sich hervorragend und zeigen das Ausmaß der Katastrophe aus verschiedenen Blickwinkeln. Dadurch wirkt das Geschehen umfassender und noch eindringlicher. Grafisch überzeugt der Manga durch Zurückhaltung und Klarheit. Der sachliche Zeichenstil passt perfekt zur Thematik und verhindert, dass das Leid zur bloßen Schau gestellt wird. Stattdessen bleibt Raum für Nachdenken und Mitgefühl.

Inhaltlich ist das Werk schonungslos ehrlich. Es zeigt nicht nur die Explosion, sondern vor allem das Danach das Leid, die Verzweiflung und die Langzeitfolgen. Genau darin liegt seine größte Stärke. An jenem Tag in Hiroshima ist ein Manga, der weh tut, aber gelesen werden sollte. Er erinnert daran, warum die glänzende Zukunft unter dem Himmel von Hiroshima niemals vergessen werden darf.

Vielen Dank an den Splitter Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars. 

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