Nausicaä aus dem Tal der Winde: Doppelband-Edition 1

Nausicaä aus dem Tal der Winde ist ein zeitloser Manga von Hayao Miyazaki aus den 1980er-Jahren, der angesichts von Umweltschutz und Klimawandel heute besonders aktuell ist. In einer nach den „Sieben Tagen des Feuers“ zerstörten Welt kämpft Prinzessin Nausicaä mit ihrem Volk am Rand eines giftigen Waldes ums Überleben.
Ein epischer Einstieg in eine giftige, aber faszinierende Welt
Schon auf den ersten Seiten wird klar: Nausicaä aus dem Tal der Winde ist kein gewöhnlicher Manga. Miyazaki wirft uns mitten in eine Welt, die nach den „Sieben Tagen des Feuers“ kaum wiederzuerkennen ist – ein Planet, der sich seine Oberfläche mit giftigen Pilzwäldern, riesigen Insekten und versprengten Menschensiedlungen teilt. Die Doppelband-Edition fasst diese Einführung wunderbar zusammen und gibt uns mit ihrem Großformat genug Raum, die Intensität dieser zerstörten Erde förmlich einzuatmen.
Nausicaä: Eine Heldin zwischen Entschlossenheit und Mitgefühl
Was diesen Manga so besonders macht, ist aber nicht nur seine Welt, sondern auch seine Protagonistin. Nausicaä ist keine typische Kriegerprinzessin. Sie ist neugierig, einfühlsam, kompromissbereit – und gleichzeitig bereit, sich jeder Gefahr entschlossen entgegenzustellen. Ihre Beziehung zum „Meer der Fäulnis“ zeigt, wie stark ihr Mitgefühl selbst für jene Kreaturen ist, die den Menschen Furcht einflößen. Schon früh merkt man: Diese Geschichte erzählt keinen klassischen Kampf von Gut gegen Böse, sondern ein komplexes Ringen ums Überleben.
Die Atmosphäre der 80er zeitlos, aber spürbar
Die Erzählweise trägt den Charme eines Mangas der 80er-Jahre: ausführlich, dicht, teils philosophisch, aber niemals trocken. Die Doppelband-Ausgabe bewahrt diesen Stil vollkommen und präsentiert ihn mit moderner Druckqualität, ohne den ursprünglichen Charakter zu verfälschen. Besonders schön: Carlsen hat den Mut bewiesen, die ursprüngliche braune Zeichenfarbe zu übernehmen, was der gesamten Welt einen warmen, organischen Look verleiht.
Konflikte, die kaum geradliniger sein könnten
Früh gerät Nausicaä zwischen die Fronten: die mysteriösen Pejite-Flüchtlinge, die militärische Macht Turomekias, der Konflikt mit dem Doruk-Reich. Bereits im ersten Doppelband deutet sich ein komplexes politisches Geflecht an, das weit über einfache Feindbilder hinausgeht. Man muss aufmerksam bleiben und genau darin liegt die Stärke der Geschichte.
Der Moment des Steins ein Katalysator für alles Weitere
Der Begegnung mit der sterbenden Prinzessin aus Pejite kommt eine gewaltige narrative Bedeutung zu. Der geheimnisvolle Stein, den sie Nausicaä anvertraut, ist nicht nur ein Gegenstand, sondern Symbol, Rätsel und Gefahr zugleich. Er zieht Konflikte an wie ein Magnet und wirft zugleich moralische Fragen auf, die Nausicaä im weiteren Verlauf beschäftigen werden.
Kushana: Eine Antagonistin, die mehr ist als nur ein Hindernis
Mit Kushana betritt eine der vielschichtigsten Figuren des gesamten Miyazaki-Kosmos die Bühne. Die toughe, aber hochintelligente Prinzessin von Turomekia ist weder klassische Bösewichtin noch vertrauenswürdige Verbündete. Ihre Gespräche mit Nausicaä sind Highlights dieses Doppelbandes, weil sie zeigen, wie unterschiedlich zwei Menschen mit ähnlichem Mut sein können.
Ein Manga, der Zeit braucht – und es wert ist
Nebenbei lesen geht hier nicht. Die Geschichte packt Themen wie Umweltzerstörung, Krieg, Flucht, Verantwortung und Menschlichkeit in eine dichte Erzählung, die ihre Wirkung erst entfaltet, wenn man sich wirklich darauf einlässt. Die Doppelband-Edition wirkt fast wie ein Kunstbuch: groß, schwer, hochwertig – und mit jeder Menge Inhalt, der nachhallt.
Ein visuelles Erlebnis, das auch Jahrzehnte später beeindruckt
Miyazakis Zeichnungen sind detailreich, aber nie chaotisch. Die Kompositionen sind so klar, dass selbst die komplexesten Maschinen und Pilzwälder sofort Atmosphäre erzeugen. Besonders beeindruckend sind die subtilen Farbseiten, die wie kleine Pausen wirken und die Lesenden wieder in die Welt zurückziehen, bevor die Handlung weiter an Tempo gewinnt.
Ein Auftaktband, der neugierig auf das große Ganze macht
Am Ende dieses Doppelbandes hat man das Gefühl, erst an der Oberfläche eines riesigen Epos gekratzt zu haben – und gleichzeitig bereits mittendrin zu stecken. Der Manga schafft dieses seltene Gefühl, dass etwas Großes beginnt, dessen tiefe Bedeutung man erst später voll begreifen wird. Und genau das macht ihn zu einem Klassiker.
Ein Klassiker, der heute aktueller ist als je zuvor
Das zentrale Thema die fragile Balance zwischen Mensch und Natur hätte kaum zeitloser und treffender umgesetzt werden können. Die Doppelband-Edition erinnert daran, dass Umweltzerstörung und Ressourcengier keine neuen Probleme sind, sondern schon vor Jahrzehnten visionär in Kunstwerken wie diesem behandelt wurden.
Nausicaä trägt den Manga nicht nur, sie definiert ihn. Ihre Tiefe, ihr Mut und ihre Empathie machen sie zu einer staeken Protagonistin. Die Entscheidung, die originale Zeichenfarbe beizubehalten, verleiht dieser Edition einen besonderen Charme. Das Zusammenspiel aus großen, luftigen Panels und hochkomplexen Weltentwürfen sorgt dafür, dass man immer wieder innehalten möchte, um die Seiten wirken zu lassen.
Wer schnelle Action oder simple Unterhaltung sucht, wird hier nicht glücklich. Wer jedoch bereit ist, sich auf eine dichte, emotionale und anspruchsvolle Erzählung einzulassen, wird reich belohnt. Der Manga ist ein Werk, das Zeit und Aufmerksamkeit verdient – und sie in Form von Tiefe und Bedeutung zurückgibt. Zusammengefasst ist die Doppelband-Edition 1 ein absolut hochwertiger Auftakt eines epischen Werkes. Sie liefert alles, was Miyazakis Stil ausmacht: Vision, Emotion, gesellschaftliche Relevanz und eine ordentliche Portion Abenteuer. Wer Manga liebt oder Miyazakis Filme schätzt, sollte diesen Band unbedingt besitzen.
Vielen Dank an den Carlsen Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
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